Lembecker Landwirtin beim Protest in Berlin: „Dann geht es an die Existenz“

hzBauernprotest

Die Lembecker Landwirtin Margret Hüls mischte mit beim Bauernprotest in Berlin. Sie ärgert sich über Verbraucher und Politiker – und macht sich Sorgen um ihre Zukunft.

Lembeck

, 26.11.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 10.000 Landwirte mit mehr als 5000 Traktoren haben mit ihrer Protestveranstaltung das Berliner Regierungsviertel lahmgelegt - und mittendrin die Lembecker Landwirtin Margret Hüls und ihr Sohn Leonard.

„Wahnsinn, was hier los ist“, sagt Margret Hüls. „Es gibt eine deutschlandweite Solidarität zwischen den Bauern - egal ob Bio-, Acker- oder Schweinebauer.“ Mitten in der Nacht war sie mit dem Zug aufgebrochen, um in Berlin ihren Unmut kundzutun. Um 4.20 Uhr ging ihr Zug von Duisburg. Mehrere Lembecker Landwirte waren schon vorher mit dem Traktor nach Berlin aufgebrochen.

Ärger bei ihnen ausgelöst hatte unter anderem das kürzlich auf den Weg gebrachte „Agrarpaket“, das den Einsatz von Pestiziden und Gülle einschränken soll. „Wir fühlen uns von der Politik übergangen“, sagt sie.

Kritik an der Verbraucher-Mentalität

Auch die Rolle als „Sündenbock“ für Nitratbelastung, Massentierhaltung und Insektensterben nervt sie. „Wir werden immer in diese Schiene reingedrückt“, klagt die Lembecker Landwirtin. „Besonders in den Sozialen Medien, wo wir immer als Tierquäler und Umweltvergifter dargestellt werden.“ „Unberechtigt“, findet sie. „Denn wir arbeiten in Deutschland schon auf sehr hohem Niveau.“

„Ganz bescheiden“ seien die Aussichten für Milchviehbetriebe wie ihren. Vor allem wegen der Erzeugerpreise: „Wenn man an 30 Cent kratzt, kann man dafür nicht produzieren.“ Aber in der Branche gehe es allen schlecht. In der Verantwortung sieht sie auch die Verbraucher mit ihrer „Geiz-ist-geil-Mentalität“, so die Lembeckerin. „Das hat mit der Wertschätzung unserer Produkte zu tun.“

Dazu kämen noch die vergangenen zwei Jahre mit den Dürrefolgen. „Wenn das so weiterläuft, dann geht es an die Existenz. Dabei will ich den Hof vielleicht irgendwann an meine Kinder weitergeben.“

Erstes Ziel schon erreicht

Künftig müsse die Politik „wieder mit uns Landwirten sprechen, statt über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden“, meint Margret Hüls. Das erste Ziel sieht sie mit der Protestaktion schon erreicht. Zwei Stunden lang stellte sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Protestlern. „Jetzt fühlen wir uns ernstgenommen“, so Hüls.

Offen bleibt allerdings, wie die Probleme des Artensterbens und der Grundwasserbelastung gelöst werden sollen, wenn nicht durch schärfere Gesetze. „Klar müssen wir alle an uns arbeiten“, sagt Margret Hüls. „Aber wir arbeiten sowieso schon nach so hohen Standards, müssen so viel dokumentieren. Und wir sind schon eine der fortschrittlichsten Branchen.“ Es sei eben kompliziert.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt