Kinderpornosammler will trotz einschlägiger Vorstrafe wieder Bewährung

hzBerufungsprozess in Essen

Kurz nach einer Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe hat ein Dorstener wieder Kinderpornos gesammelt. Jetzt droht ihm der Gang ins Gefängnis. Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders.

Dorsten

, 16.07.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Essener Landgericht kämpft der 27-Jährige seit Donnerstag um seine wahrscheinlich letzte Chance. Nachdem die Polizei im August 2019 erneut mehr als 5300 Kinderporno-Dateien bei ihm gefunden hatte, war er im Januar vom Amtsgericht zu einem Jahr und sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Dagegen hat der junge Mann jetzt aber Berufung einlegt. Er will noch einmal eine Bewährungschance bekommen.

Die Richter am Amtsgericht hatten dies mit einer überaus deutlichen Begründung abgelehnt. Wer gerade einmal sieben Monate nach einer ersten Kinderporno-Verurteilung erneut Tausende Dateien mit „ekelerregendem Inhalt“ sammele, mache damit deutlich, dass man sich nicht auf ihn verlassen könne. „Wir können nicht davon ausgehen, dass der Angeklagte keine weiteren Straftaten begeht“, hieß es in der Urteilsbegründung. Wäre die Entscheidung rechtskräftig geworden, hätte der Dorstener ins Gefängnis gemusst.

Therapie mit Einzelgesprächen in Dortmund

Um das zu verhindern, hat er jedoch inzwischen einiges unternommen. Bei einer Dortmunder Therapieeinrichtung nimmt er alle zwei Wochen an Einzelgesprächen teil. „Ich will an mir arbeiten, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt“, sagte er am Donnerstag. Um einen Job hat er sich allerdings noch nicht gekümmert. So lebt er weiter einfach in den Tag hinein. Auf die Frage, woraus sein Alltag denn so bestehe, sagte er den Essener Richtern: „Im Wesentlichen aus Fernsehen.“

Beim Surfen im Internet will der 27-Jährige vor Jahren rein zufällig auf sein erstes Kinderporno-Bild gestoßen sein. „Ich war schockiert“, behauptete er. Später aber habe er gemerkt, dass er sich zu diesen verbotenen Inhalten hingezogen fühlte. „Haben Sie sich denn jemals Gedanken über die Kinder gemacht?“, wollte die Staatsanwältin wissen. „Manchmal ja“, sagte der Angeklagte. „Aber irgendwann blendet man das einfach aus.“

Psychiater soll über Schuldfähigkeit urteilen

Was den Kindern auf den Bildern und Videos angetan wurde, ist kaum in Worte zu fassen. Die Dateien dokumentieren schwerste Übergriffe auf Kleinkinder. Jede einzelne Missbrauchshandlung würde für den Täter eine Mindeststrafe von zwei Jahren Haft bedeuten.

Ob der Dorstener jetzt tatsächlich ins Gefängnis muss, wollen die Essener Richter jedoch nicht sofort entscheiden. Nachdem sie dem Mann lange zugehört und festgestellt hatten, dass dieser intellektuell sicher nicht mit Gleichaltrigen zu vergleichen ist, entschieden sie am Donnerstag, einen psychiatrischen Sachverständigen einzuschalten.

Dieser könnte dazu kommen, den 27-Jährigen für vermindert schuldfähig zu erklären. Aber auch eine Unterbringung in einer geschlossenen Klinik ist möglich.

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