Digitale Technik und individuelle Arbeitspläne - auf dieses Zusammenspiel legt die Montessori-Reformschule Wert. © Privat
Deutscher Schulpreis

Montessori-Schule Dorsten in Vorauswahl für den Deutschen Schulpreis

Die Montessori-Reformschule in Wulfen ist in der Vorauswahl für die Spezialausgabe des Deutschen Schulpreises. Schulleiterin Susanne Schulte über schulische Konzepte in der Coronakrise.

Kaum hat die Montessori-Reformschule Dorsten einen 3. Preis beim Wettbewerb des Bundesentwicklungshilfe-Ministerium gewonnen, da flatterte bei Susanne Schulte schon die nächste freudige Nachricht ins Mail-Postfach. Denn die Schule hat es in die Vorauswahl für den „Deutschen Schulpreis Spezial“ geschafft.

„Darüber freuen wir uns riesig“, sagt die pädagogische Schulleiterin am Montessori-Campus in Wulfen. „Und wir sind schon gespannt darauf, was uns in der zweiten Runde beim digitalen Bundescamp erwartet.“ Insgesamt 121 Schulen, darunter zehn Deutsche Auslandsschulen aus aller Welt, können dabei an Konzepten arbeiten. Im Anschluss wird eine Jury bis zu 15 Schulen für die Endrunde nominieren. Die Gewinner erhalten bis zu 10.000 Euro.

In der Spezial-Ausgabe des Deutschen Schulpreises 20/21 werden innovative Konzepte ausgezeichnet, die Schulen im Umgang mit der Coronakrise entwickelt haben und die das Lernen und Lehren langfristig verändern können. „Unsere Realschule setzt dabei nachhaltig auf eine Mischung aus Beziehungsarbeit plus Digitalisierung“, erzählt Susanne Schulte. „Bereits mit der ersten Lockdown-Welle haben wir dem hilflosen Schrei nach umfassender Digitalisierung einfach nur den menschlichen Maßstab entgegengesetzt.“

Die Montessori-Reformschule ist erneut bei einem bundesweiten Schulwettbewerb weitergekommen. © Privat © Privat

Bei der Montessori-Reformschule gelte grundsätzlich, dass das gesamte Kollegium die Verantwortung für die komplette Schülerschaft trägt. „Ein regelmäßiger Austausch ist uns wichtig“, sagt Susanne Schulte. Das galt auch und ganz besonders für die Arbeit während der Schulschließung ab März. „Für uns stand fest, dass der Begriff des Homeschoolings für uns nicht der passende ist. Distanzlernen heißt es bei uns, weil es uns wichtig ist, die Verantwortung nicht abzugeben.“

Das habe zu vielen Verschiebungen innerhalb der Aufgaben geführt. Kollegen, die die sogenannten Nebenfächer unterrichten, wurden zu persönlichen Mentoren. Sie haben den Kontakt zu den Jugendlichen und Familien aufgenommen, haben mindestens zweimal in der Woche Telefonate geführt und nachgefragt, was die Schüler brauchen, was ihnen fehlt, während die Hauptfachlehrer sich um die inhaltlichen Aufgaben gekümmert haben.

„Offenes Ohr für Sorgen“

„Manchmal war ein motivierendes Projekt für die Kinder wichtiger als die pure Wissensvermittlung“, so Susanne Schulte. Denn Familien hatten ihre Sorgen und ihre Nöte. „Da galt es, ein offenes Ohr zu haben und den Schülern ein Stück weit Zuversicht zu vermitteln.“

Die pädagogische Schulleiterin betont, dass Schule in Sachen Digitalisierung neben der Wissensvermittlung verstärkt auf Kreativität, das Wecken von Neugierde und sozialen Fähigkeiten setzen solle. „Wir setzen auch hier auf eine sensible Anpassung des Lehrstoffes an die Eignungen jedes einzelnen Kindes.“

Susanne Schulte ist pädagogische Leiterin der Montessori-Reformschule. © Privat © Privat

Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass eine optimale Ausstattung mit technischem Equipment sofort eine optimale Versorgung mit Lerninhalten spende. Digitalisierung und Medienkompetenz gehörten bei der Montessorischule schon vorher mit in den Unterricht. Für die Schüler sei es aber eine ganz andere Herausforderung gewesen, auch zu Hause die Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. „Das braucht Begleitung, damit es zielführend ist.“

Auch das Kollegium ist gefordert

Auch für das Kollegium gilt es, Inhalte und Kompetenzen in digitaler Form zu vermitteln: „Mit dem Anschauen von Erklärvideos ist es da nicht getan, und auch nicht, ein Arbeitsblatt hochzuhalten.“

Lernen von daheim berge darüber hinaus technische Probleme: Nicht jeder Schüler hat Zugang zu einem eigenen Rechner. Schulte: „Wir haben uns nun mit den Eltern verständigt, dass wir jedem Schüler ab Januar ein Tablet zur Verfügung stellen.“ Auch damit arbeiten die Schüler an einem personalisierten Arbeitsplan, „und die individuelle Begleitung darf dabei nicht abreißen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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