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Missbrauchs-Prozess: Tennislehrer aus Dorsten wollte Frauen dominieren

hzLandgericht

Mit einem Geständnis ist der Missbrauchs-Prozess gegen einen Tennislehrer aus Dorsten fortgesetzt worden. Der 39-Jährige sprach vor Gericht von „ekelhaften und unmoralischen“ Taten.

Dorsten/Essen

, 15.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Angeklagte hatte nach eigenen Angaben ab 2010 über das Internet Kontakt zu Frauen aufgenommen. „Anfangs ging es mir darum, Anerkennung zu bekommen“, sagte er den Richtern am Essener Landgericht. Doch dann habe sich ein immer größerer Drang entwickelt, Macht über Frauen auszuüben. Und das hat auch funktioniert.

Es gibt Fotos, auf denen seine Internetbekanntschaften Broschen tragen oder Schilder hochhalten, auf denen steht: „Ich bin Dein Besitz.“ Einige schickten später auf Aufforderung auch pornografische Bilder von ihren eigenen oder von Kita-Kindern, mit denen sie beruflich zu tun hatten.

Grenzen getestet

„Ich wollte wissen, wie weit sie gehen – ob sie Grenzen überschreiten“, so der 39-Jährige. „Ich habe mir gedacht, dass Kinder für eine Frau das Heiligste sind.“

Um die pornografischen Bilder selbst sei es ihm dabei gar nicht gegangen. Auch nicht um Kindesmissbrauch. „Ich wollte nur gucken, ob die Frauen bereit sind, das zu machen. Nicht, dass sie es wirklich tun.“

Gleichzeitig hat der Tennislehrer und frühere Fußballprofi (3. Liga) zugegeben, dass es wohl noch mehr Fälle von Anstiftung zum Kindesmissbrauch gibt, als die die knapp zehn, die in der Anklage stehen. Bis zu 50 Frauen habe er pro Jahr kontaktiert, viele davon zu Übergriffen auf ihre Kinder gedrängt oder auch angestiftet. „Sobald ich gesehen habe, dass sie mir gehorcht haben, waren sie für mich aber wieder uninteressant.“

In den Ermittlungsakten gibt es fast 1000 Chatverläufe. Laut Staatsanwaltschaft wurden bis jetzt knapp 50 Hinweise auf Anstiftung zum Kindesmissbrauch gefunden. Die Auswertung ist aber noch nicht abgeschlossen.

Vertrauen in Frauen verloren

Das Motiv für die Taten ist nach Angaben des Angeklagten in seiner Kindheit und Jugend zu suchen. Damals sei er regelrecht „verwahrlost“. Seine alleinerziehende Mutter habe sich nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes um nichts mehr gekümmert und ihre drei Kinder regelmäßig brutal geschlagen. „Manchmal haben wir richtig gehungert oder nur noch rohen Teig gegessen, weil nichts anderes mehr da war“, so der 39-Jährige. Auch für Strom und Warmwasser sei oft kein Geld da gewesen.

Nach einer Zwangsräumung habe er mit seinem Bruder (noch als Schüler) schließlich Zuflucht in einem Pfarrheim gefunden. „Wir wurden einfach mit einem Köfferchen auf die Straße gestellt“, sagte der Angeklagte den Richtern. „Meine Mutter ist abgeholt worden – von ihrem neuen Freund – und war einfach weg.“ Dieses Bild habe sich fest in seine Erinnerung eingebrannt. Erst durch den Sport sei es ihm später besser gegangen.

War es also Rache an Frauen? „Ich habe einfach das Vertrauen verloren“, so der Angeklagte. „Da muss in meiner Kindheit und Jugend viel kaputt gegangen sein.“ Eigentlich wollte er übrigens nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Taten und über sein Leben sprechen. Doch das hatten die Richter nicht akzeptiert. Verteidiger Siegmund Benecken: „Er schämt sich sehr.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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