Kuriose Unfall-Serie: Warum mehrere Autofahrer gegen eine Mittelinsel fuhren

hzHalterner Straße

An der neuen Ausfahrt des Hellweg-Baumarktes hat es mehrere Unfälle gegeben. Schuld ist eine Mittelinsel, die es vorher nicht gab. „Alles rechtens“, sagt die Stadt, hat aber reagiert.

Hervest

, 05.06.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Halterner Straße hat in Höhe der neuen Ausfahrt des Hellweg-Baumarktes seit Mittwoch vergangener Woche eine nagelneue und von Bordsteinen eingefasste Mittelinsel. An die haben sich die Verkehrsteilnehmer anscheinend noch nicht gewöhnt: Denn zwischen Montagnachmittag und Dienstagmorgen ist mindestens ein halbes Dutzend Autofahrer gegen den mehrere Zentimeter hohen Bordstein geprallt.

„Mehrere tausend Euro Schaden“

„Mein Schaden am Wagen dürfte mehrere tausend Euro betragen“, sagt beispielsweise Klaus Schrudde. Der Hervester ist mit seinem Auto am Montag um 20.30 Uhr aus Hervest Richtung Gemeindedreieck gefahren, wie so oft in den vergangenen vier Jahrzehnten.

Während der Zeit der Baustelle für die neue Hellweg-Ausfahrt musste er hier in den vergangenen Wochen immer einen Schlenker nach links nehmen. Doch jetzt gibt es eine andere Verkehrsführung „Es hat schon leicht gedämmert“, sagt er, „deswegen habe ich den Bordstein der neu eingerichteten Mittelinsel nicht genau gesehen.“ Beim Überfahren des Bordsteins seien Felge, Reifen und Unterboden beschädigt worden, „womöglich auch Rahmen und Lenkung“.

Anwohner berichten von mehreren Unfallen

Eine halbe Stunde zuvor passierte an der gleichen Stelle dem Hervester Dirk Renner ein ähnliches Malheur. Auch er kennt die Strecke normalerweise bestens, auch er musste anschließend seinen Wagen in die Werkstatt bringen. Kurz nach 22 Uhr am Montag widerfuhr Chala Kösterit das gleiche Missgeschick. „Am Montag und am Dienstag habe ich außerdem drei weitere Unfälle gesehen“, erklärte ein direkter Anwohner am Dienstagmittag gegenüber unserer Zeitung.

„Die Bordsteinumrandung ist hell, es gibt eine weiße durchgezogene Linie.“
Bennet Kemper

Während die Autofahrer kritisieren, dass kein Hinweisschild auf die neue Verkehrssituation aufmerksam gemacht habe, erklären Stadt und Bennet Kemper vom ausführenden Planungsbüro übereinstimmend, dass „alles rechtens“ gewesen ist und Hinweisschilder nicht vorgeschrieben seien. „Denn die Bordsteinumrandung ist hell, es gibt eine weiße durchgezogene Linie und zudem noch weiße Fahrbahnmarkierungen“, so Bennet Kemper.

Unter Beachtung des allgemeinen Rechtsfahrgebots, der erforderlichen Sorgfalt und Vorsicht bei der Teilnahme am Straßenverkehr und der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sei die Absicherung der neu eingerichteten Mittelinsel „gegenwärtig als ausreichend zu erachten“, meint auch die Stadtverwaltung.

Baken stehen schon, ein Schild kommt noch

Dennoch hat sie inzwischen Baken an den Köpfen der Mittelinsel aufstellen lassen, das blaue Verkehrsschild „vorgeschriebene Vorbeifahrt rechts“ soll folgen, auch wenn es gesetzlich nicht nötig ist.

Der Hellweg-Baumarkt ist in diesem Jahr erweitert worden. Damit ging das Anrecht einher, eine zweite Ausfahrt anlegen zu lassen, damit der Autoverkehr vom Parkplatz nach rechts über die Halterner Straße Richtung Gemeindedreieck abfließen kann. Bislang gab es lediglich längerer und breitere Sperr-Markierungen auf der Fahrbahn. „Auch diese durften nicht überfahren werden; an der Verkehrsführung und der Verkehrsregelung hat sich somit nichts geändert“, so die Stadt.

Wenden vor der Eisenbahnbrücke

Durch die neue Mittelinsel wird verhindert, dass Autofahrer nach links auf die Fahrbahn Richtung Hervest gelangen können. Wer dorthin möchte, kann neuerdings vor der Eisenbahnbrücke auf der Halterner Straße wenden. Die Fahrbahnmarkierungen wurden im Zuge der Bauarbeiten nämlich so „umgedreht“, dass Autofahrer nicht mehr hinter der Brücke den „U-Turn“ Richtung Gemeindedreieck machen können, sondern nur noch umgekehrt.

Obwohl am Dienstag die Baustellen-Abnahme bereits stattgefunden hat, wird die neue Hellweg-Ausfahrt zunächst noch gesperrt bleiben. Bei einem kurzen „Testbetrieb“ vor ein paar Tagen hat sich nämlich herausgestellt, dass die Hecke entlang des Fuß- und Radweges zu sehr die Sicht versperrt. Nun soll sie nach Angaben von Stadt und Planungsbüro beschnitten werden. Das geht wegen der Brutzeit von Vögeln aber nicht ohne Gutachten.

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