Holz-Pentagon im Wald bei Deuten gibt Rätsel auf

hzIm Landschaftsschutzgebiet

Im Wald zwischen B58, Tüshausweg und Hammbach steht ein Blockhaus. Spaziergänger wundern sich über das Pentagon ohne Dach. Was der Bau dort soll, wollen sie wissen.

Deuten

, 03.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Friedhelm Fragemann, SPD-Ratsfraktionsvorsitzender, kam als Spaziergänger zufällig an dem Blockhaus ohne Dach in Deuten vorbei. Dort traf er einen auskunftsfreudigen Menschen an: Er wolle eine Waldsauna errichten, so wie er es aus seiner Heimat Russland kenne, sagte der Bauherr. In der Sauna könnten Familien und Besuchergruppen schwitzen, erklärte er zudem.

Fragemann kam das spanisch vor: „Wie kann das sein, dass in einem Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebiet ein solches Bauprojekt genehmigt wird?“, fragte er unlängst in öffentlicher Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Stadt nach.

Viele Spaziergänger sind neugierig geworden

Viele weitere Spaziergänger wollten das auch gerne wissen. Sie erkundigten sich aber nicht bei der Stadt Dorsten, sondern beim RVR-Revierförster Christoph Beemelmans. Er sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort eine Waldsauna gebaut werden darf.“ Für nähere Informationen verwies er auf das Regionalforstamt Ruhrgebiet, unter dessen Aufsicht dieses Waldgebiet steht.

Bis Dienstag tappte Friedhelm Fragemann völlig im Dunkeln, ob demnächst mit Bademantel und Badeschlappen bekleidete Besuchergruppen durch den Wald latschen, um in der Hütte in Deuten Latschenkieferaufgüsse zu genießen. So hat er seine Informationen aufgefasst.

„Der Mann handelt in der besten Absicht“

Die Eigentümerin der Waldfläche ist verwundert darüber, dass die Initiative des Mannes derart in den falschen Hals geraten konnte: „Er hat in der besten Absicht gehandelt“, sagt sie auf unsere Anfrage. Mit ihrer Genehmigung habe der Mann, den sie seit Längerem kennt und der als Mitarbeiter bei ihr tätig war, aus herumliegenden Holzstämmen und aus eigener Kraft das Blockhaus errichtet, so wie es in seiner Heimat hundertfach mit Axt und Säge und schierer Muskelkraft geschieht: „Das soll tatsächlich einmal eine Waldsauna werden“, sagt sie. Allerdings nicht auf dem Waldgrundstück bei Deuten.

Der Mann habe mit ihrer Erlaubnis auf ihrem Grundstück das Holz zu einem fünfeckigen Bauwerk aufgeschichtet und stabil zusammengefügt: „Ich bewundere ihn für sein Engagement und seinen Idealismus“, sagt die Flächeneigentümerin. Auch seine Beharrlichkeit bei der beschwerlichen Bauweise imponiere ihr.

Regionalforstamt Ruhr weiß Bescheid

Die Informationen der Waldbesitzerin decken sich exakt mit den Auskünften, die Uwe Spelleken vom Regionalforstamt Ruhrgebiet der Stadt Dorsten am 5. Mai mitgeteilt hat. Das Regionalforstamt hat laut Auskunft von Spelleken am 30. April das Bauwerk besichtigt und mit der Besitzerin Rücksprache gehalten: „Nach Einschlag des Fichtenkäferholzes wird aus Teilen des angefallenen Holzes Material für eine Sauna ausgewählt und auch vor Ort bearbeitet. Diese handmanuelle Bearbeitung bedeutet gleichzeitig ein Anpassen der einzelnen Holzstücke. Dazu ist es notwendig die Holzstämme entsprechend zu schichten. Diese werden dann durchnummeriert und nach Komplettierung abtransportiert. “

Heißt also: Das Holzhaus bleibt dort nicht stehen. Es kommt wieder weg.

Waldsauna nach russischem Vorbild

„Das war von vornherein so geplant“, sagt die Waldbesitzerin. Ihr Mitarbeiter suche aber noch jemanden, der ihm ein Grundstück für die Waldsauna nach russischem Vorbild zur Verfügung stellen kann. Sie würde sich sehr für ihn freuen, wenn er ein Angebot bekäme.

Allzu viel Zeit hat der Baumeister nicht mehr. Das Regionalforstamt hat für die „Maßnahme Sauna“ eine Frist gesetzt. „Spätestens bis zum 8. Juni muss die Fläche von den Saunaelementen/Baumstämmen geräumt sein“, kündigt Uwe Spelleken an. In der kommenden Woche will er nach dem Rechten schauen.

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