Mitglieder der vier Gemeinden der Pfarrei St. Agatha feierten am Sonntag im Bürgerpark den zehnten Geburtstag der Fusion. Das Erreichte wurde betont, Probleme aber nicht verschwiegen.

von Paul Kahla

Dorsten

, 10.06.2019, 08:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pfadfinder, Frauengruppen, Chöre, Gemeindevorstände, Diakone, Pfarrer und auch Mitglieder der Partnergemeinde St. Theresia aus dem polnischen Rybnik waren gekommen, um gemeinsam das Pfingstfest zu feiern. Doch nicht nur das christliche Fest bot den Gemeinden einen Grund zum Feiern.

Vor zehn Jahren wurde bei ähnlich gutem Wetter in einer Freiluft-Pfingstmesse auf dem Marktplatz die Fusion der vier Dorstener Südgemeinden St. Nikolaus (Hardt), St. Johannes (Feldmark), Heilig Kreuz (Altendorf-Ulfkotte) und St. Agatha (Altstadt) zelebriert. Man hatte sich lange gewehrt und es für unfair befunden, aber letztlich fand die Fusion aufgrund des fortschreitenden Priester- und Finanzschwundes der katholischen Kirche statt.

Ein Netz wurde gesponnen

Zum zehnten Geburtstag der Fusion hatten Mitglieder der Pfarrei jetzt erneut eine Freiluft-Messe organisiert, in der sich die vier ehemals getrennten Gemeinden einig zeigten. In einer Aktion, die von den beiden Pfadfinderstämmen der Gemeinden organisiert wurde, warfen sich die Besucher der Messe Wollknäuel zu, wodurch ein Netz aus Fäden im ganzen Amphitheater entstand.

„Das Netz ist als Sinnbild gedacht für die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden in der Pfarrei“, erklärte die stellvertretende Pfarreisratsvorsitzende Evamaria Schäfer. Für sie seien gemeinschaftliche Feste mit allen vier Gemeinden essenziell für einen Zusammenhalt nach der Fusion.

Pfarrei St. Agatha feiert den zehnten Geburtstag der Fusion mit besonderem Gottesdienst

Die Gottesdienstbesucher spinnen ein Netz. © Kahla

Auch die musikalische Begleitung der Messe kam durch eine Kooperation der vier Kirchen zustande. Sieben Chöre mit insgesamt 100 Mitgliedern aus den vier Gemeinden hatten ein vielfältiges Programm für die Messebesucher einstudiert.

Im Anschluss saßen die Besucher gemütlich beisammen und feierten. Für das leibliche Wohl sorgten dabei das Team der Bar „Oude Marie“ und die Metzgerei Bellendorf, außerdem stellte die KFD Kaffee und ein Kuchenbuffet bereit. Mit einer Hüpfburg und Spielgeräten sorgten die Kindertagesstätten der Pfarrei für Spiel und Spaß bei den Kindern.

Pfarrei St. Agatha feiert den zehnten Geburtstag der Fusion mit besonderem Gottesdienst

Nach dem Gottesdienst saßen die Besucher noch gemütlich beieinander. © Kahla

„Viele Konflikte haben wir hinter uns gelassen, einige finden noch statt“, stellte Pastor Ulrich Franke fest. Gerade in den ersten Monaten und Jahren nach der Fusion habe die Zusammenlegung der leitenden Gemeindegremien zu Uneinigkeit geführt. Er gesteht auch ein, dass solch eine große Pfarrei den Basiskontakt zu den Menschen verschlechtere. Allerdings führe das Zusammenlegen verschiedener Gemeinde- und Glaubensgruppen die Gemeinden auch zusammen.

Es fände beispielsweise eine gemeindeübergreifende Jugendarbeit statt und auch gemeinsame Feste, wie die Pfingstfeier am vergangenen Sonntag, seien keine Seltenheit. Diese beschrieben die Besucher mit den Worten „gelungen“, „beeindruckend“ und „wunderschön“.

Viele der Gemeindemitglieder waren über den besonderen Rahmen des Gottesdienstes erfreut und darüber, dass die „Mutterkirche“ St. Agatha einen Schritt zurückgetreten und einen neutralen Ort für die Feier gewählt hatte. „Dieser außergewöhnliche Rahmen war wichtig, um zu zeigen, dass die Pfarrei nicht an einem Kirchturm klebt“, findet Evamaria Schäfer.

Probleme wurden nicht verschwiegen

Man war sich einig: In der St. Agatha-Kirche wäre die Veranstaltung nicht so feierlich und offen gewesen. Doch auch, wenn die vier Gemeinden es wieder geschafft haben, ein gemeinsames Fest auf die Beine zu stellen, gebe es seit der Fusion noch immer Dinge zu bemängeln, allem voran die Profanierung der St. Johannes-Kirche. Aber auch, dass die St. Nikolaus-Kirche nicht über einen eigenen Pastor verfügt und der gemeindeübergreifende Informationsaustausch fehlt, sind laut den Gemeindemitgliedern Probleme.

Viele kamen am Sonntag zu dem Schluss: Durch die Fusion ergab sich die Gelegenheit, über den Tellerrand hinaus zu blicken, aber es wird noch ein wenig dauern, bis man sich als eine gesamte Gemeinde verstehen wird.

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