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In Dorsten gibt es immer weniger Taxifahrer

hzTaxiunternehmen

Taxifahrer in ganz Deutschland haben aus Angst vor Online-Fahrdiensten wie Uber gestreikt. In Dorsten haben die Fahrer jedoch ganz andere Probleme.

Dorsten

, 18.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Während des Gesprächs mit dem Dorstener Taxiunternehmer Jörg Albers klingelt zweimal sein Handy. Einmal muss er die Kundin mit einer Wartezeit von 20 Minuten auf das Taxi zum Krankenhaus vertrösten, die andere Fahrt von den Mercaden nach Lembeck muss er ablehnen.

„Ich habe einfach nicht genug Fahrzeuge und zu wenig Personal“, sagt Albers im Gespräch mit unserer Redaktion und ist sichtlich frustriert. In den vergangenen fünf Jahren hat er seine Taxiflotte stark reduzieren müssen, auch die Mitarbeiterzahl ist rapide nach unten gegangen.

Jörg Albers sucht händeringend nach geeignetem Personal

Der Hauptgrund: „Keiner möchte mehr Taxifahrer werden.“ Seit Jahren sucht Albers händeringend nach neuen Mitarbeitern. Ein Grund: Die Anforderungen zur Erlangung des Personenbeförderungsscheins sind gestiegen. Dieser wurde 2013 auf den gesamten Kreis Recklinghausen ausgeweitet. Nun müssten Anwärter auch Fragen zu Einrichtungen und Institutionen in allen Kreisstädten beantworten. „Diese Ortskenntnisse braucht kein Dorstener Taxifahrer“, sagt Jörg Albers.

Antrag auf Ausnahmegenehmigung beim Kreis scheiterte 2014

2014 hatte er beim Kreis Recklinghausen schriftlich eine Ausnahmegenehmigung beantragt, dass Fahrer nur noch Fragen zu Dorsten beantworten müssen, und war gescheitert. „Eigentlich müsste ich an das Thema noch mal ran, aber momentan fehlt mir dafür einfach die Energie“, so Albers.

Online-Fahrdienste wie beispielsweise Uber seien für eine Stadt wie Dorsten kein Thema. Das bestätigt auch Guido Heethey. Er ist mit seinem Taxiunternehmen schon 23 Jahre am Dorstener Markt. Angst vor Uber und Co. hat er ebenfalls nicht.

Unternehmen Uber ist in Deutschland stark umstritten

Das US-amerikanische Unternehmen bietet bereits in vielen Städten online Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung an. Der Dienst ist umstritten und wurde in Deutschland bereits mehrfach gerichtlich verboten. Viele Taxifahrer hatten bundesweit am 10. April gestreikt. Unter anderem auch in Düsseldorf hatten die Fahrer ihrem Unmut über geplante Gesetzesänderungen zur Liberalisierung des Fahrdienstmarktes Luft gemacht.

„Uber ist eher in den Großstädten ein Thema“

„Für Dorstener Taxiunternehmen wird Uber kein Problem werden. Das ist eher in den Großstädten ein Thema“, sagt Guido Heethey. Er glaubt nicht, dass Uber sich in Deutschland halten wird, vor allem weil die Fahrer bei dem Unternehmen kaum etwas verdienten und das Geschäftsmodell somit nicht lange mittragen würden.

Sorgenfrei ist er jedoch nicht: „Das Taxigewerbe ist geschrumpft. Der Bedarf ist einfach nicht mehr so da.“ Die Gründe dafür lägen aber nicht bei Uber und Co., sondern seien vielschichtig. Begonnen habe in Dorsten alles mit der Schließung der Zeche und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust.

Kneipensterben in Dorsten ruiniert Taxiunternehmern das Nachtgeschäft

„Sehr problematisch ist für uns außerdem, dass es kaum noch Kneipen in Dorsten gibt. So geht uns mittlerweile ein großer Teil des Nachtgeschäfts flöten“, erklärt Heethey.

Einen großen Anteil am Tagesgeschäft des Dorstener Unternehmens hatten früher auch immer Krankenfahrten. „Aber die sind inzwischen sehr aufwendig und verwaltungslastig geworden“, sagt Heethey. Früher hätten die Ärzte über den Taxischein entschieden, heute müssten die Krankenkassen die Fahrt erst genehmigen. Jede Krankenkasse habe da jedoch andere Regelungen und auch der vom Patienten zu zahlende Eigenanteil sei immer anders.

Sperrung der Bismarckstraße war für Taxen ein großes Problem

Auch die Einführung des Mindestlohns, höhere Spritpreise sowie großräumige, langfristige Straßensperrungen wie zuletzt die der Bismarckstraße machten dem Taxiunternehmen zu schaffen.

Warum kann sich Taxi Heethey trotz der widrigen Umstände in Dorsten halten? „Das einzige Rezept ist, groß zu werden. Wir haben beispielsweise Taxi Zimmermann aufgekauft und uns so viele Marktanteile gesichert. Ansonsten helfen nur viel Fleiß und viel Arbeit.“

Betriebspflicht ist für einige Unternehmen ein Hindernis

Thomas Grätz, Geschäftsführer vom Bundesverband Taxi und Mietwagen, bestätigt, dass das Mindestlohngesetz problematisch für die Taxibranche sei. „Taxiunternehmen haben eine Betriebspflicht - sie müssen ständig zur Verfügung stehen. Wenn dann nachts jedoch kaum Aufträge rein kommen, man aber trotzdem Betriebskosten hat, lohnt sich das überhaupt nicht“, erklärt er.

Hinzu kämen Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden. „Insgesamt geht es der Taxibranche aber gar nicht so schlecht. Probleme gibt es oft aufgrund lokaler Gegebenheiten“, so Grätz.

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