Keine Internet-Messe in Dorsten und Schermbeck zur besten Sendezeit

hzCoronavirus

In Corona-Zeiten haben Pfarrgemeinden in Dorsten und Schermbeck ihr Digitalangebot ausgebaut. Doch zur besten Sendezeit am Sonntagvormittag ist das offenbar ein Problem.

Dorsten, Schermbeck, Lembeck, Rhade

, 08.07.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Monatelang durften in den Kirchen in Dorsten und Schermbeck keine Gottesdienste gefeiert werden. Um die Gläubigen in der Corona-Krise trotzdem zu erreichen, wurden das Wort Gottes und das Orgelspiel regelmäßig im Internet und bei Facebook übertragen - als Livestream oder zeitversetzt.

Online-Angebot wird gut angenommen

Daran hat sich in vielen Gemeinden nichts geändert, obwohl die Kirchen in NRW seit dem 3. Mai mit einem umfassenden Schutzkonzept wieder geöffnet sind. „Wir wollen an dem Online-Angebot festhalten, weil wir merken, dass es sehr gut angenommen und rezipiert wird“, bestätigte beispielsweise Dr. Stephan Rüdiger, Pfarrer der Pfarrei St. Agatha in Dorsten, auf Anfrage.

Das unterstreicht auch Alfred Voss (St. Laurentius): „Das Echo ist nach wie vor sehr gut. Es wird gut angenommen, weil die Leute den Gottesdienst aus „ihrer“ Kirche sehen und „ihren Pastor“. Das hat schon etwas mit Identifikation zu tun.“ In der Pfarrei St. Matthäus werden schon seit Wochen keine Gottesdienste mehr übertragen.

Was die beiden Dorstener Geistlichen und ihre Kollegen im Bistum vor einigen Wochen wohl noch nicht geglaubt haben: dass ihre Übertragungen problematisch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und das Fernsehen sein könnten.

Keine Übertragungen mehr am Sonntagvormittag

Pastor Xavier Muppala von der Schermbecker Gemeinde St. Ludgerus berichtete jetzt von einer Bitte des Bistums Münster, an Sonn- und Feiertagen zwischen 9 und 11.30 Uhr möglichst keine Gottesdienste mehr im Internet oder in den sozialen Netzwerken zu zeigen. Der Bischöfliche Generalvikar Dr. Klaus Wittkamp habe daran erinnert, dass in diesem Zeitkorridor Heilige Messen im öffentlich-rechtlichen Hörfunk und Fernsehen übertragen werden. „Mit diesen Übertragungen wird stets ein millionenstarkes Publikum erreicht.“

Pastor Xavier Muppala aus Schermbeck hat auf die Bitte des Bistums sofort reagert.

Pastor Xavier Muppala aus Schermbeck hat auf die Bitte des Bistums sofort reagert. © Helmut Scheffler

WDR und Deutschlandfunk übertragen jedem Sonntag Gottesdienste, aber auch ARD und ZDF. Die Dritten Programme der ARD haben in der Corona-Krise zusätzliche Angebote für gläubige Menschen in Deutschland angeboten, die im Wechsel von den neun Landesrundfunkanstalten produziert werden.

Seit 1986 strahlt bereits das ZDF jeden Sonntag um 9.30 Uhr einen Gottesdienst aus. Hier wechseln sich katholische und evangelische Gottesdienste ab. Dabei handelt es sich um Sendungen, die von den Kirchen gestaltet und verantwortet werden. Die Kosten für die Übertragung und die rundfunkrechtliche Verantwortung trägt aber der Sender, als Teil seines öffentlich-rechtlichen Auftrags.

Jetzt lesen

Bei der Bitte aus Münster geht es deshalb nicht nur um Geld und Einschaltquoten. „Kirchenkritische Kreise und Gruppierungen sprechen den Kirchen schon seit Längerem das Recht auf Gottesdienstübertragungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab“, berichtet Pastor Muppala . „Ihnen käme das Argument sehr gelegen, dass die Kirchen selbst parallel zu den landes- und bundesweiten Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in großer Zahl eigene Messfeiern übertragen.“

Neue Termine für Übertragungen

Die Schermbecker Ludgerusgemeinde hat auf die Bitte aus Münster sofort reagiert. „Statt der Sonntagsmesse um 10.30 Uhr wird ab 11. Juli der Vorabendgottesdienst um 18 Uhr zu übertragen“, sagt Xavier Muppala. Die Übertragungstermine an Feiertagen werden auf der Homepage der Gemeinde (www.sankt-ludgerus.de/live-übertragungen/) bekanntgegeben.

Auch die Gemeinde St. Agatha respektiert den vom Bistum Münster vorgeschlagenen und erwünschten Zeitraum. „Wir haben unseren Livestream auf 12 Uhr mittags geschoben“, bestätigte Pfarrer Stephan Rüdiger. „Nach wie vor bieten wir aber Impulse, Wort-Gottesdienste und auch Heilige Messen als online-Angebot an - an den Festtagen und zu jeder Gelegenheit.“

Jetzt lesen

Die Pfarrei St. Laurentus nimmt im Wechsel zwischen Rhade und Lembeck jeweils die Vorabendmesse auf, die dann zu der Zeit und am Sonntag auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde mitgefeiert werden kann. Pfarrer Alfred Voss: „Wir werden zunächst bis zum Ende der Sommerferien unsere Gottesdienste auch weiterhin am Sonntagvormittag freischalten. Seitens des Bistums ist es ja keine Verordnung, sondern eine Empfehlung.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt