Rudolf Hoffmann wacht auf dem Galgenberg über den Wald

hzFeuerwächter

Vom höchsten Arbeitsplatz in Dorsten hat Rudolf Hoffmann einen tollen Ausblick. Den braucht er als Feuerwächter auch. Vor allem in diesen Tagen.

Lembeck

, 26.07.2018, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

192 Treppenstufen und fünf Leitersprossen sind es bis zum Arbeitsplatz von Rudolf Hoffmann. Aufzug? Fehlanzeige! Gar nicht ohne, vor allem an heißen Tagen wie zuletzt. Oben angekommen, wird der 74-Jährige dafür mit einem prächtigen Ausblick belohnt. An guten Tagen reicht die Sicht bis zum Gasometer in Oberhausen. Und genau hinzugucken gehört zum Job: Als Wächter auf dem Feuerwachturm auf dem Galgenberg in Lembeck ist Rudolf Hoffmann oft der Erste, der Brände in dem weitläufigen Waldgebiet entdeckt. Dann ist schnelles Handeln gefragt.

Über eine Peilvorrichtung in seinem Wächterhäuschen und in Absprache mit zwei anderen Feuerwachtürmen in Oer-Erkenschwick (Farnberg) und in Haltern am See (Rennberg) kann Rudolf Hoffmann den Brand genau lokalisieren. Den Standpunkt übermittelt er dann der Leitstelle, die alles Weitere veranlasst. „Alles kurze Wege“, sagt Hoffmann. „Nicht wie vor zehn Jahren, als man sich die Koordinaten noch mühsam zusammensuchen musste.“ Erst vor ein paar Tagen habe zwischen Oer-Erkenschwick und Recklinghausen eine rund 10.000 Quadratmeter große Erntefläche gebrannt. Von der Erstmeldung bis zum gelöschten Brand verging kaum eine Stunde.

Rudolf Hoffmann wacht auf dem Galgenberg über den Wald

Nach Absprache mit den Wächtern auf zwei weiteren Türmen in der Region kann Rudolf Hoffmann über eine Peilvorrichtung Brände genau lokalisieren. © Robert Wojtasik

Rudolf Hoffmann gefällt es, „als kleines Rädchen dazu beitragen zu können, unsere wertvollen Grünflächen zu schützen“. Der Rentner macht seinen Job sehr gewissenhaft, erwähnt im Gespräch, dass er jetzt eigentlich kurz seine Fernglas-Runde machen müsse. „Jede Viertelstunde sollte man sich orientieren“, sagt der Marler. Wichtig sei auch der regelmäßige Austausch mit den Kollegen auf den anderen Türmen.

„Für mich ist das eine eigenartige Erfahrung“

Einsam fühlt Rudolf Hoffmann sich da oben in 40 Metern Höhe nicht. Die Ruhe sei „wunderschön“, sagt er. „Für mich ist das eine ganz eigenartige Erfahrung, mir wird immer nachgesagt, dass ich eigentlich eher ein Hektiker sei.“

Rudolf Hoffmann wacht auf dem Galgenberg über den Wald

Ausblick vom Feuerwachturm auf dem Galgenberg in Dorsten-Lembeck. © Robert Wojtasik

Die Feuerwächter sind beim Regionalverband Ruhr (RVR) angestellt, der die Türme betreibt. Saison ist für sie immer von April bis Oktober. Rudolf Hoffmann ist seit diesem Jahr dabei. Über einige Umwege und einen Bekannten bei der Marler Flüchtlingshilfe sei er an den Job gekommen. „Die Rente ist jetzt auch nicht so üppig“, sagt der frühere Innenarchitekt. „Die paar Euro verschmäht man dann nicht.“

Und in der Natur habe er sich ohnehin schon immer gerne aufgehalten. Mit Freude beobachtet er eine positive Entwicklung: „Ein paar Unverbesserliche gibt es immer, die im Wald grillen oder hier ihre Zigaretten hinschmeißen. Aber insgesamt achten die Leute heute viel mehr auf die Natur.“

Im Kreis gilt die höchste Brandwarnstufe
  • Mit der Hitzewelle steigt die Gefahr für Brände auf Flächen, trockenen Grasflächen und im Wald. Für den 26. Juli hatte der Deutsche Wetterdienst im Kreis Recklinghausen die höchste Warnstufe ausgerufen, wie der Kreis mitteilte.
  • Allein in den vergangenen zwei Tagen bekämpfte die Feuerwehr acht Flächenbrände im Kreisgebiet. Regionalforstamt und Feuerwehr weisen auf die besonderen Gefahren von Rauchen und offenem Feuer im Bereich von Wiesen, Stoppelfeldern und im Wald hin.
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