Migranten stellen sich zur Wahl: „Geben Sie uns eine Chance“

hzKommunalwahl in Dorsten

Sie brennen für die Sache: Dorstener mit Migrationshintergrund kandidieren für den Integrationsrat. Eine bunte Mischung aus Menschen, die in ihrer Heimatstadt Dorsten mitreden möchten.

Dorsten

, 03.09.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 13. September sind Wahlen. Der Bürgermeister wird gewählt, der Stadtrat, der Landrat - erstmals aber auch der Integrationsrat in Dorsten. „Die Vielzahl von Wahlen und Wahlzetteln macht die ganze Sache sehr unübersichtlich“, sagt Husam Al Hareczi.

Trotzdem brennt der Iraker für die Sache. Denn es gibt 7900 wahlberechtigte Zugewanderte in Dorsten. Und die sollen über alle wichtigen Belange in Dorsten Bescheid wissen. „Ich bin kein Deutscher, aber Dorsten ist meine Stadt und deshalb möchte ich im Integrationsrat mitreden“, sagt er zu seinem politischen Engagement.

15 Kandidaten auf einer Wahlliste

Al Hareczi liefert damit die Erklärung, warum er weitere 14 Mitstreiterinnen und Mitstreiter an seiner Seite weiß, von denen zehn in den Integrationsrat einrücken werden. Sie alle stellen sich gemeinsam auf einer Liste zur Wahl. Eine weitere Bewerberin gibt es, die als Einzelperson antritt. Und fünf vom Rat bestimmte Politiker ergänzen den Integrationsrat. Das neue Gremium liefert dann dem Rat der Stadt Grundlagen für Entscheidungen, die die Menschen mit Migrationshintergrund in Dorsten betreffen.

Husam Al Hareczi und Cüneyt Celiktas, Import- und Exporthändler in Dorsten, haben ein klares Ziel für die ersten Wahlen: Sie möchten möglichst viele Menschen mit Migrationshintergrund in Dorsten ansprechen, informieren und für den Wahlgang werben, damit Migranten eine Stimme haben.

Der Lehrer Husam Al Hareczi kam 2016 nach Dorsten und ist seitdem mit Leidenschaft und Engagement dabei, sich in der Dorstener Stadtgesellschaft zu integrieren. „Mitsprache geht vor allem über die Sprache“, sagt der Pädagoge. Er selbst hat sich durch die deutsche Grammatik gequält, um aktiv mitreden zu können. Er sagt: „Deutsch lernt man nur, wenn man mit Deutschen regelmäßig in Kontakt steht und spricht.“

Migranten brauchen besondere Hilfestellungen

Al Hareczi kandidiert, weil er fest davon überzeugt ist, dass Migranten in Dorsten besondere Hilfestellungen brauchen, aber trotz des sozialen Hilfsnetzes schon mal durch die Maschen schlüpfen: „Wir wollen den Migranten eine Stimme geben“, sagt er. Und sie sollen Ansprechpartner aus ihren Kreisen haben.

An seiner Seite erhebt auch Tekin Dagdelen seine Stimme. Dagdelen ist in Dorsten hinlänglich bekannt - in türkischen Zuwandererkreisen wie auch bei den Einheimischen. 1971 kam er mit seiner Familie nach Dorsten: „Ich bin ein stolzer Dorstener.“ Im Ausländerbeirat hat er politische Erfahrungen gesammelt und weiß von daher, dass Konsens wichtig ist, um wirklich etwas zu bewirken.

Auffallend viele Frauen bewerben sich

Auffallend viele Frauen bewerben sich neben den Männern aber um einen Sitz im Integrationsrat. Da wäre Derya Altun zu nennen, 1987 geboren, in Dorsten seit dem dritten Lebensjahr heimisch und als Lehrerin tätig. „In der Bildung und beim Spracherwerb muss mehr für Kinder mit Migrationshintergrund getan werden, damit auch sie schulische Erfolge haben“, sagt sie.

Neben ihr empfiehlt sich Sultan Cakmak, Hausfrau mit türkischen Wurzeln und Frauenvorstand in der Moscheegemeinde, für einen Sitz im Integrationsrat. Die 33-jährige türkischstämmige Apothekerin Fatma Zehra Ocak Bozkus möchte ebenfalls mitwirken, genauso wie die deutsch-syrische Raumpflegerin Sayda Bayru oder die Lehrerin Özlem Altun und die syrische Dolmetscherin und Lehrerin Amira Alfruh. Auf der Liste stehen zudem die peruanische Rechtsanwältin Moncia Montes Ventura, der Altenpflege-Azubi Louay Aljadie aus Syrien und Bürokaufmann Juan Garcia Gandarilla aus Mexiko.

Auf bewährte Integrationshelfer aus Dorsten muss die Gruppe nicht verzichten: Margarethe Matschinsky, Marion Werk und Ute-Maria Schlebusch vervollständigen die Kandidatenrunde.

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