Lebendige Graffitis verschönern Dorsten

Kunst auf Mauer

DORSTEN Es ist heiß - und doch fixiert Julian Sonntag die Mauer des Woolworth-Gebäudes an der Patersgasse mit konzentriertem Blick. Ein Zischen aus der Sprühdose ertönt. Dann, nach einer schwungvollen Bewegung mit der rechten Hand, entsteht eine braune Linie auf dem zuvor noch tristen Mauerabschnitt.

von Von Anne Wecking

, 05.07.2009, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lebendige Graffitis verschönern Dorsten

Atemschutz auf, dann wird gesprayt.

Im Auftrag von ipe bearbeiteten am Samstag und Sonntag sieben erfahrene Graffiti-Sprayer die mehr als 40 Meter lange Mauer. Schmierereien an der Gebäudeaußenseite verunzierten diese schon seit Jahren, sodass man sich entschloss, das Ärgernis kreativ zu beseitigen.

Die Idee des Themas "Stadtbild" wurden in Absprache mit ipe und dem Kunstverein Virtuell-Visuell von den Graffitikünstlern selbstständig entwickelt.Hektisches Treiben symbolisieren

"Unsere Kunst soll das hektische Treiben in einer Stadt symbolisieren", erklärte Rene Breuing, europaweiter Graffiti-Maler aus Marl und Koordinator der Sprayergruppe. Die besteht aus erfahrenen Hobbykünstlern, die sich seit über zehn Jahren mit dem Sprayen von Graffitis auskennen und schon viele Projekte hinter sich gebracht haben. Jeder Künstler weise seine eigene Handschrift auf, so Rene Breuing. Er selbst hat sich auf klassische Graffiti und Schriftzüge spezialisiert. Jeder der sieben Hobbykünstler gestaltete ein ganz persönliches Werk. Man hatte sich zwar auf Farben im Grau-Spektrum geeinigt, um die natürliche Gegebenheit der Mauer optimal zu betonen. Doch verlieh jeder seinem Mauerabschnitt mit einer weiteren Buntfarbe eigene Individualität.Aktion kommt bei Passanten gut an  Nach einer achtstündigen, sehr arbeitsintensiven Vorgrundierung am Samstag entstanden am Sonntag die eigentlichen Graffitis. „Man kann hier wirklich total viel lernen“, ist sich Simon Jakobuß sicher. Der Jugendliche sprayt in seiner Freizeit selber gerne. Seit elf Uhr morgens steht er mit einem Freund schon am Ort des Geschehens, um den Künstlern über die Schulter zu gucken. Angelika Krumat, Vorsitzende von Virtuell-Visuell, war begeistert: „Die Aktion kommt bei den Passanten sehr gut an. Vor allem die Jugendlichen fühlen sich angesprochen.“ Ein Folgeprojekt, bei dem Jugendliche mit erfahrenen Sprayern zusammenarbeiten, sei anlässlich Ruhr 2010 in Vorbereitung. Doch bevor es soweit ist, mussten am Sonntag zunächst noch die Graffitis auf der Mauer fertig gestellt werden. Neben grafischen Schriftzügen und einem bissigen Hundehalter vollendete auch Julian Sonntag sein Werk: ein Mann mit Einkaufswagen. Die sommerliche Hitze der nächsten fünf bis zehn Jahre wird ihm nichts anhaben können, sodass es den Dorstenern noch lange möglich sein wird, sich an der modernen Kunst zu erfreuen.

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