„Schämt Euch nicht und kommt vorbei“ - Dorstener Tafel möchte mehr Rentnern helfen

hzDorstener Tafel

Die Dorstener Tafel hilft vielen Menschen, die nur wenig haben. Doch trotz der um sich greifenden Altersarmut kommen nur wenige Rentner zur Tafel. Das soll sich ändern.

Wulfen-Barkenberg

, 14.10.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 16 Jahren gibt es die Dorstener Tafel bereits und genau so lange ist Hedwig Schnatmann (82) schon mit dabei. Sie ist Mit-Gründerin der ehrenamtlichen Hilfsstelle in Wulfen-Barkenberg und leitet sie noch immer.

„Zwischen 800 und 1000 Personen kommen regelmäßig zu uns, davon sind ungefähr 200 Familien“, sagt die 82-Jährige. Größtenteils kämen Hartz IV-Empfänger und Flüchtlinge, weil sie mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln nicht auskommen.

„Schämt Euch nicht und kommt vorbei“ - Dorstener Tafel möchte mehr Rentnern helfen

So gut sieht das frische Obst- und Gemüse-Angebot der Dorstener Tafel aus. © Laura Schulz-Gahmen

Rentner kämen nur wenige vorbei, „das sind höchstens 40“. Dabei wünscht sich Hedwig Schnatmann, dass wesentlich mehr ältere Menschen sich trauen, vorbei zu kommen. „Gerade in Zeiten der Altersarmut ist es wichtig, dass sie wissen, dass es Hilfe gibt.“

Wünsche der Rentner

Sabine Cremer von der Dorstener Caritas sagt zur Altersarmut in Dorsten: „Im Allgemeinen würde ich sagen, ist der Stand noch immer ähnlich wie im Jahr 2017“. Die Bevölkerungsanzahl gehe zurück, aber die Zahl der Menschen in Dorsten, die über 65 Jahre alt sind, würde steigen. Oft seien von der Altersarmut Witwen betroffen. Eine Befragung hätte ergeben, dass ältere Dorstener zufrieden mit der Infrastruktur und dem Ärzteangebot sind. Allerdings wünschen sie sich mehr soziale Kontakte und Freizeitangebote. Letztere seien laut Sabine Cremer vorhanden, nur unzureichend an die Rentner kommuniziert.

Dorsten-Pass wichtig, aber kein Muss

Soziale Kontakte würden ältere Mitmenschen auch bei der Tafel finden, findet Hedwig Schnatmann. Doch wer darf überhaupt bei der Tafel „einkaufen“? Da gibt es eine klare Regel: Jeder, der einen Dorsten-Pass hat. Mit diesem kann man sich dann bei der Ausgabestelle an der Dimker Allee 20 in Wulfen-Barkenberg anmelden. Kinder ab drei Jahren bekommen einen gelben Pass, Erwachsene einen blauen. Ausweise und Namenslisten werden jedes halbe Jahr überprüft und aktualisiert. Allerdings sollen sich Rentner, die keinen Pass bekommen haben, weil sie minimal zu viel Geld bekommen, dennoch trauen, vorbei zu kommen. „Sie bekommen trotzdem eine Kundenkarte von uns. Dafür müssen sie nur den Rentenbescheid mitbringen“, erklärt die Mit-Gründerin der Dorstener Tafel.

„Schämt Euch nicht und kommt vorbei“ - Dorstener Tafel möchte mehr Rentnern helfen

Knackige Tomaten gibt es auch. © Laura Schulz-Gahmen

Nach dem Einkauf bekommen die Kunden dann eine Nummer und eine Uhrzeit für die kommende Woche. Immer dienstags und freitags von 15 bis 17.30 Uhr werden Lebensmittel ausgegeben. Dann nimmt eine Verkäuferin die Gäste an die Hand und geht mit ihnen durch den Laden.

Familien haben Vorrecht

Ganz wichtig ist Hedwig Schnatmann: „Hier herrscht schon aus Hygiene-Gründen das Prinzip ‚No Touch‘, also nicht anfassen.“ Denn wenn jeder das Obst „antatsche“, dann sehe das bald nicht mehr schön aus. Alles mitgenommen werden darf übrigens nicht. Auf manche Produkte haben Familien das Vorrecht. „Wenn es fünf Flaschen Öl gibt, dann geht keine Flasche an Einzelpersonen“, klärt die Ehrenamtliche auf.

„Schämt Euch nicht und kommt vorbei“ - Dorstener Tafel möchte mehr Rentnern helfen

Auch frische Blumen kann man bei der Tafel mitnehmen. © Laura Schulz-Gahmen

Das Sortiment wechsele permanent, denn es kommt immer darauf an, was die Supermärkte und Discounter bringen. In der Ausgabestelle der Tafel kosten die Lebensmittel dann nur noch zehn Prozent vom ursprünglichen Preis im Lebensmitteleinzelhandel. Alles, was dann noch an Waren übrig bleibt, gehe an die Foodsaver.

„Schämt Euch nicht und kommt vorbei“ - Dorstener Tafel möchte mehr Rentnern helfen

Sogar frische Feigen sind günstig abzugeben. © Laura Schulz-Gahmen

Dem 39-köpfigen Team um Hedwig Schnatmann herum ist es wichtig, dass Rentner sich nicht schämen, vorbei zu kommen. „Niemand braucht sich zu schämen, denn belächelt wird hier keiner. Das Personal macht das gerne und niemand verdient etwas daran“, sagt die Wulfenerin. „Also schämt Euch nicht und kommt vorbei.“

Die Dorstener Tafel an der Dimker Allee 20 ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag von 15 bis 17.30 Uhr, Freitag von 15 bis 17.30 Uhr. Kontakt: Tel. (02369) 203623, www.dorstener-tafel.de
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