Dieses Industriegebiet hieße für Anwohner: Mehr Lkw und Lärm im „kritischen Bereich“

hzIndustriepark „Große Heide“

300 neue Arbeitsplätze erhoffen sich Stadt und Ruhrkohle durch ein großes Industriegebiet, das in Dorsten entstehen soll. Für die Anwohner bedeutet der Plan nicht nur Vorteile.

Dorsten

, 25.10.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die viel befahrene B 58 (Dülmener Straße/Weseler Straße) gehört schon jetzt zu den lautesten Straßen in Dorsten. Doch vor allem für diejenigen, die im Bereich der Ortsdurchfahrt in Wulfen wohnen oder arbeiten, dürfte die Lärmbelastung in ein paar Jahren um einiges höher werden.

Der Grund ist der geplante Industriepark „Große Heide“, der an der Dülmener Straße (B 58) auf dem Gelände des ehemaligen Schachts Wulfen entstehen soll. Weil dadurch der Lkw-Verkehr rund um die Uhr deutlich zunehmen wird, könnte die Geräuschbelastung nachts um 1,3 Dezibel (dB) auf über 70 dB und tags um 2,2 dB auf über 60 dB steigen - damit lägen sie „im kritischen Bereich“. Zum Vergleich: Ein Flugzeug in geringer Entfernung erzeugt einen Lärm von 120 Dezibel.

Schallschutz nötig

Diese Zahlen und Aussagen finden sich in der Untersuchung, die das Büro „Planquadrat“ im Auftrag der RAG Montan Immobilien, der das Gelände gehört und die es gemeinsam mit der Stadt entwickelt, erstellt hat. Um die Situation der Anwohner zu verbessern, soll ein „Schallschutzfensterprogramm“ für die Betroffenen samt einer Satzung aufgelegt werden. Heißt: Die Hauseigentümer bekommen eine finanzielle Förderung, wenn sie lärmdämmende Fenster und Balkontüren einbauen. Das Ganze läuft über die Stadt, die Kosten übernimmt die RAG.

Dieses Industriegebiet hieße für Anwohner: Mehr Lkw und Lärm im „kritischen Bereich“

Die rote Linie umfasst das Areal des Bebauungsplans für das neue Industriegebiet in Wulfen. © Klein, Michael

Andere Schallschutzmaßnahmen - wie etwa Lärmschutzwände entlang der B 58, eine Tempo 30-Zone auf der Bundestraße oder ein „Flüsterasphalt“ - scheiden nach Ansicht des Planungsbüros aus praktischen und finanziellen Gründen aus.

Mit dem Vorentwurf zum Bebauungsplan wird sich der Umwelt- und Planungsausschuss auf seiner nächsten Sitzung am Dienstag (29. Oktober) um 16 Uhr im Rathaus beschäftigen.

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Anschließend sollen die Bürger und der Träger öffentlicher Belange (Behörden, Versorungsunternehmen etc.) beteiligt werden.

Dazu gehört auch eine Informationsveranstaltung für die Wulfener Bürger, die am 6. November (Mittwoch) um 18 Uhr im Gemeinschaftshaus Wulfen (Wulfener Markt) stattfinden wird.

32 Hektar groß

Im geplanten Industriepark, der von der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WinDor vermarkt wird, sollen rund 300 neue Arbeitsplätze entstehen. Er umfasst die 17 Hektar große Fläche der ehemaligen Schachtanlage Wulfen sowie benachbarte, bislang landwirtschaftlich genutzte Areale in einer Größe von 15 Hektar. Damit ist es etwa halb so groß wie das Gewerbegebiet Köhl in Wulfen. Das Areal ist wichtig für die Stadt: „Wir wollen hier den schon lange anhaltenden Aufwärtstrend bei der Schaffung von Arbeitsplätzen weiter vorantreiben“, sagt Bürgermeister Tobias Stockhoff.

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Erste Gespräche mit interessierten Unternehmen wurden bereits geführt. „Dabei ging es um drei bis zwölf Hektar für Produktion oder Logistik“, erklärt Christoph Winkel, stellvertretender Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage. Zum Teil seien darunter auch Kontakte mit Dorstener Unternehmen gewesen, die sich verändern oder erweitern wollen.

Im Nachtbetrieb

Die Betriebe dürfen im Nachtbetrieb arbeiten, auch größere Lärm-Emissionen sind erlaubt - abgesehen von einer kleineren Gewerbefläche im Norden, weil sich dort nicht weit entfernt zwei Wohnhäuser befinden, die auf der anderen Seite der B 58 liegen. Angesiedelt werden sollen ansonsten produzierendes Gewerbe, Handwerks- und Logistibetriebe, auch Chemie-Anlagen sind theoretisch in gewissem Rahmen denkbar. „Bislang hat es aber keine Anfragen aus dem Bereich Chemie/Petrolchemie gegeben“, so Christoph Winkel. „Wir halten solche Ansiedlungen auch für unwahrscheinlich.“ Erlaubt sei eine Gebäudehöhe bis zu 28 Metern, für Logistikbetriebe mit Hochregallagern.

Dieses Industriegebiet hieße für Anwohner: Mehr Lkw und Lärm im „kritischen Bereich“

Auf dem ehemaligen Zechenareal Wulfen ist die Entwicklung des Industriepark Große Heide geplant. © Bludau

„Der Standort ist durch seine verkehrsgünstige Lage attraktiv, da er die B 58 die beiden Autobahnen A 31 und die A 43 miteinander verbindet“, so die Stadt. Erschlossen werden soll das neue Industriegebiet von der B 58 aus, durch eine neue 450 Meter lange Stichstraße mit Wendehammer.

Die Bundesstraße soll in Fahrtrichtung Westen Linksabbiegespuren bekommen, damit der Verkehr vernünftig läuft. Sämtliche Kosten für die Erschließung des Areals übernimmt die RAG, auf die Stadt kämen maximal 900.000 Euro für die Entwässerung zu, heißt es vonseiten der Verwaltung.

Nachbesserungen nötig

Das Dortmunder Planungsbüro „Planquadrat“ und die Stadt sind sich im Grundsatz einig, dass der zusätzlich entstehende Verkehr auf dem bestehenden Straßennetz noch in einer akzeptablen Weise abgewickelt werden kann. „Einzelne verkehrstechnische Komponenten des Gutachtens müssen aber aufgrund von Hinweisen unserer Fachverwaltung noch nachgebessert werden“, erklärt Chrisoph Winkel. Dabei geht es um die Kreuzung B 58/Hervester Straße im Dorfkern. Die Stadt befürchtet, dass die errechneten Rückstaulängen zu Problemen auf den dortigen Abbiegespuren führen könnten.

Als die Dorstener Politik Ende vergangenen Jahres den Bebauungsplan auf den Weg gebracht hatte, forderte sie auf Wunsch von SPD und Grünen, dass auch Klimaschutzaspekte bei den Planungen berücksichtigt werden. Dem wird nun entsprochen.

Klimaschutz wird berücksichtigt

Am Rand wird eine Streuobstwiese angelegt, ein Teil der Dächer muss begrünt werden, ein anderer Teil mit Solaranlagen bestückt werden.. Bei der Energieversorgung sollen laut Gutachten innovative technische Lösungen geprüft werden.

Auf dem Gelände wurden drei Reviere der Vogelart „Baumpieper“ gefunden, für diese soll in der näheren Umgebung neuer Lebensraum geschaffen werden. Ein Grundstück dafür ist bereits ins Auge gefasst, die Verhandlungen laufen. Auf dem Gelände wurde auch die auf der roten Liste der gefährdeten Arten und unter Schutz stehende Heuschreckenart „Blaufflügelige Ödlandschrecke“ entdeckt, auch für diese sollen Umzugsflächen gesucht werden.

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