Mit Schwung brettern Autos normalerweise in die Einfahrt zum Nahversorgungszentrum Händelstraße in der Feldmark. Aus und vorbei. Das finden Passanten gut.

Dorsten

, 23.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Einkaufen an der Händelstraße ist wie ein Kinobesuch. Mit allen Zutaten. Schockmomente inklusive. Das meint eine Gruppe von Rentnern aus dem Feldmärker Wohnviertel, die sich dort regelmäßig vor Rewe auf einen Kaffee trifft und genüsslich die Szenerie beobachtet und kommentiert: „Wenn man hier sitzt, kann man was erleben“, sagt ein Mann.

Er habe beobachtet, wie Fußgänger auf dem Zebrastreifen vor dem Supermarkt von Autos fast angefahren worden wären. Und Passanten riskierten ihr Leben, wenn sie mit dem Einkaufswagen über die Zuwegung für Fahrzeuge herumkurven und dabei beinahe unter die Räder der Schnellfahrer gerieten. „Die Verkehrsführung“, so eine Frau vor dem Rewe-Supermarkt, „ist eine Katastrophe“.

Hohe Geschwindigkeiten, verhaltensauffällige Autofahrer

Die Verkehrsführung am Nahversorgungszentrum Händelstraße ist das eine. Das andere sind die Verhaltensauffälligkeiten und die hohen Geschwindigkeiten, die etliche Besucher nach Zeugenbeobachtungen an den Tag legen. „Wenn hier Polizisten stünden, könnten sie im Minutentakt Knöllchen schreiben“, behauptet ein befragter Senior vor Rewe.

Just in dem Gesprächsmoment düst eine Frau im Auto hupend an einem von rechts kommenden Fahrzeug vorbei. Das hätte eigentlich Vorfahrt gehabt. Jetzt kann der Fahrer nur noch verdattert hinter der eiligen Fahrerin herschauen.

Eigentümerin dreht an den Stellschrauben

Das rücksichtslose Verhalten auf dem Parkplatz des Nahversorgungszentrums Händelstraße ist Anlass für die Grundstückseigentümerin, an den Stellschrauben zu drehen. Als Erstes hat T5 Immobilien jetzt zehn Meter hinter der Einfahrt zum Nahversorgungszentrum eine höhere Schwelle von einer Fahrbahnseite zur anderen pflastern lassen. Das zwingt die Autofahrer, vom Gas zu gehen und deutlich langsamer darüber zu rollen.

T5 Immobilien als Grundstückseigentümerin behält das Treiben auf dem Parkplatz vor Rewe, dm und Penny Markt seit Längerem im Blick, wie T5-Geschäftsführer Frank Balster auf Anfrage sagt. „Wir überprüfen Schwachstellen und bessern nach.“ Deshalb sollen weitere Maßnahmen nach der ersten Aufpflasterung in der Zufahrt zu den Geschäften umgesetzt werden, um den Verkehr zu entschleunigen und die Fußgänger besser zu schützen.

„Das hat aber nichts mit dem tödlichen Unfall zu tun“, versichert Frank Balster. Am 15. Februar 2018 wurde eine Fußgängerin, die einen Einkaufswagen über den Zebrastreifen schob, von dem Wagen eines 77-jährigen Mannes überrollt. Er habe nichts von dem schrecklichen Geschehen mitbekommen, gab er später bei seiner Gerichtsverhandlung an. „Diesen Unfall, wie er passiert ist, hätten wir nicht durch eine Aufkantung verhindern können“, stellt Balster klar.

Man könne den Fahrzeugverkehr, der von der B224 mit Schwung ins Einkaufszentrum einbiegt, durch Aufpflasterungen entschleunigen. „Die Zufahrt ist mit acht Meter recht breit geraten“, so Balster. Das lasse sich nicht ändern. Man könne wohl aber dafür sorgen, dass die Kunden aus den Geschäften nicht direkt auf die Straße laufen. So sollen vor Rewe, Penny Markt und dm Geländer aufgestellt werden. „Damit dort keine Autos mehr vor den Eingängen parken können und die Passanten bis zum nächsten Zebrastreifen laufen, bevor sie die Fahrbahn überqueren“, erklärt Balster.

Nahversorgungszentrum Händelstraße: „Die Verkehrsführung ist eine Katastrophe“

Der Zebrastreifen links führt zwar von Rewe aus zum Parkplatz, aber für viele Kunden nicht zum Ziel. Sie laufen deshalb diagonal über die Straße. © Claudia Engel

Zudem seien weitere Zebrastreifen geplant als optische Warnung und Mahnung, den Fuß vom Gas zu nehmen. Eine neuralgische Stelle hat die Seniorengruppe direkt am Rewe-Markt ausgemacht: „Den Unterstand für die Einkaufswagen. Der müsste unter dem Vordach von Rewe sein und nicht rechts vom Zebrastreifen, der von Rewe zu den Parkplätzen führt“, sagt eine Beobachterin. An dieser Stelle würden Fußgänger quer über die Straße gehen. „Das ist für sie gefährlich.“

Insgesamt aber macht die Runde vor Rewe die Autofahrer als echtes Problem aus: „Rücksichtslos“ und „viel zu schnell“ seien sie. Die Gruppe fordert: „Eine Schwelle reicht nicht aus, zwei oder drei wären besser.“

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