Kommunalwahl: Sauberkeit, Sicherheit und wählen gegen Rechts

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Die Jugend zeigt sich politisch wie schon lange nicht mehr. Wir haben gefragt, was junge Erstwähler in Dorsten umtreibt und was ihnen auf den Nägeln brennt.

Dorsten

, 30.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über 4000 Erstwähler dürfen am 13. September an die Wahlurnen in Dorsten treten. Anders als bei anderen Wahlen dürfen bei der Kommunalwahl schon 16-Jährige mitentscheiden.

Zur Wahl motiviert, um die Stimme gegen eine Partei einzusetzen

Anton (16) ist einer von ihnen. Er will seine Stimme auf jeden Fall abgeben. Seine Motivation ist klar: Er will seine Stimme gegen die AfD einsetzen. Die Partei war es auch, die ihm den entscheidenden Schubser gab, Mitglied der Partei „Die PARTEI“ zu werden. Als er vor einigen Monaten durch die Stadt ging, habe der Tag „schon scheiße angefangen“, erinnert sich Anton. Der Grund: Ein AfD-Stand mitten in der Stadt. Da sei er gleich zum nächsten „Die PARTEI-Stand“ und habe die Mitgliedsunterlagen ausgefüllt.

„Ich finde auch andere Parteien gut, aber Die PARTEI versucht, auch Spaß mit reinzubringen“, erklärt der 16-Jährige.

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„Ich kenne viele AfD-Wähler“, gesteht Anton. „Die haben natürlich das Recht, sich aufstellen zu lassen“, findet er, „aber schlimm finde ich es, wenn andere diese Partei wählen.“ Denn: „Nazis sind nicht gut für die Entwicklung unserer Stadt.“

Ihn besorgt, dass dann zum Beispiel das Jugendhaus „Leo“ zu einem Nazitreff werden könnte.

Dass es das Leo gibt, findet er positiv, er kann hier kostenlos mit seiner Band proben, rumhängen. Trotzdem wünscht er sich vom künftigen Bürgermeister und Stadtrat, dass sie mehr für die Jugend tun, zum Beispiel mehr Konzerte für und mit Jugendlichen anbieten, und in politische Bildung investieren.

Umwelt und saubere Innenstadt

Marie (16) ist eine von vielen Erstwählerinnen, denen die Umwelt am Herzen liegt. Auch sie will wählen gehen. Noch weiß sie allerdings nicht, wem sie ihre Stimme geben wird. „Ich muss mich noch über die Ziele der einzelnen Parteien informieren“, sagt sie.

Dominic (23) und seine Freundin Bianka (20) finden auch, dass mehr für die Umwelt getan werden sollte. Dem Landschaftsgärtner sind Dreck und Müll in den Innenstädten ein Dorn im Auge. „Da müsste viel häufiger sauber gemacht werden. Einmal mit dem Laubbläser rüber, das reicht doch nicht aus“, findet er.

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Die Stadt verteilt gratis Beutelchen für die Hinterlassenschaften der Hunde. Der Müll kann im gegenüberliegenden Mülleimer entsorgt werden.

Die Stadt verteilt gratis Beutelchen für die Hinterlassenschaften der Hunde. Der Müll kann im gegenüberliegenden Mülleimer entsorgt werden. © Lydia Heuser

Das Paar stört jedoch nicht allein der Müll, sondern auch die vielen Leute, die Drogen konsumieren und Alkohol trinken. Das Ordnungsamt sollte da ein Auge drauf haben. Dass stattdessen die Polizeigewalt gegen Jugendliche überhand nehme, schockiert die 20-Jährige. Erst kürzlich habe sie ein Video im Internet gesehen, in dem ein 15-jähriger Junge von sieben Polizisten verprügelt worden sei. Für das Paar sind diese Reaktionen unverhältnismäßig.

Wenngleich sie konkrete Wünsche haben, wissen nicht, ob sie am 13. September ins Wahllokal gehen werden. „Oft halten die Politiker ihre Versprechen nicht“, findet Bianka.

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