Schmerzhafter Teppichsturz im Baustellenbereich war kein Einzelfall

hzFußgängerzone

3000 Euro Schmerzensgeld erhielt eine Frau, weil sie im „Laufteppich“-Bereich der Innenstadt-Baustelle gestolpert und schwer gestürzt war. Eine 78-Jährige schildert einen ähnlichen Unfall.

Dorsten

, 09.04.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Unfall einer Frau aus Dorsten, die im Februar 2019 im Baustellenbereich der Dorstener Fußgängerzone in der Lippestraße auf einem der damals dort entlang der Fassaden über dem Schotter ausgelegten blauen „Laufteppiche“ gestürzt war und sich dabei schwer an der Schulter verletzt hatte, ist kein Einzelfall.

Es habe einige wenige weitere „Stolperfälle“ gegeben, die allerdings nicht weiter aktenkundig sein, erklärt die Pressestelle der Stadt auf Anfrage: „Die Stadt hat hier jeweils zwischen den Betroffenen und der Baufirma vermittelt, um im Einzelfall gute Lösungen zu finden“, heißt es weiter.

Im Juni schwer gestürzt

Allerdings gibt es offensichtlich ein weiteres noch schwebendes Verfahren. Nach der Veröffentlichung meldete sich nämlich eine 78-jährige Dorstenerin bei unserer Zeitung. Sie schilderte, dass sie im Juni 2019 nahe des alten Woolworth-Hauses über eine Teppichfalte vor Augenzeugen stürzte und ebenfalls schwere Schulterschäden erlitt, die eine Operation erforderten.

Noch heute habe sie mit den schmerzhaften Folgen zu kämpfen. Sie lasse sich von einem Anwaltskanzlei aus Marl vertreten, erklärte sie. „Die gegnerische Versicherung will trotz wiederholter Aufforderung nicht zahlen“, Ihr Anwalt erklärte gegenüber unserer Zeitung, er habe vor Gericht Klage erhoben.

Auch bei dem Sturz-Opfer vom Februar wollte die Versicherung der Baufirma zunächst nichts zahlen. „Inzwischen hat meine Mandantin 3000 Euro Schmerzensgeld erhalten, das Urteil ist rechtskräftig“, erklärte ihr Rechtsanwalt Bernd Schwane. Auch über die Kostenfrage sei Einigung erzielt worden.

Nach seinen Angaben trifft die Pressemitteilung seitens der Stadt nicht vollends den Punkt. Das Amtsgericht habe nicht nur gerügt, dass „die Teppiche eine Sicherheit suggerierten, die nicht gewährleistet werden könne“. In dem Urteil werde auch darauf hingewiesen, dass sich ein scharfkantiger Stein durch das Vlies gebohrt habe.

Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen

Zudem sei die Baufirma nicht genügend der ihr von der Stadt übertragenen Verkehrssicherungspflicht nachgekommen, weil sie an Wochenenden nicht kontrolliert habe, so Schwane. Seine Mandantin war an einem Wochenende gestürzt.

Nach dem Richterspruch hatte die Baufirma die Teppiche entfernt, bei dem aktuellen Bauabschnitt in der Recklinghäuser Straße liegt das Schotterbett, das die Passanten entlang der dortigen Fassaden der derzeit fast komplett geschlossenen Geschäfte nutzen können, offen dar. „Gegebenenfalls müssen alternative Maßnahmen ergriffen werden“, so die Stadt.

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