Partei in Dorsten sucht mit öffentlichem Casting Kandidaten für die Kommunalwahl

hzKommunalwahl

Das ist bundesweit eine Besonderheit: Eine Partei in Dorsten will mit einem öffentlichen Casting mögliche Kandidaten für den Stadtrat auswählen. Eine Jury soll über die Bewerber entscheiden.

Dorsten

, 15.01.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist politisch oppositioneller Widerstand auf lokaler Ebene Dein großes Hobby? Ist Dir Guerilla-Gardening und Underground-Stricken nicht extrem genug? Würdest Du Deinen Namen gerne mal auf einem Wahlzettel sehen?

Wer diesen kleinen Fragenkatalog mit „Ja“ beantworten kann, der kann am 8. Februar (Samstag) um 19 Uhr im Hervester Begegnungszentrum „Das Leo“ (Fürst-Leopold-Allee 70) seinen Hut in den politischen Ring werfen. Denn in einem bundesweit nahezu einmaligen öffentlichen Casting sucht der seit einem Jahr existierende Dorstener Ortsverband der Partei „Die Partei“ interessierte Bürger, die sich in der Lippestadt als „Die Partei“-Kandidaten für die Kommunalwahl im September zur Verfügung stellen wollen.

Jetzt lesen

Zwar gibt es in Person von Ingo Lilienthal, Lisa Tilsner und Janina Schult einen drei-köpfigen Ortsvorstand der „sehr guten Partei“, wie sie sich selbst charakterisiert. Doch dieser „imaginäre Flügel“ wolle laut dem Vorsitzenden Ingo Lilienthal gemäß den Parteistatuten nach der Wahl nicht das politische Tagesgeschäft aufnehmen: „Deshalb suchen wir dafür Leute, die unseren Realo-Flügel bilden können.“

Chancen auf Ratsitze

Der Dorstener Ableger der Partei rund um den Satiriker und EU-Abgeordneten Martin Sonneborn hat sich als Wahlergebnis „100 Prozent plus X“ auf die Fahnen geschrieben, wird dieses aber womöglich nicht erreichen. Aber Chancen, als Kleinpartei in den Stadtrat einzuziehen, hat „Die Partei“ sehr wohl.

Partei in Dorsten sucht mit öffentlichem Casting Kandidaten für die Kommunalwahl

„Die PARTEI" beschäftigt sich auch mit ernsthaften Themen - im Oktober reinigten die Mitglieder in der Innenstadt die Stolpersteine, die an die früheren Wohnorte der jüdischen Mitbürger während der Nazi-Zeit erinnern. © Privat

Denn da die 2,5-Prozent-Hürde bei den NRW-Kommunalwahlen gekippt wurde, reicht in Dorsten ein Wahlergebnis von mindestens 2,4 Prozent, um immerhin ein Mandat im kommenden Stadtrat zu bekommen.

Die durchschnittlichen Partei-Ergebnisse der 2019er-Wahlen auf Europa-, Landes- und Kommunalebene in ganz Deutschland („häufig zwischen zwei und drei Prozent“) geben den Dorstenern Partei-Mitgliedern Hoffnung. „Außerdem ist es für uns positiv, dass bei der Kommunalwahl schon die ab 16-Jährigen wählen können“, weist Lisa Tilsner auf die Tatsache hin, dass „Die Partei“ besonders großen Rückhalt bei Jugendlichen hat.

22 Wahlbezirke zu besetzen

22 Wahlbezirke in den jeweiligen Stadtteilen gibt es bei der Kommunalwahl in Dorsten, „Die Partei“ will möglichst alle besetzen. Denn nur auf den jeweiligen Direkt-Kandidaten entfallene Stimmen gehen in das Endergebnis ein - heißt: „Je mehr Kandidaten aufgestellt sind, desto besser für die Partei.

Derzeit hat der Ortsverband nach Worten von Janina Schult fünf, sechs aktive Mitglieder, dazu „ein paar Karteileichen“, die es wiederzubeleben gilt, die restlichen Aspiranten sollen durch das Casting gewonnen werden.

Partei in Dorsten sucht mit öffentlichem Casting Kandidaten für die Kommunalwahl

Mit einer Werbekampagne macht die "PARTEI" auf das Casting aufmerksam. © Privat

Eine Jury dabei wird die Kandidaten bewerten. Bewerber sollten nach Vorstands-Angaben schlagfertig sein, eine freiheitlich-demokratische Grundhaltung haben, Interesse an Dorsten und eine politische Agenda für die Bürger abseits von Parteiinteressen haben, der „linken radikalen Mitte“ angehören, durchaus eine satirische Ader haben, obwohl die „Sachpolitik“ im Vordergrund steht und die Bereitschaft zu einer Mitgliedschaft mitbringen.

AfD im Visier

Die Dorstener „Die Partei“ erwartet nicht, dass sie ein Direktmandat in einem der Wahlbezirke gewinnt. Da die Kommunalwahl kombinierte Direkt- und Listenwahl ist, würden jedoch die Inhaber der ersten Listenplätze bei genügend Wählerstimmen in den Rat gelangen. Listenplatz 1 wird, das steht schon fest, Nicht-Vorstand Simon Rodriguez-Garcia belegen.

Sollte die AfD dann ebenfalls erstmalig in den Rat kommen, hat er sich zum Ziel gesetzt: „Ich würde die AfD-Leute so sehr aufregen, dass sie ihre Masken fallen lassen und sich als das zu erkennen geben, was sie wirklich sind.“

Anmeldungen für das Casting am 8. Februar sind nicht nötig. Mögliche Unterstützer oder potenzielle Parteimitglieder können sich aber auch vorab bei Simon Rodriguez-Garcia per Mail melden. Im Internet ist Die Partei Dorsten bei Facebook und bei Instagram zu finden.
Lesen Sie jetzt