Ab 2026 haben auch in Dorsten die ersten Schüler einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. An vielen Schulen fehlen dazu jedoch die Räumlichkeiten - beispielsweise im Bereich der Mensa. (Symbolbild) © picture alliance / Franziska Kraufmann/dpa
Grundschulen

Rechtsanspruch auf Ganztag stellt die Stadt vor große Herausforderungen

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ist beschlossene Sache. Bis 2026 bleibt zwar noch Zeit, aber in Dorsten sehen sich Stadt und Träger vor schwierige Aufgaben gestellt.

Alle Dorstener Kinder, die 2026 eingeschult werden, haben einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Das haben jüngst Bundestag und Bundesrat beschlossen. Während viele Eltern sich freuen, hadern Dorstener Schulleiter, OGS-Träger und die Stadt selbst mit der Umsetzung.

„Der Offene Ganztag ist eine tolle Sache für sehr viele Kinder und auch für viele Eltern sehr wichtig. Mir persönlich fehlt jedoch die Fantasie, wie ein Rechtsanspruch umgesetzt werden soll“, sagt beispielsweise Dorothea Osemann, Schulleiterin der Wittenbrinkschule in Wulfen.

Dorothea Osemann ist Leiterin der Wulfener Wittenbrinkschule.
Dorothea Osemann ist Leiterin der Wulfener Wittenbrinkschule. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

Sie sieht vor allem bei den Räumlichkeiten ein großes Problem. Das sieht auch Ulrike Luther, Rektorin an der Augustaschule, ähnlich. „Aber es ist ja noch Zeit bis dahin und ich hoffe, dass die Kommune das jetzt zügig in die Hand nimmt“, sagt sie. Grundsätzlich steht sie dem Rechtsanspruch sehr positiv gegenüber, da er Eltern Sicherheit bietet und sie entlastet.

Ulrike Luther, Leiterin der Augustaschule Hervest © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Ähnlich äußert sich auch Sophia Schalthoff vom AWO-Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen, der als Träger einige Offene Ganztage in Dorsten betreut: „Wir begrüßen, dass künftig alle Kinder die gleichen Chancen auf die Bildungsangebote des Offenen Ganztags haben werden und durch den Rechtsanspruch die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie weiter verbessert wird.“

Ausbildung für Fachkräfte sollte jetzt schon beginnen

Die große Herausforderung werde dabei die qualitätsvolle Umsetzung sein. Neben passenden Räumlichkeiten müssten die nötigen Fachkräfte gefunden werden. „Es fehlen nicht nur Erzieher und Erzieherinnen, sondern auch Lehrkräfte, die diese ausbilden können“, erklärt Sophia Schalthoff. Hier müsse jetzt schon mit einer Ausbildung von Fachkräften begonnen werden, damit diese für das Schuljahr 2026/27 zur Verfügung stehen könnten.

Die Sorge um fehlendes Personal teilt auch die Stadt Dorsten. „Es ist derzeit schwierig, Personal für die OGS-Betreuung auf dem Arbeitsmarkt zu finden“, erklärt Sprecher Christoph Winkel. Die Ganztags-Auslastung an den Dorstener Grundschulen läge aktuell bei rund 40 Prozent – Tendenz in den vergangenen Jahren steigend.

Bauliche Erweiterungen als größte Herausforderung

Aktuell gehe die Stadt davon aus, dass die Auslastung weiter zunehmen werde. „Im Zusammenhang mit dem Rechtanspruch wird eine Auslastung von 70 bis 80 Prozent realistisch sein“, so Winkel. Zwar würden viele Förderprogramme von Bund und Land den Ganztagsausbau unterstützen, dennoch würden die notwendigen baulichen Erweiterungen die Stadt vor große Herausforderungen stellen.

Denkbar seien in Zukunft auch andere Betreuungsformen wie Früh- oder Übermittagsbetreuung. In einigen Fällen könnten auch benachbarte Räumlichkeiten genutzt oder Plätze in anderen Offenen Ganztagen angeboten werden. Die Umsetzung des Rechtanspruches brauche jedoch einiges an Vorlauf – „viele andere derzeit laufende Projekte, wie beispielsweise Kita-Neubauten, brauchen auch Zeit, sodass dieses Gut nur begrenzt zur Verfügung steht.“

Stadt begrüßt den Rechtsanspruch

Trotz aller Herausforderungen begrüßt die Stadt Dorsten aus schulpolitischer Sicht den Beschluss auf Rechtsanspruch. „Vielen Eltern hilft ein solcher Rechtsanspruch sicher, um die Herausforderungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit sich bringen, bewältigen zu können“, so Christoph Winkel. Er helfe Eltern zudem auch, den Übergang zwischen Kita und Schule verlässlicher zu planen.

Die Umsetzung ist Teil des aktuellen Schulentwicklungsplanung in Dorsten. Handlungsempfehlungen werden – so Winkel – voraussichtlich Anfang 2022 vorliegen. Gleichzeitig werde bei laufenden oder geplanten Sanierungsmaßnahmen an Grundschulen der Aspekt des Rechtsanspruchs bereits mit in den Fokus genommen.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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