Das Landgericht Essen: Hier ist der Angeklagte aus Dorsten verurteilt worden. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Missbrauchtes Mädchen: „Ich vertraue nur noch meiner Familie“

Ein heute zehn Jahre altes Mädchen wird von einem Freund des Vaters bei der Gartenarbeit missbraucht. Jetzt ist der Mann verurteilt worden.

Es ist jetzt schon viele Monate her, dass ein zehn Jahre altes Mädchen aus Dorsten-Hervest sexuell missbraucht worden ist. Seitdem hat sich das Leben der Schülerin entscheidend verändert. „Ich traue nur noch meiner Familie“, hatte sie den Richtern am Essener Landgericht bei ihrer Zeugenvernehmung gesagt.

Am Donnerstag ist der Mann, der dafür verantwortlich ist, verurteilt worden.

Die Richter haben anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung verhängt und von einem „schwerwiegenden Vertrauensbruch“ gesprochen. Der Angeklagte selbst hatte im Prozess immer seine Unschuld beteuert. „Ich habe kein Kind angefasst.” So lauteten seine Worte. Doch das wurde ihm nicht geglaubt.

Mit der Schülerin getobt

Es war der 2. Oktober 2019, als das damals noch achtjährige Mädchen von der Mutter zu Hause abgesetzt worden ist. Der Vater arbeitete mit dem Angeklagten im Garten, wie auch schon an den Tagen zuvor. Die Familie hatte sich gerade ein Haus gekauft, war mit Renovierungsarbeiten beschäftigt.

Die Schülerin schnappte sich ihr Fahrrad, fuhr auf der Straße hin und her, tobte später auch mit dem Angeklagten, der sie mehrfach packte und in die Luft warf. „Das hat ihr Spaß gemacht“, so Richter Sebastian Jordan. „Bis dahin war ja auch noch alles gut.“

Doch dann habe der 24-Jährige das Kind plötzlich hinters Haus gelockt und im Intimbereich begrabscht. Erst mit Arbeitshandschuhen, dann ohne. Bei einer DNA-Analyse waren später so viele Spuren sichergestellt worden, dass selbst die Gutachterin erstaunt war. Durch einen harmlosen Kontakt beim Toben sei diese Fülle von DNA-Spuren nicht zu erklären, hieß es im Urteil.

Hände in Tüten gepackt

Die Schülerin hatte sich damals sofort der Mutter offenbart, die keine Sekunde zögerte und sofort die Polizei alarmierte. Der Angeklagte wurde noch am Haus der Familie festgenommen, wobei seine Hände in Tüten verpackt wurden, um mögliche Spuren zu erhalten.

In ihrer nicht-öffentlichen Vernehmung soll die Zehnjährige von Schmerzen berichtet haben, und dass sie das Vertrauen in andere Menschen verloren habe. „Da war sehr eindrucksvoll“, so Richter Jordan. Und direkt an den Angeklagten gewandt: „Das sind die Folgen Ihrer Tat.“

Höhere Strafe gefordert

Der 24-Jährige hatte den Vater des Mädchens durch Zufall kennengelernt. Er war offenbar häufiger an dem Haus der Familie vorbeigekommen. Man kam ins Gespräch, einigte sich auf eine Art Helferjob. Ein Gefallen, den der Angeklagte laut Urteil schließlich schamlos ausgenutzt hat.

Staatsanwältin und Anwältin Jessica Grothe, die im Prozess die Interessen des Mädchens vertreten hat, hatten sogar drei Jahre Haft gefordert. Verteidiger Michael Schwankl hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

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Gerichtsreporter

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