Regal zeigt Alltagsdinge aus der Bergbauzeit

Einmaliges Museumsstück

Ein interaktives Regal? Was ist das denn? Sehen und bedienen kann man diesen neun Meter hohen kunstvollen Klotz mit bergbaugeschichtlichen Gegenständen jetzt in der ehemaligen Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold. Ein deutschlandweit einmaliges Erlebnis.

Dorsten

, 26.03.2017, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eröffnung des interaktiven Regals in der Maschinenhalle auf dem Zechengelände.

Eröffnung des interaktiven Regals in der Maschinenhalle auf dem Zechengelände.

Der kunstvolle Klotz enthält nämlich 35 Schauobjekte, alles Dinge des Alltags, die im Bergbau eine Rolle gespielt haben. Ein Industriedenkmal der besonderen Art, einzigartig in Deutschland. Es wurde am Sonntag seiner Bestimmung übergeben. Maßgebliche Drahtzieher dieses einmaligen Museumsstückes sind die Aktiven des Vereins für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte in Dorsten. Fünf Jahre lang haben die Ehrenamtler mit ihrem Vorsitzenden Gerd Schute tief geschürft, um ihre Idee eines einmaligen Kunststückes zu verwirklichen.

Bei der Eröffnung am Sonntag drückten sich die Redner reihenweise das Mikrofon in die Hand. Unter anderem dabei: Prof. Ulrich Borsdorf, ehemaliger Chef und Initiator des Ruhrmuseums auf Zeche Zollverein. Fürst Leopold, der Namensgeber der Zeche, sei Inhaber des Bergregals gewesen, des Verfügungsrechts für Bodenschätze. „Wenn er wüsste, was sich 110 Jahre nach seinem Tod alles auf diesem Zechengelände abgespielt hat, würde er sich wahrscheinlich im Grab umdrehen“, sagte Borsdorf augenzwinkernd. Vor allem, dass selbstbewusste Bürger und „nicht Untertanen“ sich ausdachten, ein Museum zu gründen, hätte wahrscheinlich an den Grundfesten adligen Selbstverständnisses gerüttelt.

"Datt hat watt"

„Doch, datt hat watt“, sagte Ulrich Borsdorf, auf herzerfrischend „ruhrische“ Weise vor rund 100 geladenen Gästen in der Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Fürst Leopold in Hervest. Jede Menge Lob fiel am Sonntagmorgen für den Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten ab. Er hat in fünf Jahren von der ersten Idee bis zur Umsetzung des „Kleinodes der Industriekultur“ maßgeblich Regie geführt. Gerd Schute, Vorsitzender des Vereins, nahm die Huldigungen mit Haltung entgegen: „Da kriegt man ja ganz rote Ohren“, meinte er.

Für die Ohren der Zuhörer erklang zunächst aber glasklar und vor der imposanten Kulisse im Maschinenraum der Sopran von Irmke von Schlichting. Sie stimmte das Publikum mit Opernarien ein. „Ich freue mich, eines der schönsten Lieder, die jemals für eine Sopranistin komponiert worden sind, vortragen zu dürfen“, sagte von Schlichting, bevor sie „In mir klingt ein Lied“ von Frédéric Chopin mit schmelzender Stimme vortrug." Die Aschegeister", drei Kunstschaffende, priesen das Industriedenkmal in der Maschinenhalle mit lyrischen Worten, einer Geräuschkulisse aus dem Bergwerk und Tönen aus dem Altsaxofon: Michael Bereckis, Richard Ortmann und Thorsten Trelenberg machten sich darum verdient und inszenierten ihr "vertontes Regal". 

Die „kritische, aufklärerische, wissensbasierte Erinnerung“ in Form des interaktiven Regals dürfte weit über Dorsten hinaus Beachtung finden – ab sofort ist die Dauerausstellung zur Besichtigung frei. 

Maschinenhalle Fürst Leopold, Fürst-Leopold-Platz 4, 46284 Dorsten, Öffnungszeiten: Die Maschinenhalle ist im Saisonbetrieb von “Ostern bis Oktober” an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Jeweils um 14 Uhr startet an den Torhäusern der ehemaligen Zeche eine offene Führung und endet um 15 Uhr mit der Vorführung des Reibradantriebs in der Maschinenhalle. Weitere Öffnungszeiten während der Ausstellungen: freitags von 18 bis 21 Uhr, samstags von 15 bis 18 Uhr.  Führungen und Öffnungen zu individuell vereinbarten Zeiten, Telefon: (02362)  99 72 177,  Email: 
 

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