Messerattacke bei Kaufland: Angeklagter überrascht die Richter

hzLandgericht Essen

Seit der „Albtraum-Mann“ aus Dorsten in der geschlossenen Psychiatrie ist, ist er ein anderer Mensch. Jetzt hat er die Richter gleich noch mal überrascht.

Dorsten, Essen

, 17.03.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bewacht wie immer, doch plötzlich völlig friedfertig: Im Prozess um einen Messerangriff auf einen Kaufland-Mitarbeiter hat der Angeklagte die Richter am Montag gleich noch einmal überrascht. Seit der 30-Jährige in der geschlossenen Psychiatrie ist und mit Medikamenten behandelt wird, scheint er ein komplett anderer Mensch geworden zu sein. Jetzt will er sogar zu seinen Taten stehen.

Geständnis und Schmerzensgeld-Angebot

Der Verhandlungstag hatte kaum begonnen, da wandte sich der Dorstener direkt an die Richter des Essener Landgerichts: „Ich möchte die Tat zugeben, Sie müssen keine weiteren Zeugen hören.“ Er habe viel über sich und die Taten nachgedacht, so der 30-Jährige. Jetzt möchte er sich entschuldigen: „Ich bereue sehr, was passiert ist. Ich bin auch bereit, Schmerzensgeld zu zahlen.“ Zum Beispiel in Raten, 100 Euro pro Monat.

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Auch zwei weitere Taten wolle er zugeben: sowohl den Angriff an einer Bushaltestelle in Holsterhausen als auch einen Wurf mit einem heißen Kaffeebecher am Busbahnhof. Mit den Schmerzensgeldzahlungen wolle er sofort beginnen, sobald ihn die Richter wieder nach Hause ließen.

Kaufland-Mitarbeiter sah Angriff nicht kommen

Dazu wird es aber zumindest zunächst nicht kommen. Dazu war der Angriff bei Kaufland im vergangenen September zu gefährlich.

Der Angeklagte war dem 53-jährigen Mitarbeiter aufgefallen, weil er versuchte, das Geschäft durch einen Notausgang zu verlassen. Darauf hatte er ihn angesprochen und zum Hauptausgang geführt – ohne ihn anzufassen. „Ich hatte nicht die Befürchtung, dass es brenzlig werden könnte“, sagte der Zeuge den Richtern. Doch genau das ist passiert.

Zweimal habe der Angeklagte versucht, ihn zu schlagen, beim dritten Mal floss Blut. Dass der Dorstener ein Messer in der Hand hielt, hatte der Verkäufer nicht gesehen. Die Klinge traf ihn in die linke Seite, der Stich drang rund acht Zentimeter tief in den Körper ein. Glück im Unglück: Es blieb bei einer Fleischwunde.

„Rettungsring“ wurde offenbar zum Lebensretter

„Wenn der Stich zehn Zentimeter höher eingedrungen wäre, hätte der Zeuge vor Ort versterben können“, sagte Rechtsmediziner Andreas Freislederer den Richtern. Außerdem sei das Opfer korpulent, ein sogenannter „Rettungsring“ habe möglicherweise sein Leben gerettet. Grundsätzlich sei der Angriff potenziell lebensgefährlich gewesen.

Der Prozess wird fortgesetzt. Dem Dorstener, der auch am Montag wieder von Wachtmeistern in Kampfanzügen und geschlossenen Helmen bewacht wurde, droht die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

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