Nach dem Urteil atmet der Todesfahrer vom Schloss Lembeck erleichtert auf

hzLandgericht Essen

Im September 2018 überfuhr ein 79-jähriger Mann am Schloss Lembeck seine Frau und tötete sie. Bis zuletzt fürchtet er eine Verurteilung wegen Mordes. Dann aber atmete er erleichtert auf.

Essen, Lembeck

, 26.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Todesfahrt am Schloss Lembeck, bei der im September 2018 eine 65-jährige Frau starb, war ein Unfall und keine Absicht. Das hat das Essener Schwurgericht am Mittwoch entschieden und den angeklagten Ehemann des Opfers wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft verurteilt. Der 79-Jährige nahm das Urteil erleichtert zur Kenntnis.

Angeklagter wurde vorläufig freigelassen

Nach mehr als sechs Monaten in Untersuchungshaft wurde der Angeklagte noch am Donnerstag vorläufig freigelassen. Wann er den Rest seiner Strafe verbüßen soll und wie lange er dann tatsächlich noch einmal hinter Gitter muss, wird erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Bis zuletzt war nicht klar, wie die Richter den rätselhaften Fall bewerten würden. Klar ist, dass der Angeklagte an jenem Septembertag seine Frau auf dem Parkplatz vor Schloss Lembeck mit seinem Auto überrollte. Das Opfer erlitt dabei schwere Verletzungen am Brustkorb. Weil zudem eine Herzkammer riss, verblutete die Frau innerhalb kürzester Zeit.

Angeklagter machte unterschiedliche Angaben

Fraglich ist jedoch, wie es zu der Tragödie kam. Der 79-Jährige hatte seit der Tat zahlreiche verschiedene Versionen zu Protokoll gegeben. Eine Absicht hatte er jedoch nie zugegeben. Er räumte schließlich jedoch ein, dass er damals mit seiner Geliebten im Auto saß, als seine Ehefrau plötzlich an der Beifahrerseite auftauchte. Er habe Panik bekommen und sei losgefahren. Dabei müsse die Frau gestürzt und unter das Auto geraten sein.

Die Staatsanwaltschaft ging bis zuletzt jedoch davon aus, dass die Todesfahrt keineswegs ein bedauerlicher Unfall war. „Die Frau ist gestürzt und lag am Boden. Das hat der Angeklagte im Rückspiegel gesehen und ist absichtlich rückwärts über den Körper gefahren“, hieß es noch am Donnerstag im Plädoyer. Neun Jahre Haft wegen Totschlags beantragte die Staatsanwältin. Lediglich die Anklage wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen ließ sie fallen.

Richter kritisieren Gutachter

Richter Martin Hahnemann und seine Kammer bewerteten den Fall schließlich anders. Obwohl ein Unfallgutachter zu dem Schluss gekommen war, dass eine Rückwärtsfahrt am wahrscheinlichsten sei, glauben die Richter, dass der 79-Jährige die Frau vorwärts überrollt hat.

Das spätere Opfer müsse gestürzt und dann mit dem Oberkörper zwischen Vorder- und Hinterrad geraten sein. Dann habe das Hinterrad ihr den Brustkorb zerquetscht. „Wenn eine 1,60 Meter kleine Frau auf einen zwei Tonnen schweren Wagen trifft, hat sie keine Chance“, hieß es in der Urteilsbegründung. Mit dem Gutachter gingen die Richter hart ins Gericht: „Er hat uns nicht erklären können, warum er zu seinem Ergebnis gekommen ist.“

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