Pendler-Boom in Dorsten und Umgebung: Gewerkschaft spricht von „alarmierendem Trend“

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Hohe Mieten und Job-Wachstum in Großstädten zwingen immer mehr Menschen zum Pendeln. Gewerkschafter schlagen Alarm. Für Dorsten bietet der Pendler-Boom aber auch Chancen.

Dorsten

, 17.10.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer mobil ist, hat gute Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden - in Dorsten oder in der Region. Mit zunehmender Beschäftigung sind in den vergangenen Jahren auch die Pendlerzahlen gestiegen. Das belegen Daten, die die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor mithilfe der Agentur für Arbeit und des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik zusammengetragen hat.

Windor-Geschäftsführer Josef Hadick und sein Team haben aus den Zahlen interessante Erkenntnisse für ihre Arbeit gewonnen. Die Kernaussage: „Dorsten ist attraktiv als Arbeitsort und und als Wohn- und Lebensort. Aber es gibt in den nächsten Jahren noch eine Menge zu tun.“

Die Zahl der Auspendler in Dorsten - also Menschen, die hier wohnen, aber in einer anderen Stadt arbeiten, ist in den vergangenen 13 Jahren um 2300 auf insgesamt 17.685 Menschen gestiegen (Stand: Mitte 2018). Das bedeutet auch, dass die Mobilität der Arbeitnehmer kontinuierlich zugenommen haben muss.

Pendler-Boom in Dorsten und Umgebung: Gewerkschaft spricht von „alarmierendem Trend“

© Stefan Diebäcker

Die Zahl der Einpendler - also Menschen, die in Dorsten arbeiten, aber in einer anderen Stadt wohnen - ist im gleichen Zeitraum um knapp 3400 auf insgesamt 9466 gestiegen. Heißt: Immer mehr Menschen wohnen nicht in Dorsten, obwohl sie dort arbeiten.

Pendler-Boom in Dorsten und Umgebung: Gewerkschaft spricht von „alarmierendem Trend“

© Stefan Diebäcker

Seit 2017 gibt es in Dorsten sogar mehr Einpendler als Menschen, die in Dorsten wohnen und arbeiten. Windor nennt sie „AWiDos“.

Pendler-Boom in Dorsten und Umgebung: Gewerkschaft spricht von „alarmierendem Trend“

© Stefan Diebäcker

Der Trend setzt sich auf Kreisebene fort. Die Zahl der Berufspendler im Kreis Recklinghausen hat laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt einen neuen Höchststand erreicht: Auf dem Weg zur Arbeit verließen demnach im vergangenen Jahr rund 152.000 Menschen im Kreisgebiet regelmäßig die Kreis-Grenzen - ein Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000. Die IG BAU beruft sich auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Das sei ein „alarmierender Trend“, sagt Georg Nießing, Bezirksvorsitzender des IG BAU Bezirksgruppe Emscher-Lippe-Aa. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilenpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden.“ Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge.

Viele Dorstener pendeln in die Nachbarschaft

Die meisten Auspendler aus Dorsten fahren über die Stadtgrenze nach Marl (2023), Gelsenkirchen (1767) und Bottrop (1087). Von den entfernten Großstädten zieht es Arbeitnehmer aus Dorsten vor allem nach Essen (1832). Nach Dortmund pendeln nur 357 Dorstener. Auch Düsseldorf (386) und Münster (246) sind offenbar schon viel zu weit weg.

Für Windor-Geschäftsführer Josef Hadick sind die „AWiDos“ (in Dorsten wohnen und arbeiten) „die wichtigste Gruppe“. „Es muss das Ziel sein, Einpendler zu Auspendlern oder zu AWiDos zu machen.“ Denn der Pendel-Boom bietet auch Chancen für Dorsten. Um die Attraktivität Dorstens als Arbeitsmarkt weiter zu steigern, bedarf es weiterer Arbeitsangebote, sagt Josef Hadick. „Dafür benötigen wir in den nächsten Jahren neue Gewerbeflächen.“ Die vorhandenen seien nahezu erschöpft.

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Zur ganzheitlichen Betrachtung gehört aber auch die Wohnsituation. Die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft will sie in den nächsten Monaten analysieren und dann im Wirtschaftsausschuss vorstellen. Sicher ist: Es bedarf attraktiver Immobilienangebote, damit Menschen in Dorsten nicht nur arbeiten, sondern auch leben möchten.

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