Litauer kassiert Haft für Autoaufbrüche

Dicker Fisch

Als die Beamten die Wohnung des Tatverdächtigen durchsuchten, wurde klar, welch dicken Fisch sie gefangen hatten. Zudem stellte sich heraus, dass gegen den 44-jährigen Litauer von dessen Heimatbehörden ein internationaler Haftbefehl ausgestellt worden war.

Dorsten

, 16.03.2016, 14:44 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Polizisten fanden in der Gladbecker Wohnung gefälschte Pässe mit unterschiedlichen Namen, die der Täter immer wieder benutzte. Dazu mehr als 18,3 Gramm Kokain und einen Teil der Beute aus einer Autoaufbruchserie, die den Mann von Köln über Dorsten bis nach Münster führte. Am Mittwoch musste sich der 44-Jährige vor dem Dorstener Schöffengericht für die Taten verantworten. In Hand- und Fußfesseln wurde er aus der Haft vorgeführt.

Der Litauer war vor den heimischen Strafverfolgungsbehörden nach Deutschland geflüchtet, um sich hier mit kriminellen Handlungen finanziell über Wasser halten zu können. Insgesamt 24 Autoaufbrüche wurden ihm vorgeworfen, immer ging er nach dem gleichen Stil vor. Aus Fahrzeugen hochwertiger Marken, meistens Mercedes und BMW, baute er nachts Multifunktionslenkräder, Navis und Airbags aus und verkaufte sie anschließend an seine Hehler weiter. In Dorsten waren Autobesitzer in Holsterhausen und auf der Hardt die Leidtragenden.

Über Deal geredet

Drei Verhandlungstage waren eigentlich angesetzt worden, weil die Prozessbeteiligten von langwierigen Zeugenvernehmungen und technischen Auswertungen ausgingen. Doch dann ging alles viel schneller als gedacht, weil Verteidiger und Staatsanwältin bereits tags zuvor über einen rechtlichen „Deal“ geredet hatten: Der Angeklagte würde alles einräumen, sollte die Strafe nicht viel höher als zweieinhalb Jahre Haft ausfallen.

„Er möchte nämlich so schnell wie möglich nach Litauen“, so der Verteidiger – auch wenn er dort sofort für längere Zeit ins Gefängnis muss. „Ich komme mir vor auf einem Basar, so einen Handel finde ich eigentlich nicht gut“, erklärte Schöffengerichtsvorsitzende Lisa Hinkers. Nach längerer Diskussion mit den ehrenamtlich tätigen Schöffen stimmte sie dann zu, wenn auch „unter lautem Zähneknirschen“.

Auslieferung

Zwei Jahre, acht Monate – so lautet das Urteil. Nach der Hälfte der Zeit soll er laut Staatsanwältin an die litauischen Behörden ausgeliefert werden. Die werden ihm dort den Prozess für seine litauischen Taten machen – ihm drohen in der Heimat womöglich zehn bis zwanzig Jahre Haft. 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt