Neue Geschichtsstation ist ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens

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Für die Enthüllung der neuen Geschichtsstation hatte sich der Verein für Orts- und Heimatkunde einen geschichtsträchtigen Tag ausgesucht: den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Dorsten

, 04.10.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum ein Datum wäre passender gewesen als der 3. Oktober“, unterstrich auch Bürgermeister Tobias Stockhoff in seiner Rede. Denn auch wenn der Tag der Deutschen Einheit „nur“ ein Nationalfeiertag ist, so wäre die Einheit ohne die Nachbarn in Europa wohl nicht möglich gewesen. An die Beziehungen der Stadt zu ihren Partnerstädten in der Welt soll die neue Geschichtsstation erinnern.

Die Geschichte der Stadt aufarbeiten

Seit 2001 installiert der Heimatverein Dorsten an historischen Stellen in der Stadt seine Geschichtsstationen. Damit will der Verein die Geschichte der Stadt aufarbeiten, aber auch erinnern, ermahnen und ermutigen. Die 45. Station wurde am Samstag (3. Oktober) am Platz der Deutschen Einheit enthüllt.

Bei einem kleinen Festakt, der aufgrund des Wetters spontan ins Evangelische Gemeindehaus verlegt wurde, kamen die Mitglieder der Partnerschaftsvereine, des Heimatvereins, des Lions Clubs und der Stadt Dorsten zusammen. Zusätzlich wurden die Reden und die Enthüllung der Station live in die Partnerstädte gestreamt.

Die neue Geschichtsstation befindet sich am Platz der Deutschen Einheit, direkt neben der Eisdiele.

Die neue Geschichtsstation befindet sich am Platz der Deutschen Einheit, direkt neben der Eisdiele. © Julian Schäpertöns

Josef Ulfkotte, Vorsitzender des Heimatvereins, erzählte von seinen persönlichen Erfahrungen in anderen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg. „Man ist mir als Deutscher mit großem Misstrauen begegnet. Ich habe das damals nicht verstanden, denn ich persönlich habe ja nichts getan. Bis ich begriffen habe, worum es eigentlich geht“, so Ulfkotte. Es dauerte Jahrzehnte, bis dieses Misstrauen gegenüber Deutschland nachließ und irgendwann sogar Freundschaften zwischen den Ländern entstanden.

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„Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir um Entschuldigung in der Welt gebeten“, so Tobias Stockhoff. „Viele Länder haben uns die Hand gereicht und unsere Entschuldigung angenommen. Darum ist der Tag der Deutschen Einheit auch ein Tag der Versöhnung mit unseren Nachbarn in der Welt.“ Und Josef Ulfkotte ermahnte: „Wir müssen unseren Beitrag zur Versöhnung leisten, damit sowas wie am 22. März 1945 (Anm. d. Red.: die Bombardierung Dorstens) nicht nochmal passiert.“

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Enthüllung der neuen Geschichtsstation

Die von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle in die Wege geleitete Politik der Aussöhnung und Verständigung führte ab 1963 zu zahlreichen Städtepartnerschaften, die bis heute den Europagedanken leben. 1973 schließt Dorsten mit der englischen Stadt Crawley die erste Städtepartnerschaft. Heute sind es insgesamt acht Partnerschaften - davon zwei auch außerhalb Europas, eine in Nicaragua und eine in Israel. 1990, zur Deutschen Wiedervereinigung, wurde auch eine Städtepartnerschaft mit der sächsischen Stadt Hainichen geschlossen.

Die neue Geschichtsstation fand passenderweise ihren Standort am Platz der Deutschen Einheit. Hier können alle wichtigen Meilensteine zum Thema Städtepartnerschaften nachgelesen werden. „Es war faszinierend, die Geschichten der Städtepartnerschaften nachzuverfolgen. Dahinter stecken teils unglaubliche Geschichten“, so Josef Ulfkotte. „Die entstandenen Freundschaften zu den Städten zeigen, dass Europa unsere Zukunft ist - trotz aller Diskrepanzen. Aber wir verlieren dabei nicht die Welt aus den Augen.“

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