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Missbrauchs-Prozess: Polizei ermittelte auch gegen eigene Kollegin

hzDorstener Tennislehrer

Der Missbrauchs-Prozess gegen einen Dorstener Tennislehrer wird immer skandalöser. Am Freitag ist bekannt geworden, dass auch gegen eine Polizistin ermittelt wurde.

Dorsten/Essen

, 18.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Beamtin aus Wuppertal soll mit dem Angeklagten intim gewesen sein - vor den Augen ihrer sechsjährigen Tochter. Dabei hätte gerade die Polizistin wissen müssen, dass sexuelle Handlungen vor Kindern ebenfalls als Missbrauch gelten und genauso hart bestraft werden.

Der 39-jährige Tennislehrer hatte die Beamtin über ein Chat-Portal im Internet kennengelernt - genau wie unzählige andere Frauen. Einer seiner Einträge ist am Freitag im Prozess vor dem Essener Landgericht verlesen worden. Er lautete so: „Ich möchte Dich besitzen. Heute abend. Nur wir drei. FKK. Ein Traum. Mögt Ihr es im Bett?“

Chat-Nachricht war angeblich nur eine "Provokation"

Zu dem Treffen war es dann auch gekommen. Und die kleine Tochter war tatsächlich mit im Schlafzimmer. „Die Chat-Nachricht war eigentlich nur eine Provokation", sagte der Angeklagte den Richtern. „Aber die Tochter hat extrem Terror gemacht.“ Nur deshalb sei sie später im Schlafzimmer dabei gewesen.

Die Polizistin hatte bei ihrer eigenen polizeilichen Vernehmung durch einen Kollegen später ebenfalls bestätigt, was passiert ist. Die Befragung endete damals so: „Weißt Du denn nicht, dass das strafbar ist?“ Ihre Antwort: „Doch, das weiß ich.“ Das Mädchen selbst ist allerdings nicht angefasst worden.

Der Fall mit der Polizistin steht auch gar nicht in der Anklage, ist im Prozess aber trotzdem erörtert worden. Genauso wie der Missbrauch eines angeblich 15-jährigen Jungen aus Duisburg. Hier soll der Angeklagte die Mutter aufgefordert haben, auch ihren Sohn mit in die sexuellen Handlungen einzubeziehen. Was auch passiert sein soll.

„Ich habe das Bedürfnis, mir Frauen untertan zu machen und sie zu beherrschen“, sagte der Tennislehrer den Richtern. Und: „Ich habe schon länger bemerkt, dass irgendetwas bei mir nicht richtig läuft."

Sicherungsverwahrung wird geprüft

Vor Gericht wird nun sogar geprüft, ob es sich bei dem 39-Jährigen um einen Hangtäter handelt, vor dem die Allgemeinheit dauerhaft geschützt werden muss. Die Richter haben bereits signalisiert, dass auch die Anordnung der Sicherungsverwahrung in Betracht kommen kann.

In diesem Fall könnte der Angeklagte auch über die zu noch zu verhängende Haftstrafe hinaus eingesperrt bleiben - und zwar unbefristet. Ob es dazu kommen wird, ist allerdings noch völlig offen.

Der Tennislehrer selbst hat allerdings schon in der Haft damit begonnen, an sich zu arbeiten. Nach Angaben seines Verteidigers Siegmund Benecken wisse er natürlich, dass er eine Strafe bekommen werde. Er hoffe aber darauf, in eine sozialtherapeutische Anstalt verlegt zu werden, um an der möglicherweise vorhandenen Persönlichkeitsstörung zu arbeiten.

„Taten dürfen sich nie wiederholen“

„Für mich ist klar, dass die Dinge so tief in mir drin sind, dass sie behandelt werden müssen“, so der Tennislehrer. „Die Taten dürfen sich nie wiederholen.“ Deshalb werde er auch jede angebotene Hilfe annehmen. „Ich habe natürlich schon das Bestreben, mich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und ein regelkonformes Leben zu führen.“

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Frauen zum sexuellen Missbrauch ihrer oder anderer Kinder angestiftet zu haben - entweder direkt oder durch Handlungen im Beisein der Kindern. In der Anklage stehen acht Fälle. Der ganze Umfang möglicher Taten ist aber noch gar nicht ausermittelt. Die Staatsanwaltschaft denkt daher schon über eine zweite Anklage mit weiteren mutmaßlichen Fällen nach.

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