Meist sind es die Mütter, die die Folgen des Distanzunterrichts ausbaden müssen. Unser Symbolbild zeigt eine Lehrerin mit ihren Kindern bei der Heimarbeit. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Schon wieder Distanzunterricht: Eltern von Schulkindern schäumen

Einmal mehr sind in Dorsten Eltern gezwungen, nach den Osterferien zu improvisieren. Das Schulministerium hat am Donnerstag gesagt, wie es weitergehen soll. Eltern sind außer sich.

Die Art und Weise, wie das Schulministerium NRW Maßnahmen in der Pandemiezeit kommuniziert, hat Eltern landauf, landab auf die Palme gebracht.

Die neueste Info von Donnerstag, dass Grundschulkinder ab Montag (12.4.) wieder Distanzunterricht haben, bringt Dorstener Väter und Mütter aus der Fassung: „Das ist zum wiederholten Male so, dass wir Eltern kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt werden und sehen müssen, wie wir die Betreuung unserer Kinder von jetzt auf gleich sicherstellen“, sagt uns ein Vater. Er möchte namentlich nicht genannt werden.

Klassischer Fall: beide Eltern eines Grundschulkindes sind berufstätig

Beide Elternteile dieser Familie sind berufstätig. Vater und Mutter haben in den letzten 14 Monaten versucht, ihren Arbeitgebern gerecht zu werden und gleichzeitig ihren Erstklässler zu unterrichten. Denn das siebenjährige Kind hat von seiner Schulzeit bislang wenig gehabt. Ab und an mal ein bisschen Wechselunterricht zwischen den Lockdowns. Ansonsten war das Kind zuhause.

„Die Verantwortlichen im Ministerium haben jetzt 14 Tage Zeit gehabt, zu entscheiden, wie es nach den Osterferien weitergehen soll“, sagt uns der Dorstener Vater. Das sei genug Zeit gewesen, um zu planen. Stattdessen die Information am Donnerstag über den Distanzunterricht: „Wahrscheinlich haben die Damen und Herren in Düsseldorf keine Kinder. Oder Nannys, die sich rund um die Uhr um den Nachwuchs kümmern“, sagt der Dorstener ironisch.

Die Mutter muss in den sauren Apfel beißen

Im Fall seiner Familie müsse seine Frau in den sauren Apfel beißen und zuhause bleiben. Wie die jeweiligen Arbeitgeber mit dem Hin und Her ihrer Mitarbeiter umgehen? „Bis jetzt sehr gut. Wir bauen Überstunden ab bzw. haben Zeitkonten. Was jetzt für die Kinderbetreuung in Anspruch genommen wird, muss später nachgearbeitet werden.“

Bei alleinerziehenden Elternteilen spitzt sich die Situation indes weiter zu. Beim ersten „Elterngipfel“ der Stadt Dorsten im März sagte uns eine alleinerziehende berufstätige Mutter, dass es von keiner Seite konkrete Lösungsvorschläge für Probleme von Eltern und Kindern in Lockdown-Zeiten gebe. Sie vermisst zudem Unterstützung für Eltern, Kindern und Schulen.

Grenzen der Belastung sind überschritten

Eine Pädagogin, Mutter von drei Schul- und Kindergartenkindern, sah beim „Elterngipfel“ ebenfalls die Grenzen der Belastung überschritten.

Eine andere kommentiert auf Facebook ätzend: „Die Gründe für die verordneten Maßnahmen liegen darin, dass Kinder und deren Bildung in Deutschland nichts wert sind“. Es gibt aber durchaus auch Stimmen, die den Distanzunterricht für richtig halten: „Endlich mal eine vernünftige Entscheidung“, kommentiert eine andere Mutter aus Dorsten.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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