Nach üblem Gewaltexzess in Dorsten wird dem Schläger der Prozess gemacht

hzGerichtsverhandlung

Eigentlich verlief die Familienfeier in Dorsten harmonisch. Doch dann sorgte der betrunkene Sohn des Geburtstagskindes draußen für eine üble Schlägerei, für die er nun die Quittung kassierte.

Dorsten

, 01.08.2019, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Blutüberströmt wurde ein Familienvater aus Wulfen von den Notfall-Sanitätern ins Dorstener Krankenhaus gebracht, nachdem er im März 2017 von einem 29-jährigen Mann übelst malträtiert wurde. „Das war ein enormer Gewaltexzess“, charakterisierte der Staatsanwalt das Geschehen, das sich damals am Napoleonsweg in Barkenberg ereignet hatte und am Mittwoch sein endgültiges juristisches Ende vor dem Dorstener Schöffengericht fand.

Dort saß der inzwischen 31-jährige Wulfener auf der Anklagebank, der damals dem Opfer die Verletzungen zugefügt hatte. Erinnern konnte er sich nicht an das, was ihm vorgeworfen wurde. Denn er hatte an dem Tag auf der Geburtstagsfeier seines Vaters in einem Barkenberger Vereinsheim reichlich dem Alkohol zugesprochen. „Ich war kurz zuvor aus der Haft gekommen und habe erstmalig meine ganze Familie wieder gesehen“, erklärte er vor Gericht.

Schwer alkoholisiert

Zum Tatzeitpunkt war er mit 1,64 Promille schwer alkoholisiert, zudem hatte er auf der Feier Haschisch geraucht. „Ich hatte Stress mit dem Freund meiner Cousine und wollte mich durch den Joint wieder beruhigen.“ Doch der Drogen-Mix zeigte gegenteilige Wirkungen: Unweit des Vereinsheims begegnete er zwei Ehepaaren und einem jungen Mädchen, die gerade zufällig von einem Eltern-Stammtisch nach Hause zurückkehren wollten.

Der Angeklagte beleidigte im Vorbeigehen einen der Familienväter, schlug ihm dann unvermittelt mit der Faust ins Gesicht. Doch das blutüberströmte Opfer, ein ausgebildeter Security-Mann, konnte den Täter in den Schwitzkarten nehmen und am Boden fixieren.

Situation eskalierte

Die Situation eskalierte, als der Vater des 29-Jährigen von seiner Nichte auf das Geschehen vor der Tür aufmerksam gemacht wurde. „Es gab dann ein heilloses Durcheinander“, sagte die Ehefrau des Opfers aus. Der Vater des Angeklagten, das Geburtstagskind also, wollte seinem Sohn zu Hilfe kommen, schlug auf die beiden männlichen Anwohner und eine ihrer Frauen ein. Und der Angeklagte selbst rastete im Verlauf der Schlägerei komplett aus, trat ihn in Kung-Fu-Manier mit den Füßen auf seinen Kontrahenten ein, verpasste ihm einen Kopfstoß und bedrohte ihn mit dem Tod.

Mit blauem Auge davon gekommen

Nachdem der Vater des Angeklagten bereits vor Monaten für seine Tat sechs Monate auf Bewährung kassiert hatte, kam auch sein Sohn nach langer Beratung des Schöffengerichts gerade noch mal mit einem blauen Auge davon: Zwei Jahre auf Bewährung, diese aber mit strengen Auflagen: Er muss 360 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, 1800 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen und jeden Monat eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass er keinen Alkohol trinkt oder Drogen nimmt.

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