"Lille" hilft benachteiligten Kindern in Rumänien

Freiwilligendienst

Seit September arbeitet Elisabeth Deppermann in einer Tageseinrichtung für benachteiligte Kinder im rumänischen Botosani. "Eine bewusste Entscheidung" war das, sagt die Pfarrerstochter aus Holsterhausen. Hier erzählt "Lille" von ihrer Arbeit, die ihr so viel Freude macht.

DORSTEN/BOTOSAN

, 17.01.2017, 16:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Tageseinrichtung für Kinder aus benachteiligten Familien wurde Elisabeth Deppermann mit offenen Armen empfangen. Den Freiwilligendienst im rumänischen Botosani empfindet die 19-Jährige als bereichernd, auch wenn sie viel Leid erlebt.privat

In der Tageseinrichtung für Kinder aus benachteiligten Familien wurde Elisabeth Deppermann mit offenen Armen empfangen. Den Freiwilligendienst im rumänischen Botosani empfindet die 19-Jährige als bereichernd, auch wenn sie viel Leid erlebt.privat

Als sie sich über das Deutsche Rote Kreuz für einen Freiwilligendienst im Ausland bewarb, war die Auswahl groß. "Als ich sagte, ich könnte mir vorstellen, nach Rumänien zu gehen, bekam ich sofort den Zuschlag."

In den Balkanstaat wollen die wenigsten "Freiwilligen". Über das Missionswerk Osteuropa kam "Lille", wie Freude und Bekannte sie nennen, im Spätsommer nach Botosani (gesprochen: Botoschan) - eine Stadt im Nordosten Rumäniens mit etwa 110.000 Einwohnern. "Ich wurde mit offenen Armen empfangen", sagt die 19-Jährige. "Dort ist alles sehr familiär." Das erleichterte die Umstellung, genauso wie der Umstand, dass sie mit Alyssa, einer Freiwilligen aus Berlin, in einer kleinen Wohnung in der Tageseinrichtung lebt.

Langsam kristallisiert sich der Berufswunsch heraus

Dass sie "irgendwas mit Kindern" machen wollte, war Lille lange klar. Nach dem Abitur am Gymnasium Petrinum machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr, überwiegend an der Gesamtschule Wulfen. Eine gewisse Orientierungslosigkeit, wie es weitergehen soll, räumt sie ein. Doch jetzt, in Rumänien, kristallisiert sich der Berufswunsch allmählich heraus. "Gut möglich, dass ich Soziale Arbeit studiere", sagt die Holsterhausenerin nach den noch sehr frischen Eindrücken. Bis Ende Juli bleibt sie nach einem Heimaturlaub aber in Rumänien.

Lille konnte es kaum erwarten, nach Weihnachten und dem Jahreswechsel zurückzukehren nach Botosani. In ein Ghetto, in dem viele Menschen ohne Hoffnung, ohne Perspektive leben. Die fremde Sprache lernt sie im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, die meisten sind zwischen fünf und 18 Jahren alt, spielend. "Das klappt immer besser", sagt sie.

Aussagen der Kinder machen betroffen

Und so versteht die junge Dorstenerin eine ganze Menge von dem, was ihnen aus dem Familienleben berichtet wird: Eltern, die nicht lesen und schreiben können und den ganzen Tag trinken. Wohnungen, die nicht geheizt werden. Betten, die keine Decken haben. Ein kleiner Junge wurde besonders deutlich: "Meine Eltern lieben mich nicht. Sie sorgen sich nicht um mich, kaufen mir keine Kleidung und schicken mich dreckig zur Schule."

Solche Aussagen machen Elisabeth Deppermann betroffen. Aber sie verstärken auch den Wunsch, zu helfen. Jetzt als Freiwillige, beruflich dann in einigen Jahren, vielleicht sogar in Rumänien. "Das Land ist wunderschön, viele Menschen sind sehr freundlich", sagt sie. Obwohl sie fast nichts haben. Außer Menschen wie Lille, die sich kümmern.

Spendenkonto: Missionswerk Osteuropa, Sparkasse Wermelskirchen, IBAN: DE48 3405 1570 0000 1013 86

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