Im Hotel Albert in Dorsten können Gäste ohne CO2-Fußabdruck übernachten

hzKlimafreundlich reisen

Klimaneutral ohne CO₂-Fußabdruck übernachten. Für Gäste des Dorstener Hotels Albert kein Problem. Dafür müssen sie allerdings einen Extra-Obolus bezahlen.

Holsterhausen

, 31.01.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer schon einmal im Hotel übernachtet hat, kennt das: Man steht gut gesättigt vom Frühstückstisch auf und hinterlässt einen Berg Müll: Butter, Marmeladen, Kaffeesahne, Zucker, Leberwurst, Schmierkäse - alles in Einzelportiönchen verpackt. Im Zimmer hat derweil dann oft das Reinigungspersonal alle Handtücher ausgetauscht, obwohl der Gast sie gar nicht auf den Boden gelegt hatte.

Nachhaltigkeit bei der Akzent-Hotelgruppe

Im Hotel Albert an der Borkener Straße in Holsterhausen passiert das nicht.

Dort können Gäste klimafreundlich übernachten. Gegen einen kleinen Aufpreis sogar klimaneutral. „Wir haben damit schon begonnen, als Greta Thunberg noch gar nicht unterwegs war“, erzählt Hotelbesitzer Klaus Heim. Ungefähr fünf Jahre sei es her, dass in der Akzent-Hotelgruppe, der sich auch das Hotel Albert angeschlossen hat, das Thema Nachhaltigkeit auf die Tagesordnung gekommen sei. Mit Viabono habe man sich ein Webportal für umwelt-, klima- und naturfreundliche Beherbergungsbetriebe in Deutschland als Partner ins Boot geholt.

Das Ausfüllen des Fragebogens hat zwei Arbeitstage gedauert

Vor drei Jahren hat sich das Hotel Albert zum ersten Mal zertifizieren lassen. Klaus Heim: „Dafür mussten wir einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen und die Angaben mit Belegen untermauern. Es wurden Daten abgefragt, zum Beispiel über die entsorgten Müllmengen, den Energie- und Wasserverbrauch, die Zahl der Mitarbeiter und ihre Art der Anreise zur Arbeit bis hin zur Menge von Toilettenpapier und Kugelschreibern.“ Auch für regionales Einkaufen gibt es Plus-Punkte in der Klima-Bilanz. Alle Werte werden in Relation gesetzt zur Anzahl der Übernachtungen.

Klaus und Ursula Heim haben schon zum zweiten Mal das Viabono-Zertifikat bekommen.

Klaus und Ursula Heim haben schon zum zweiten Mal das Viabono-Zertifikat bekommen. © Petra Berkenbusch

Eigentlich hatte Klaus Heim damals nur mal wissen wollen, wie sein Hotel so dasteht, dann aber entwickelte die Akzent-Gruppe eine Marketing-Aktion daraus. Inzwischen hat sich das Holsterhausener 70-Betten-Haus zum zweiten Mal zertifizieren lassen und erneut die höchste der sechs möglichen Effizienzklassen erreicht.

Pro Übernachtung fallen 13,39 Kilogramm Kohlendioxid an

„Da ist aber noch eine Menge Luft nach oben“, weiß Klaus Heim. „Ein Blockheizkraftwerk zum Beispiel könnte den CO2-Ausstoß deutlich verringern, aber das Ganze muss ja auch wirtschaftlich vernünftig bleiben.“ So bemühe sich das Haus, das seine Frau Ursula und er seit 21 Jahren betreiben, schon von Anfang an darum, die Umwelt möglichst wenig zu belasten. Und das gehe in kleinen Schritten weiter. Demnächst werden die Hotelgäste voraussichtlich keine Plastik-Kugelschreiber mehr auf dem Zimmer vorfinden, sondern welche aus Pappe oder Holz.

CO2-Abgabe als Kompensation

Weil es trotz vieler kleiner Schritte nicht für eine völlige Klimaneutralität reicht, können Gäste des Hotels Albert eine CO2-Abgabe als Kompensation zahlen. Schon bei der Buchung werden sie gefragt, ob sie ihren CO2-Fußabdruck ausgleichen wollen. Klaus Heim erklärt: „Wer pro Nacht und Person einen Euro drauflegt, kann seinen CO2-Fußabdruck kompensieren.“ Rund zehn Prozent der Gäste lassen sich darauf ein und fördern damit ein Aufforstungsprojekt in Panama, wo ehemalige Brachflächen und extensiv genutzte Rinderweiden mit überwiegend einheimischen Baumarten wiederaufgeforstet und zu Mischwäldern umgewandelt werden.

Viabono hat neben diesem zertifizierten Kompensationsprojekt auch eins zur Wiedervernässung in Mooren in Mecklenburg-Vorpommern.

E-Bike-Fahrer sorgen für leicht erhöhten Stromverbrauch

Handels- und Dienstreisen sind das Kerngeschäft des Hotels Albert. Im Sommer kämen seit der Erschließung der Römer-Lippe-Route auch immer mehr Radfahrer, vor allem E-Biker, hinzu, berichtet Klaus Heim. Während die Fahrer von Elektroautos längst zwei Ladestationen am Hotel vorfinden, müssen die E-Biker derzeit ihre Akkus noch mit aufs Zimmer nehmen. Auch für sie soll es demnächst zentrale, abschließbare Ladestationen geben. Den erhöhten Stromverbrauch durch die Akkuladungen seien zu verschmerzen, glaubt Klaus Heim.

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