Masern-Impfpflicht kommt auf Dorsten zu - was passiert, wenn Eltern sich weigern?

hzImpfpflicht ab 1. März 2020

Auch in Dorsten gibt es Eltern, die eine Masernschutzimpfung für ihre Kinder ablehnen. Ab 1. März 2020 geraten diese Eltern unter Druck.

Dorsten

, 22.11.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 1. März 2020 tritt das Masernschutzgesetz in Kraft. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen. Können sie das nicht, müssen Eltern mit empfindlichen Strafen rechnen. Zum Beispiel mit einer Geldstrafe von bis zu 2500 Euro.

Allerdings: Zum jetzigen Zeitpunkt weiß niemand genau, wie die Auswirkungen des Gesetzes konkret sein werden. Können Kinder von Besuch der Kita oder der Schule ausgeschlossen werden, wenn sie nicht lückenlos geimpft sind? „Wir sind noch im Gespräch mit Kinderärzten, Allgemeinmedizinern, Verwaltung, wie wir vorgehen sollen“, sagt etwa die Leitende Kreismedizinaldirektorin Dr. Wiebke Selle. Hier handele es sich um ein „heikles Thema“.

Und auch die Stadtverwaltung Dorsten gibt sich auf Nachfrage verhalten: „Es gibt aktuell noch keine weiteren Ausführungsbestimmungen zum Masernschutzgesetz.“

Ausschluss aus Kita und Schule ist jetzt schon möglich

Allerdings besteht laut Auskunft der Kreisgesundheitsbehörde schon jetzt die Möglichkeit, vorsorglich tätig zu werden, wenn eine Infektionskrankheit, gegen die geimpft werden kann, ausgebrochen ist: „Zur Verhinderung einer Epidemie kommt es immer wieder vor, dass Ungeimpfte vom Unterricht oder aus der Kita ausgeschlossen werden, bis die Gefahr vorüber ist“, so Wiebke Selle.

Das war in Dorsten zuletzt 2015 bei einer Windpocken-Epidemie der Fall. Damals konnten 29 Kinder der Holsterhausener Antoniusschule eine Zeit lang nicht mehr am Unterricht teilnehmen, bis die Ansteckungsgefahr gebannt war.

Masern-Impfquote in Dorsten liegt bei 92,3 Prozent

In Dorsten beträgt die Masern-Impfquote 92,3 Prozent - damit sind all die Kinder erfasst, die den zweimaligen Impfschutz erhalten haben und immun gegen eine Maserninfektion sind. Eine Impfquote von 92,3 Prozent reicht aber nicht aus, um eine „Herdenimmunität“ zu erzielen.

Dazu die Weltgesundheitsorganisation (WHO): „2017 lag nach Schätzungen die Durchimpfung mit der zweiten Dosis Masernimpfstoff in 34 Ländern der Europäischen Union noch immer unter der Schwelle von 95 Prozent, ab der eine Unterbindung der Zirkulation erfolgt und sich eine sogenannte ‚Herdenimmunität‘ einstellt. Eine suboptimale Durchimpfung bei einer der beiden Dosen bereitet den Boden für eine künftige Übertragung des Virus‘.“

Masern sind eine schwere Erkrankung

Die WHO und auch die Kreisgesundheitsärztin Dr. Wiebke Selle wissen, was von den Masern zu halten ist: „Die Masern sind eine schwere Erkrankung, die den Organismus stark schwächt und Spuren hinterlässt, die Jahre nach dem Krankheitsausbruch zum Tode führen können.“

Impfgegner sehen das völlig anders. Sie tragen vor, dass das Immunsystem ihrer Kinder durch die Impfung geschwächt wird. Sie sagen auch, dass die Masern das Abwehrsystem stärken und der kindliche Organismus damit fertig werden müsse.

Zahlen der Weltgesundheitsorganisation

  • 2018 starben in der Europäischen Region 72 Kinder und Erwachsene an Masern. Nach den monatlichen Länderberichten für Januar bis Dezember 2018 (Stand: 1. Februar 2019) infizierten sich 82.596 Personen in 47 der 53 Länder mit Masern. In den Ländern, die Daten über Krankenhauseinweisungen lieferten, wurden fast zwei Drittel (61 Prozent) der Masernfälle eingewiesen.
  • Die Gesamtzahl der mit dem Virus infizierten Personen war 2018 höher als zu jedem anderen Zeitpunkt im vergangenen Jahrzehnt und betrug das Dreifache der 2017 gemeldeten Gesamtzahl und das 15-Fache des 2016 gemeldeten Minusrekords.

Bei einer Facebookdiskussion zu einer Veröffentlichung unseres Mediums am 16. Oktober 2018 unter der Überschrift „Einige Eltern lehnen Impfung gegen Masern ab“ schrieb „Kathi Bu“ Folgendes: „Wo ist der Bericht über die ganzen Impfgeschädigten, Folgeschäden etc.?“ Sie kündigte seinerzeit an, dass sie das Land verlassen werde, „wenn der Impfzwang kommt“. Auf nochmalige Nachfrage antwortete sie jetzt: „Es wurde bereits eine Verfassungsklage vorbereitet, also locker bleiben.“ Und ein schönes Haus fände sich auch anderswo.

Ärzte für individuelle Impfentscheidung wollen klagen

Tatsächlich will der Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ juristisch gegen die Masern-Impfpflicht vorgehen und Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einreichen. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte Michael Fried, Vorsitzender des Vereins, dass „eine so drastische Einschränkung des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit und auf Selbstbestimmung durch die Masernfälle in Deutschland nicht zu rechtfertigen“ sei.

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