Paul-Gerhardt-Haus öffnet seine Küche für Familienprobleme

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Das Paul-Gerhardt-Haus lädt Eltern zu Küchengesprächen in Hervest ein. Themen rund um die Familie stehen dabei im Fokus. Was sich daraus entwickelt, ist vollkommen offen.

Hervest

, 09.01.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Teenie-Tochter hält sich nicht an Vereinbarungen und hat Probleme in der Schule. Der Vierjährige trotzt ohne Ende und das Zusammenleben macht gerade überhaupt keinen Spaß. Das Kind ist da, alles müsste toll sein, aber die Beziehung zum Partner kriselt. Solche Probleme sind im Familienalltag keine Seltenheit, können Eltern aber sehr belasten.

Doch deswegen gleich zum Therapeuten, zur Erziehungsberatungsstelle oder zum Jugendamt? Das scheint Eltern dann oft doch zu weit hergeholt. Genau für solche Fälle hat das Paul-Gerhardt-Haus (PGH) in Hervest ein neues Angebot geschaffen: die „Küchengespräche“.

Die Küche ist ein guter Treffpunkt

„Auf einer Party stehen doch meistens irgendwann alle in der Küche und auch das Familienleben spielt sich oft in der Küche ab“, sagt Verena Wassen-Bauer, Diplom-Sozialpädagogin und Familientherapeutin. Sie arbeitet ehrenamtlich im PGH und hat eine Praxis am Fürst-Leopold-Platz. Die Idee mit den Küchengesprächen kam ihr, als sie für ein Unternehmen in einem neuen Gebäude einen Raum für ihre Arbeit als Therapeutin vor Ort suchte. Schnell kam Verena Wassen-Bauer die Idee, auch im Paul-Gerhardt-Haus Gespräche in der Küche anzubieten.

„Viele Eltern trauen sich nicht, sich in einer richtigen Praxis beim Therapeuten auf die Couch zu legen. In der Küche redet es sich ungezwungener“, erklärt sie. Mit dieser Idee hatte sie PGH-Leiterin Marion Tenorth sofort auf ihrer Seite. Am Freitag (10. Januar) findet nun die erste Elternberatungssprechstunde in der Küche des PGH an der Glück-Auf-Straße 8 statt, wo die Einrichtung während der aktuell laufenden Umbau- und Renovierungsarbeiten untergekommen ist.

Oft ist nach Angeboten noch Redebedarf da

„Nach den Pekip- oder Elternstartkursen haben Eltern oft noch Redebedarf, aber entweder hat die Kursleitung dann selber keine Zeit mehr für ein Gespräch, oder die Eltern müssen mit ihren müden Kindern nach Hause“, erzählt Tenorth. Diese Erfahrung hat auch Wassen-Bauer gemacht. Sie bietet im PGH öfter Elternabende zu verschiedenen Themen an. „Oft kommt während der 90 Minuten so viel hoch, dass eigentlich noch viel mehr Redebedarf wäre“, sagt sie. Bislang konnte sie dann nur an die Erziehungsberatungsstelle oder ihre eigene Praxis verweisen - jetzt kann sie einfach zu einem Küchengespräch einladen.

Geplant sind bislang sechs Termine (10.1., 14.2., 13.3., 24.4., 8.5., 19.6.) jeweils von 9 bis 14 Uhr. Wassen-Bauer bittet darum, dass sich interessierte Eltern vorher unter Tel. (02362) 71 11 61 anmelden (bei Bedarf auch anonym), um die Gespräche besser planen zu können.

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Der Therapeutin ist wichtig zu betonen, dass es sich bei dem Angebot um ein lockeres Gespräch handelt und sie nicht vor hat, mit dem erhobenen Zeigefinger Ratschläge zu erteilen. „Eltern stehen oft unter enormem Druck und bekommen von allen Seiten gut gemeinte Ratschläge. Ich möchte in den Küchengesprächen gemeinsam mit den Eltern neue Ideen entwickeln, wie bestimmte Dinge vielleicht besser laufen können“, so Wassen-Bauer. Um in Ruhe reden zu können, bittet sie die Eltern, ohne Kinder zum Termin zu kommen.

Türöffner für weitere Angebote

Oft helfe schon ein Gespräch mit einer neutralen Person. Es sei aber auch kein Problem, mehrmals zum Küchengespräch zu kommen. „Vielleicht ist das Treffen aber auch ein Türöffner, um andere Angebote wahrzunehmen“, so die Therapeutin.

Wie es nach den sechs Terminen weiter geht, ist noch nicht klar. „Wir gucken jetzt erst einmal, ob der Bedarf dafür da ist. Vielleicht entwickelt sich später auch etwas anderes aus dem Angebot - wir sind da total offen“, sagt Marion Tenorth.

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