Jäger in Dorsten möchten weniger Hundesteuer bezahlen - bekommen sie Rabatt?

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Dorstens Jäger bitten die Stadt um Schützenhilfe. Sie möchten weniger Hundesteuer zahlen. Das hätten andere Dorstener auch gerne. Deshalb ist der Antrag nicht ohne.

Dorsten

, 27.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang November haben Dorstens Jäger einen Antrag an Hubert Große-Ruiken, den Kämmerer der Stadt Dorsten, gestellt. Darin bitten sie darum, dass die Stadt je Jagdbezirk die Hundesteuer für einen Jagdhund erlässt.

Der Wunsch bot den Politikern im Hauptausschuss Diskussionsstoff. Im Dezember soll in der letzten Ratssitzung des Jahres über einen etwaigen Steuernachlass entschieden werden.

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Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Der Wunsch der Jäger wird so wie beantragt wohl nicht erfüllt werden. Bauchschmerzen hatten die Politiker damit, wie sie anderen Hundehaltern in Dorsten den „Rabatt“ erklären sollen.

Eine Entscheidung muss gut begründet sein

Karin Patalla-Franzke (FDP) sprach von einem „elitären Hobby“, Bernd Schwane (CDU) davon, dass „eine Entscheidung gut begründet“ werden müsse. Denn schließlich gebe es auch arme, einsame, alte Menschen in Dorsten, „die ihren Hund als Ansprechpartner brauchen“ und trotzdem den vollen Hundesteuerbetrag bezahlen müssen.

108 Euro fordert die Stadt für einen Hund, für jeden weiteren Hund 120 Euro pro Jahr. Die jährlichen Einnahmen belaufen sich auf 673.750 Euro. In Dorsten gibt es 43 Jagdbezirke, die etwa 350 im Hegering Herrlichkeit Lembeck und Dorsten organisierten Jägerinnen und Jäger haben einen oder zwei Hunde oder sogar eine ganze Hundemeute.

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Die Hunde sind aus Sicht der Jäger für die Jagd und die Hege unerlässlich. Denn die Jäger hatten in den vergangenen Jahren zunehmend damit zu tun, die größer werdenden Wildschweinkohorten in den Wäldern und Feldern zur Strecke zu bringen.

Schwarzwildbejagung muss vorangetrieben werden

Die Jäger führen deshalb das Argument ins Feld: „Wir sorgen dafür, die Schwarzwildbejagung voranzutreiben“, sagt Hermann Wolff, Dorstener Berufsjäger. Wildschweine hätten sich stark vermehrt und müssten dezimiert werden, um die Übertragungswege für die todbringende Afrikanische Schweinepest (ASP) zu bannen. Die „klopft“ mittlerweile an den Grenzen zu Brandenburg an. (DZ+)

Jäger in Dorsten möchten weniger Hundesteuer bezahlen - bekommen sie Rabatt?

Hermann Wolff © Victoria Thünte

Wie teuer eine Jagdhundeausbildung ist, weiß Hermann Wolff, Hegeringsleiter der Herrlichkeit Lembeck und Dorsten, aus eigener Erfahrung: „Anschaffung, Ausbildung und Haltung von Jagdhunden sind mit enormen Ausgaben verbunden. Zwei- bis dreimal in der Woche absolvieren die Junghunde Ausbildungseinheiten, nach zwei bis drei Jahren kann der Hund dann seine Meisterprüfung machen.“

Ausbildung eines Jagdhundes kostet um die 5000 Euro

Alles zusammen koste pro Jung-Jagdhund etwa 3000 bis 5000 Euro. Unter den Jagdpächtern in Dorstener Revieren gebe es zehn Jäger, die eine ganze Meute halten. Eine Meute bestehe aus bis zu neun Hunden. „Angesichts der Steuerbeträge kann man sich ausrechnen, was sie jährlich zahlen müssen.“

Den Jägern ginge es aber nicht um die Steuerbeträge, sondern um ein Zeichen der Anerkennung ihrer gemeinnützlichen Arbeit.

Reduzierung des Beitrags für ehrenamtliche Jäger

Bürgermeister Tobias Stockhoff schlug deshalb einen Kompromiss im Hauptausschuss vor. Demnach solle die Hundesteuer für den zweiten Hund nicht erlassen werden. Aber eine Reduzierung des Beitrages für Jagdaufseher solle ins Auge gefasst werden.

Hier geht es um Jagdaufseher, „deren Aufgabe die Wahrnehmung der Revieraufsicht und des Jagdschutzes ist, die damit besondere Befugnisse und Kompetenzen haben und die von der Jagdbehörde bestätigt werden“, so Stadtsprecher Ludger Böhne. Dies seien ausschließlich ehrenamtliche Jagdaufseher. „Die Berufsjäger benötigen von Berufs wegen einen Hund und müssen deshalb keine Hundesteuer zahlen.“

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„Die tatsächliche Anzahl der Jagdaufseher müssen wir noch ermitteln, wir gehen grob geschätzt von einem Steuerverzicht von 1000 bis 2000 Euro im Jahr aus“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage. Letztendlich entscheide natürlich der Rat über die Details.

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