Säuglingstod: Eltern unter Tatverdacht

DORSTEN „Todesursache ist ein Schütteltrauma!“ Mit diesem Obduktionsbefund bestätigte die Polizei Freitag, dass jetzt auch in Dorsten nach dem Tod eines Säuglings gegen die Eltern ermittelt wird.

von Von Klaus-Dieter Krause

, 18.01.2008, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Mittwoch hatte der Vater den Notarzt angerufen, weil das am Neujahrstag geborene Kind nach seiner Aussage unter Krämpfen litt. Der Notarzt diagnostizierte Lebensgefahr und sorgte für die unverzügliche Einlieferung in die Dattelner Kinderklinik. Dort ergaben sich erste Hinweise auf Kindesmisshandlung.

Alle Reanimations-Maßnahmen der Ärzte blieben erfolglos. Am Donnerstag starb der Säugling, nachdem zuvor bereits der Hirntod festgestellt worden war. Wegen des dringenden Verdachtes eines Tötungsdeliktes wurde die Obduktion verfügt und am Freitagmorgen im Institut für Rechtsmedizin der Uni Essen vorgenommen. Ergebnis: Das Kind starb an den Folgen eines Schütteltraumas.

Eltern bestreiten Gewalt

Weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen stehen zwar noch aus, aber weil der Tod offensichtlich durch massive Gewalteinwirkung verursacht wurde, stehen nun die Eltern des Kindes unter Tatverdacht. Staatsanwaltschaft Essen und die Recklinghäuser Mordkommission haben die Ermittlungen gegen die 28-jährige Mutter und ihren 25-Lebensgefährten aufgenommen. Bei den ersten Vernehmungen bestritten die beiden jegliche Gewaltanwendung. Das Paar, das zwei weitere Kinder im Alter von drei und fünf Jahren hat, ist für die Polizei bisher ein unbeschriebenes Blatt.

Lediglich das Jugendamt sah vor einem Dreivierteljahr in der Hervester Wohnung  nach dem rechten, weil es einen anonymen Hinweis auf unsaubere Zustände und Drogenkonsum gegeben hatte. Anhaltspunkte dafür ergaben sich nicht. Allerdings war die Wohnung tatsächlich stark verschmutzt. Weil aber die Kinder gut versorgt und fröhlich waren, beließ es das Jugendamt bei mahnenden Appellen.

Positives Bild

Weitere Kontrollbesuche und Nachfragen beim Kindergarten ergaben in der Folgezeit ein positives Bild. Die Eltern, auch die Großmutter, kümmerten sich gut um die beiden Kinder, vor allem der Mutter wurde ein liebevoller Umgang attestiert.

Das galt auch für den jüngsten Spross. Stolz präsentierten die Eltern noch am letzten Dienstag ihren Neugeborenen im Kindergarten. Zwei Tage später war Justin tot. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht für seine Geschwister hat das Amtsgericht dem Jugendamt übertragen. Zumindest bis zum Abschluss der Ermittlungen werden sie in der Obhut einer Pflegefamilie bleiben.

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