Riesen-Projekt: Auch Dorsten wird zur Vorzeige-Wanderregion für Touristen

hzHohe Mark Steig

158 Kilometer lang. 1,6 Millionen Euro teuer: Mit dem Fernwanderweg „Hohe Mark Steig“ soll der Tourismus im nördlichen Ruhrgebiet weiter angekurbelt werden. Auch Dorsten soll profitieren.

Dorsten

, 27.01.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dichte Wälder, feuchte Moore, karg bepflanzte Heiden, malerische Auen- und Seenlandschaften - diese Naturerlebnisse liegen im Ruhrgebiet quasi vor der Haustür. Um diese grünen Schätze künftig vor allem auswärtigen Besuchern schmackhaft und begehbar machen zu können, will das nördliche Revier mit einem riesenlangen Projekt jetzt zur Vorzeige-Wanderregion zu werden.

Quer durch den Norden Dorstens

„Hohe Mark Steig“ heißt die ausgeschilderte Route, die sich offiziell ab Juni 2020 auf 160 Kilometern Länge von Olfen bis Wesel schlängeln wird - mehr als 18 Kilometer wird die Wegstrecke allein durch den Dorstener Norden betragen.

Denn Wandern liegt im Trend: Mehrere solcher Fern-Wanderrouten sind in den vergangenen Jahren in Deutschland entwickelt worden - und kurbeln so den Tourismus an. Da wollen das Ruhrgebiet und insbesondere der unlängst deutlich vergrößerte „Naturpark Hohe Mark“ - zu dem inzwischen fast das gesamt Dorstener Stadtgebiet gehört - nicht nachstehen.

Riesen-Projekt: Auch Dorsten wird zur Vorzeige-Wanderregion für Touristen

Der Hohe Mark Steig verläuft auch 18,5 Kilometer durch den Dorstener Norden. Schwarz sind die Anbindungswege an die Bahnhöfe in Rhade und Lembeck. © Klein, Michael

Vor allem die „Best-Ager“, also die erlebnisorientierte und konsumfreudige Ü50-Generation, wollen die beiden Kooperationspartner - Regionalverband Ruhr (RVR) und die Geschäftsstelle des Naturparks Hohe Mark - als Zielgruppe ins Visier nehmen. Dies erklärte Jan Focke vom RVR-Ruhr-Grün-Team, als er unlängst im Dorstener Umwelt- und Planungsausschuss den neuen Fern-Wanderweg im Revier vorstellte.

Kosten: 1,6 Millionen Euro

1,6 Millionen Euro kostet nach seinen Angaben der Hohe Mark Steig, die Hälfte aus EU-, 30 Prozent aus Landesmitteln. Den Rest zahlt der RVR, der in den kommenden 15 Jahren auch die Plege und Unterhaltung übernimmt.

Die Routen der sieben und jeweils 16 bis 24 Kilometer langen Teiletappen verlaufen zwar nahezu komplett auf bestehenden Wanderwegen - das Marketing-Material (Flyer mit QR-Codes, Apps) und die nötige Infrastruktur, damit die Wanderer genügend Rastplätze vorfinden und nicht die Orientierung verlieren, müssen jedoch fast komplett neu entworfen und angeschafft werden.

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70 Bänke, 20 Sitzgruppen, neun Schutzhütten, 122 Wegweiser in beide Richtungen, 175 Markierungsposten und 28 neue Naturpark-Infostelen werden im Frühjahr am Hohen Mark Steig aufgestellt, der Münsterland und Niederhein miteinander verbinden wird.

Ziel: Qualitätsradweg

Wanderexperten des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) waren mit der Streckenführung beauftragt worden und hatten vorab Tipps zur Ausstattung gegeben - denn Ziel ist es, dass der Revier-Steig nach seiner Eröffnung im Juni 2020 so schnell wie möglich als „Qualitätsweg“ des Deutschen Wanderverbandes zertifiziert wird - was die touristischen Vermarktungschancen erhöhen würde.

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Der Hohe Mark Steig führt durch die schönsten Gegenden des südlichen Münsterlands und des östlichen Niederrheins. © Naturpark Hohe Mark

Für die Stadt Dorsten ist der Hohe Mark Steig ein Marketing-Gewinn in Sachen Freizeittourismus. „Mit dem Wandern haben wir neben dem starken Thema Radtourismus eine ganz neue Komponente“, sagt Hans Rommeswinkel vom Planungsamt der Stadt. Zu Zeiten des Infrastrukturprogramms „Regionale 2016“, an dem auch die Stadt Dorsten beteiligt war, hat er bereits federführend am grenzüberschreitenden Projekt „Waldband“ mit gewirkt, aus dem die Idee des „Hohe Mark Steigs“ hervorgegangen ist.

Auch in die Höhe

Er betont, dass der Fernwanderweg auch für Wanderer, die normalerweise etwas höher hinauswollen, durchaus seine Reize hat. „Das ist hier natürlich kein Mittelgebirge“, sagt Rommeswinkel. „Aber die höchste Stelle des Hohe Mark-Steigs in Dorsten beträgt sicherlich 120 Meter.“ Dort ragt der öffentlich zugängliche Feuerwachturm zudem noch weit über die Kuppe hinaus. „Wer da hochsteigt, der bekommt noch mal ein ganz intensives Landschaftserlebnis, weil er auch weit in Richtung Ruhrgebiet blicken kann.“

Nach Angaben von Hans Rommeswinkel ist dies nicht der einzige Höhepunkt des Dorstener Streckenabschnitts für die Wanderfreunde, die in Lembeck-Specking erstmalig Dorstener Boden betreten und diesen nach 18,5 Kilometern nahe der Emmelkämper Mark in Richtung Schermbeck verlassen.

Unterwegs stoßen sie beispielsweise auf die Midlicher Mühle an der Lippramsdorfer Straße, queren das Deutener Moor, auch Schloss Lembeck und die Lembecker Bio-Station befinden sich nur einen kleinen Abstecher von der Route entfernt.

Hütte wird erneuert

Gerne hätte es Hans Rommeswinkel gesehen, hätte die Strecke auch die neue Rhader Schutzhütte passiert, „doch leider führt der Weg sehr weit südlich an Rhade vorbei“. Auch dass die Wanderer, die ansonsten auf weichem Untergrund unterwegs sein werden, im Bereich Pfadfinderhaus in der alten Schule Beck/Midlicher Mühle in Lembeck in Ermangelung einer gangbaren Alternative eine Strecke auf Asphalt laufen müssen.

Dieser Nachteil werde aber dadurch aufgewogen, dass für den Hohe Mark Steig dort die verfallene Hütte wieder erneuert wird. Eine neue Schutzhütte auf Dorstener Gebiet ist im Süden von Rhade vorgesehen.

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Während an der Midlicher Mühle mit dem „Cafe-Kiosk Tante Guste“ immerhin eine kleine Einkehrmöglichkeit besteht, hat das Dorstener Teilstück ansonsten einen schwerwiegenden Nachteil: „Es gibt ansonsten in Dorsten keine weitere Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeit an der Strecke“, so Rommeswinkel.

Hol- und Bringdienst

Sabine Fischer, Leiterin der Stadtagentur an der Recklinghäuser Straße, ist dieses Problem bewusst. Dieses sei bei der ersten Sitzung des neuen Dorstener Tourismus-Arbeitskreises schon Thema gewesen. Wichtig sei deshalb umso mehr, dass sich die Akteure im Bereich Fremdenverkehr vor Ort künftig besser vernetzten.

„Man muss versuchen, gemeinsame Aktionen auf den Weg zu bringen“, so Sabine Fischer. So könnten - das sei eine Überlegung - die Übernachtungsbetriebe aus Rhade oder Lembeck den Wanderern beispielsweise einen „Hol- und Bringdienst“ von und zu der Wanderstrecke anbieten.

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Zahlreiche Schilder sollen die Wanderer auf den richtigen Weg führen. © RVR

Und an den Bahnhöfen in Lembeck und Rhade seien Leihräder denkbar, mit denen die einen Wanderer zum „Hohe Mark Steig“ radeln und die anderen zurück zum Bahnhof radeln können. Denn immerhin werben die Marketingexperten von RVR und Naturpark mit dem Slogan „Wanderweg mit Gleisanschluss“.

Auch Tagestouristen im Visier

Aber nicht nur an auswärtige Gäste, die den Hohe Mark Steig komplett abwandern, richten sich die Initiatoren mit dem neuen Wanderweg. Auch Tagestouristen aus dem Ballungsraum Ruhrgebiet bis hin nach Holland sollen kommen. „Wir werden auch in Dorsten deshalb demnächst kürzere Themenschleifen anbieten“, kündigt Hans Rommeswinkeln an.

„Landstreifer in Wulfen“

Einen weiteren größeren Tages-Rundweg gibt es nördlich von Alt-Wulfen rund um Barkenberg - er wird als „Landstreifer“-Themenweg ausgeschildert. Für die mit dem Wagen anreisenden Tagestouristen sei auch geplant, die zum Teil stark in die Jahre gekommenen Wanderparkplätze wieder auf Vordermann zu bringen.

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