LEG-Wohnungen in Barkenberg werden nicht an die Altro Mondo verkauft

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Die gute Nachricht für Barkenberger LEG-Mieter: Ihre Wohnungen werden nicht an die Altro Mondo verkauft. Der Kaufinteressent sei „reputabel“, wie LEG-Vorstand Dr. Volker Wiegel sagte.

Wulfen-Barkenberg

, 06.06.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittwochabend, 19 Uhr, im Gemeinschaftshaus Wulfen: Über 100 Stühle warten auf Besucher, doch nur wenig mehr als 30 sind am Ende besetzt. Bei der Informationsveranstaltung zum beabsichtigten Verkauf des Wohnungsbestandes der LEG in Barkenberg blieb der wohl erwartete große Besucherandrang aus. Dafür konnte der neue LEG-Vorstand Dr. Volker Wiegel den wenigen anwesenden LEG-Mietern und auch den Kommunalpolitikern eine von vielen Sorgen nehmen.

LEG-Wohnungen in Barkenberg werden nicht an die Altro Mondo verkauft

Dr. Volker Wiegel, COO, LEG-Vorstand © LEG

Wiegel sagte nämlich, dass kein am Ort engagiertes Wohnungsunternehmen den Wohnungsbestand aufkaufen wolle, sondern ein „reputables“ Unternehmen. „Reputabel“, das heißt auf gut Deutsch: achtbar oder ehrbar. Dr. Volker Wiegel sagte auf Anfrage zwar nichts Konkretes über den Kaufinteressenten, wohl aber, dass der Käufer „viele Aufwertungsphantasien“ für den Wohnungsbestand habe. „Der Käufer ist hoch angesehen und sieht viel Potenzial in Barkenberg. Er freut sich, das gemeinsam mit anderen Beteiligten zu entwickeln“, so Wiegel.

Siedlungsvereinbarung wird mit unterschrieben

„Das ist kein Investor, der an Abschreibungen interessiert ist. Der Käufer geht verantwortungsvoll mit seinem Wohnungsbestand um“, sagte er zudem. Er versicherte, dass die Siedlungsvereinbarung für Barkenberg, die eine sozialpolitische und städtebauliche Verantwortung beinhaltet, mit in den Kaufvertrag übernommen und von dem neuen Vermieter besiegelt wird.

Der Investor wolle sich langfristig im Ortsteil etablieren: „Er möchte, dass die Mieter zufrieden sind.“ Wiegel deutete Modernisierungs- und Sanierungsabsichten an. Ob die bereits abgeschlossenen Mietverträge weiterhin Bestand hätten, wollte eine Mieterin von Wiegel wissen.

Der Jurist und Diplom-Volkswirt bejahte das: „Kauf bricht nicht Miete“, das heißt laut Erklärung zum Paragrafen 566 des Bürgerlichen Gesetzbuches:

„Wird der vermietete Wohnraum nach der Überlassung an den Mieter von dem Vermieter an einen Dritten veräußert, so tritt der Erwerber anstelle des Vermieters in die sich während der Dauer seines Eigentums aus dem Mietverhältnis ergebenden Rechte und Pflichten ein.“

LEG will ihren Bestand effizient bewirtschaften

Trotzdem musste sich Wiegel einigen unangenehmen Fragen stellen: Warum die LEG jetzt verkaufen wolle und nicht selbst die notwendigen Modernisierungen und Sanierungen vorgenommen habe, hieß es aus der Runde der Fragesteller. Wiegel sagte, dass die LEG regelmäßig ihr Portfolio überprüfe, „um den Bestand effizient zu bewirtschaften“. „Das ist ganz normal in unserem Geschäft.“

Man habe sich nach eingehender Prüfung entschlossen, sich vom Barkenberger Bestand zu trennen. Im Herbst 2018 habe sich der Kaufinteressent bei der LEG gemeldet. „Seitdem laufen die Verhandlungen. Wir hoffen, dass wir innerhalb der nächsten Woche zum Vertragsabschluss kommen.“ Es gebe „Kaufvertragsentwürfe“. Den Mietern versicherte Wiegel, dass die LEG ihre Mieter umgehend informieren wolle, „wenn es soweit ist“.

Stadt kann den Aufkauf der Wohnungen nicht stemmen

Fragen an die Stadtspitze, die mit Bürgermeister Tobias Stockhoff und Stadtbaurat Holger Lohse an diesem Abend vertreten war, zielten darauf ab, ob die Stadt oder das Land nicht den Wohnungsbestand in Barkenberg aufkaufen könnten. Dazu der Stadtbaurat: „Die Dorstener Wohnungsgesellschaft hat 800 Wohnungen in Dorsten. Der Zukauf von 1200 Wohnungen bzw. des gesamten Bestandes würde die DWG überfordern.“

Die DWG habe schwere Zeiten hinter sich, sei deshalb längere Zeit nicht als Bauherrin oder Erwerberin aufgetreten, um sich zu sanieren. „Erst in den letzten fünf Jahren hat sich das geändert“, sagte Lohse, der DWG-Aufsichtsrat ist. „In kleineren Schritten konnten 24 bzw. 30 Wohnungen neu errichtet werden.“

Wohnungsaufkauf kostet schätzungsweise bis 100 Mio. Euro

Ein Aufkauf von Wohnungen in der Dimension des LEG-Bestandes müsste von langer Hand vorbereitet werden und natürlich müsse auch das nötige Kapital vorhanden sein. Beim LEG-Wohnungsverkauf könne man grob geschätzt von 50 bis 100 Millionen Euro ausgehen. „Stadt Dorsten bzw. DWG haben eine solche Summe nicht“, so der Bürgermeister. Und auch das Land werde keine Fördermittel zum Wohnungskauf beisteuern: „Fördermittel gibt es für Sanierungen, nicht aber für den Kauf von Beständen.“

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„Das wäre auch strategisch falsch, sonst müssten sie die öffentliche Hand regelmäßig dort einkaufen, wo es Probleme gibt“, fügte Holger Lohse hinzu. Und Probleme mit Wohnungsbeständen hätten viele Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, wie Bürgermeister Tobias Stockhoff sagte.

Auf Landes- und Bundeshilfe zählt die Stadt deshalb nicht, nachdem sie das in Gesprächen abgeklärt hat. Der Bürgermeister versprach aber, den Landrat anzuschreiben und ihn darum zu bitten, zu prüfen, ob er sich eine Lösung vorstellen könne.

Dimker Wiese ist noch nicht vom Tisch

Die Stadt sei aber mit der LEG bezüglich der Dimker Wiese im Gespräch. „Wir schließen auch nicht aus, dass es im Gesamtbestand der LEG in Barkenberg bestimmte Flächen und Immobilien gibt, die wir nehmen können, im Rahmen dessen, was wir für möglich halten“, sagte Tobias Stockhoff. „Dabei werden wir unseren sozialen Verpflichtungen als Stadt gegenüber den Mietern oder Käufern nachkommen“, versicherte er.

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