Schüler tragen Masken im Schulbus, aber die Enge macht ihnen Angst

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„Wir stehen Haut an Haut, dicht gedrängt, schwitzend im Schulbus.“ Trotz Maskenpflicht machen Wulfener Gesamtschüler sich Sorgen um ihre Gesundheit. Sie wünschen sich mehr Busse.

Wulfen

, 20.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von den 1335 Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Wulfen kommen fast 900 mit dem Bus. Obwohl derzeit viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und eine Menge Mädchen und Jungen zum Fahrrad greifen, herrscht in den Schulbussen oftmals drangvolle Enge.

Viele Schüler haben dabei kein gutes Gefühl. „Wir als Schüler tragen, egal bei welchen Wetterverhältnissen, bis zu sieben Stunden am Tag eine Maske und befolgen auch sonst etliche Vorschriften, für die wir Verständnis haben sollen“, berichtet eine Schülerin. „Im krassen Gegensatz dazu steht der Hin- und Rückweg zur Schule. Hier stehen wir Haut an Haut, dicht gedrängt, schwitzend im Bus. Anscheinend kann irgendwie keiner dafür sorgen, dass mehr Busse eingesetzt werden, um die ganze Situation in diesen Zeiten zu entzerren“, klagt die Schülerin.

Kontingent an Bussen und Fahrern sind voll ausgeschöpft

Sie hat wohl recht, tatsächlich ist es nicht möglich, mehr Busse fahren zu lassen. Schulleiter Hermann Twittenhoff hat‘s versucht und wie viele andere Kollegen erfahren, dass die Verkehrsbetriebe ihre Kapazitäten voll ausgeschöpft haben. Das bestätigt Jan Große-Geldermann, einer der Sprecher der Vestischen: „Wir haben alles an Fahrern und Fahrzeugen auf der Straße, was wir haben.“ Und auch bei Fremdunternehmen sei nichts mehr zu holen.

Kein Gedrängel beim Einsteigen: Ein frommer Wunsch, denn irgendwie müssen ja alle reinkommen in den Bus.

Kein Gedrängel beim Einsteigen: Ein frommer Wunsch, denn irgendwie müssen ja alle reinkommen in den Bus. © Guido Bludau

Dennoch versuche das Verkehrsunternehmen, Spitzen abzufedern und sich schnell auf veränderte Situationen einzustellen. Allerdings brauche es bis zu zwei Wochen, Veränderungen an den Fahrplänen der Einsatzwagen vorzunehmen. Langfristige Planungen seien in der Coronakrise kaum möglich gewesen, schon gar nicht im Schulbereich, wo sich Veränderungen teilweise sehr kurzfristig ergeben hätten.

Stundenplan konnte erst nach dem 3. August erstellt werden

Davon weiß auch Hermann Twittenhoff ein Lied zu singen, der sich mit seinem ganzen Team nach Kräften bemüht, die Rädchen der verschiedenen Bereiche und ihrer jeweiligen Coronaregeln reibungslos miteinander zu verzahnen. Recht früh habe seine Schule zum Beispiel auf der Basis eines in den Ferien erstellten Stundenplanes der Vestischen den Schulbus-Bedarf gemeldet.

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Twittenhoff: „Dann kam der Erlass der Schulministerin am 3. August, und wir mussten bis zum Schulstart am 12. einen neuen Stundenplan bauen. Jetzt brauchen die Verkehrsunternehmen natürlich einen bisschen Zeit, um ihre Logistik den neuen Gegebenheiten anzupassen.“

Verkehrsunternehmen können Fahrpläne nicht ad hoc ändern

Jan Große-Geldermann bestätigt dieses Dilemma. „Wir haben im Mai 200 Schulen gefragt, was sie im neuen Schuljahr brauchen. Da konnte aber noch niemand wirklich sagen, wie es mit dem Unterricht nach den Ferien weitergehen würde.“

Der Corona-„Idealfall“ beschreiben die Verkehrsbetriebe auf diesem Plakat, morgens und mittags lässt sich so manche Regeln allerdings beim besten Willen nicht beherzigen.

Der Corona-„Idealfall“ beschreiben die Verkehrsbetriebe auf diesem Plakat, morgens und mittags lässt sich so manche Regeln allerdings beim besten Willen nicht beherzigen. © mobil.nrw

Diese Ungewissheit habe im Grunde bis zur Schulmail am 3. August angehalten.

In den vergangenen Wochen habe jede Schule ihre Unterrichtszeiten verständlicherweise teilweise sehr kurzfristig optimiert, um durch eine bessere Raumnutzung ideale Unterrichts- und Abstandsverhältnisse anbieten zu können. Große-Geldermann: „Diese Änderungen bewirken nun jedoch, dass abgestimmte Busfahrpläne nicht mehr greifen.“

Der Hoffnung der Schülerin auf mehr Busse versetzt auch der Unternehmenssprecher einen Dämpfer: „Wir verfügen über 233 Wagen und 750 Fahrer. Wir haben mal ausgerechnet, dass wir 1165 Wagen und somit 3750 Fahrer brauchen würden, wenn im Bus ein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden müsste.“ Weil das utopisch ist, gilt im Bus die Maskenpflicht.

Hermann Twittenhoff lobt die Disziplin seiner Schülerinnen und Schüler beim Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung - auch auf dem Schulweg. Das ungute Gefühl von Schülern und Eltern angesichts der vollen Busse kann er dennoch verstehen.

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