Hört sich verführerisch an, ist aber mit Haken und Ösen versehen: ein Immobilien-Teilverkauf. (Symbolbild) © picture-alliance/ dpa
Verbraucherzentrale warnt

Immobilien-Teilverkauf: Warum Hausbesitzer besser die Finger davon lassen

Die Werbung ist aggressiv. Die Werbung ist verheißungsvoll: Hausbesitzer können im Alter große Sprünge machen, wenn sie einem Teilverkauf ihrer Immobilie zustimmen.

Ein älteres Ehepaar wandte sich an die Dorstener Verbraucherberaterin Ruth Pettenpohl. Es könne sich einen Teilverkauf seiner Immobilie vorstellen. Es gebe keine Kinder, die das Haus erben könnten. Und das Paar wolle sich noch einen schönen Lebensabend machen. So wie dieses Paar denken zunehmend mehr Immobilieneigentümer. Im Alter ändern sich Wohnbedürfnisse. „Der Trend, sein Haus nicht zu verkaufen, aber Geld für eine alternative Wohnform zu gewinnen und einen Teilverkauf in Betracht zu ziehen, ist in Dorsten angekommen“, sagt Ruth Pettenpohl.

Vom Immobilienteilverkauf rät Ruth Pettenpohl aber ab. „Lassen Sie besser die Finger davon“ – so warnt die Verbraucherzentrale im Allgemeinen und Besonderen von dieser Form des Immobilienverkaufs. Denn ein Verkauf ist es – wenn auch unter anderen Vorzeichen und mit vergleichsweise schlechten Konditionen für die Immobilieneigentümer. Anbieter gibt es in Deutschland zahlreiche. Sie werben aggressiv und und locken Eigentümer mit verheißungsvollen Aussichten, große Barbeträge in die Hand zu bekommen.

Wer sich für den Immobilienteilverkauf interessiert, der sollte sich in jedem Fall eingehend informieren. In einer Mitteilung der Verbraucherzentrale heißt es: „Wer Geld braucht und eine Immobilie besitzt, der konnte sie schon immer als Sicherheit einsetzen, um besonders günstige Zinsen zu erhalten. Man spricht dann von einer Hypothek oder einem Hypothekendarlehen. Jetzt stellen wir fest: Unternehmen treten mit neuen, vermeintlich simpleren Angeboten an Verbraucher heran.“

Anbieter gibt es viele auf dem Markt

Anbieter seien etwa Wertfaktor, Engel & Völkers, Heimkapital oder auch die Deutsche Teilverkauf. Die Werbeversprechen lauten laut Auskunft der Verbraucherzentrale: „Wohnen wie immer – leben wie neu“ (Engel & Völkers), „Ihre Immobilie zahlt sich aus“ (Wertfaktor) und „Klüger wohnen“ (Deutsche Teilkauf).

Interessenten könnten online den Wert ihrer Immobilie einschätzen lassen und bekämen schnell konkrete Summen zu sehen, die sie sich auszahlen lassen könnten, heißt es weiter im Werbeversprechen. Und: „Die Unternehmen möchten dafür Miteigentümer werden, sich aber sonst bei der Immobilie nicht groß einmischen.“

Eigentümer werden zu Mietern mit weniger Rechten

De facto, so die Verbraucherzentrale, wohnen die Eigentümer dann zur Teilmiete. Denn die ausgezahlte Summe wird auf den Eigentümer umgelegt. „Je größer der Anteil ausfällt und je wertvoller die Immobilie ist, desto höher fällt dann auch dieses Entgelt aus“, warnen die Verbraucherberater. Zudem werde das Entgelt meist für eine bestimmte Vertragslaufzeit festgeschrieben und danach neu vereinbart. „Es kann aber auch variabel sein und mit der Inflationsrate automatisch steigen.“

Ein weiterer Haken: An notwendigen Instandhaltungs- und Investitionskosten, wie bei Mietern und Vermietern, beteiligen sich die Unternehmen nicht. Außerdem wäre bei jetzt gültigen Darlehenskosten eine Hypothek auf die Immobilie günstiger als ein Teilverkauf, rechnen die Verbraucherschützer vor. Wer dann noch vorhat, seine zum Teil verkaufte Immobilie ganz zu veräußern, der muss mit herben Abzügen rechnen. Je nach Anbieter, verleiben sich die Miteigentümer „Entgelte“ von 4,5 bis 6,5 Prozent des Verkaufspreises ein.

Besser ist es, sich wirklich gut zu informieren

Ruth Pettenpohl rät Immobilienbesitzern dazu, sich vor einem Immobilien-Teilverkauf eingehend zu informieren. Der Wunsch, sich von seiner Immobilie im Alter zu trennen, sei in Dorsten spürbar gewachsen, seitdem alternative Wohnprojekte oder barrierefreies Wohnen zunehmend angeboten werden. Beratung und Info: Verbraucherberatung Dorsten, Julius-Ambrunn-Straße 10, Tel. (02362) 78 75 201.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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