Lappen gegen Karte: Warum wir uns alle von unseren alten Führerscheinen trennen müssen

hzFührerscheinwechsel

43 Millionen Führerscheine müssen gegen neue getauscht werden. Je nach Geburtsjahrgang ist man früher oder später dran. In Dorsten und dem Kreis sind 30.000 Menschen jährlich betroffen.

Dorsten

, 28.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor etwas mehr als 30 Jahren wurde mir die Handtasche vom Beifahrersitz meines Autos geklaut. Darin mein Portemonnaie mit Bargeld und Ausweispapieren. Mit meiner Handtasche verschwand auch mein grauer Führerschein. Den habe ich am 27. September 1977 gemacht. Was habe ich ihm hinterher getrauert, als ich den rosa Lappen ersatzweise bekam - der ist zwar nützlich, sieht aber furchtbar aus.

Alter schützt in diesem Fall vor Umtausch glücklicherweise nicht: Nach der EU-Regel, dass vor dem 19. Januar 2013 erworbene Führerscheine ersetzt werden müssen, sind unsere Führerscheine jetzt alle reif für einen Umtausch. Ausnahmslos. Die EU möchte, dass Autofahrer einheitliche Fahrlizenzen im EC-Karten-Format vorweisen können. Ein Riesen-Aufwand für die Behörden.

Die Führerscheinstelle des Kreises Recklinghausen wird mit der Nachfrage der geburtenstarken Jahrgänge 1959 bis 1964 viel Spaß bekommen. Etwa 30.000 Menschen aus den zehn Kreisstädten werden alljährlich erwartet, bis der Tauschtrubel vorbei ist. Um aber einen gleichzeitigen Ansturm ganzer Pulks von Führerscheinbesitzern zu verhindern, hat der Bund verschiedenen Jahrgangsgruppen verschiedene Fristen gesetzt.

Für mich, Baujahr 1959, bedeutet das: Bis zum 19. Januar 2023 muss ich meinen rosa Lappen gegen eine Karte umgetauscht haben. Auch noch ältere Autofahrer als ich sind davor nicht gefeit: Bis 2033 müssen vor 1953 Geborene ihre grauen Fahrerlaubnisse abgeben. Dann sind die Jugendfotos, die die alten Führerscheine zur Belustigung der jungen Generation schmücken, endgültig gegessen; nur noch mit aktuellen Konterfeis wird die neue Karte ausgestellt.

Lappen gegen Karte: Warum wir uns alle von unseren alten Führerscheinen trennen müssen

Führerschein aus dem Jahr 1944. Eine Führerscheinaktion der Dorstener Zeitung vor zehn Jahre förderte viele alte Schätzchen zu Tage. © Manuela Hollstegge

Einen Vorteil hat die Neuregelung aber doch: Mein alter Führerschein ist an den Stellen gelocht worden, für die ich keine Fahrerlaubnis besitze. Also Motorrad Klasse 1 etwa oder Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Für Fahrzeuge, für die ich die Erlaubnis besitze, markiert ein Stempel das behördliche Einverständnis. Das alles ist sehr unübersichtlich.

Dazu folgende Anekdote: Bei einer Verkehrskontrolle studierte ein Polizist sehr genau meinen rosa Lappen und kam zu dem Ergebnis, dass ich gar nicht Auto fahren darf. Nur Krankenfahrstühle, Zug- oder Arbeitsmaschinen bis 25 km/h. Diesen Eintrag hat mein Führerschein nämlich auch auf der letzten Seite - gut, dass ich dem Ordnungshüter mit Tunnelblick für graue Führerscheine die Besonderheiten des rosa Führerscheins glaubwürdig darlegen konnte. Sonst wäre ich wahrscheinlich nach Hause gelaufen.

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