Schule in Dubai: An der Wärmebildkamera vorbei in die Klasse

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An der Wärmebildkamera vorbei gehen die Schüler von Ines Ehmanns, wenn sie in die Klasse wollen. Aber nicht alle - die Dorstener Lehrerin unterrichtet in Dubai nach einem „hybriden Konzept“.

Dorsten

, 11.10.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bereits im Mai 2020 hatten wir über die Dorstenerin geschrieben, die an der Deutschen Internationalen Schule Dubai (DISD) arbeitet, wo das Coronavirus noch stärker als hier den Schulbetrieb durcheinander wirbelte. Zuvor hatte Ines Ehmanns bis 2017 an der Wilhelm-Lehmbruck-Schule in Östrich unterrichtet und war, als ihrem Mann eine Arbeitsstelle in Dubai angeboten wurde, mit der vierköpfigen Familie vor drei Jahren in den 5000 Kilometer entfernten Wüstenstaat gezogen.

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Die Probleme in der Corona-Pandemie sind ähnlich. „Wir sind wieder bei etwa 1100 Infektionen täglich“, so Ines Ehmanns über die Vereinigten Arabischen Emirate (rund 10 Millionen Einwohner). „Wenn sich die Leute privat in größeren Gruppen ohne Abstand treffen, werden die Fälle garantiert wieder in die Höhe gehen.“

An der DISD ist Ines Ehmanns mittlerweile stellvertretende Grundschulleiterin. Ab März hatte sie nur per „Homeschooling“ unterrichtet - in „Zoom“-Konferenzen und mit selbst erstellten YouTube-Videos auf einem eigenen Kanal, der mittlerweile mehr als 61.000 Zugriffe verzeichnet.

Temperaturcheck im Eingangsbereich

Dem Vorstand an der Privatschule musste die Schulleitung ein Konzept vorlegen, wie der Start ins neue Schuljahr am 30. August mit den Schülern und Schülerinnen in den Klassen gelingen könne. In einem YouTube-Video wurden sie instruiert, wie sie das Schulgebäude betreten sollen. Zunächst erhalten sie einen Temperaturcheck per Wärmebildkamera, können sich danach die Hände desinfizieren und werden durch Aufkleber am Boden und Plakate im Gebäude auf die Abstandsregel aufmerksam gemacht.

Das Thema Abstand sei in jüngeren Klassen schwer zu vermitteln, gibt Ines Ehmanns zu. Auf dem Pausenhof habe man einige Spielgeräte sperren müssen. Und auch im Sport falle es den Kleinen schwer, auf Abstand zu achten. Die Kinder müssen in den Klassen durchgängig Masken tragen, außer beim Essen und Trinken. Die Tische wurden auf einen Abstand von 1,50 Metern gebracht.

Um Ansteckungen zu vermeiden, gibt es „Desinfektions-Teams“, die Tische desinfizieren bei einer Klassendurchmischung. Das ist aber nur in den Fächern Arabisch und Ethik/Islam so. Auch „Isolation Rooms“ wurden eingerichtet. „Wenn ein Kind Fieber hat, kommt die Schul-Krankenschwester in Vollschutz und führt das Kind zu dem Raum, wo es warten muss, bis es abgeholt wird“, sagt Ines Ehmanns. Dies wurde von der Schulbehörde KHDA so gefordert.

Trotz hohen Aufwands gab es auch an der DISD vier Corona-Fälle. Dann startet die Kontaktnachverfolgung, die etwa dafür sorgte, dass Kolleginnen zwei Wochen in Quarantäne mussten. Diese unterrichteten online von zu Hause aus, während die Kinder durch eine Assistenzlehrkraft betreut wurden. Kinder in Quarantäne erhielten Fernunterricht.

Die Schulbehörde verschaffte sich selbst ein Bild vom Unterrichtskonzept an der DISD, wo die Kinder gleichzeitig in der Klasse und zu Hause unterrichtet werden. Per Webcams und Smartboard können sich alle Kinder gleichzeitig sowie Lehrerin Ines Ehmanns sehen.

Die Schulbehörde verschaffte sich selbst ein Bild vom Unterrichtskonzept an der DISD, wo die Kinder gleichzeitig in der Klasse und zu Hause unterrichtet werden. Per Webcams und Smartboard können sich alle Kinder gleichzeitig sowie Lehrerin Ines Ehmanns sehen. © privat

Der Schulvorstand setzte auf einen vorsichtigen Schuljahresbeginn: „Vom Vorstand abgesegnet wurde, dass wir mit 50 Prozent der Schüler starten. Wir haben in den ersten zwei Wochen immer nur die Hälfte einer Klasse in den Klassenraum geholt. Die andere Hälfte hatte Hybrid-Unterricht von zu Hause aus. Die Kinder haben den Unterricht in den Hauptfächern über Zoom verfolgt“, sagt Ines Ehmanns. Mittlerweile werden fast alle Fächer, außer Sport und Kunst, online übertragen.

Wie funktioniert das? „Jeder Klassenraum ist mit einer Webcam ausgestattet. Die ist auf die Kinder ausgerichtet. Die Lehrer sind mit dem iPad eingeloggt, sodass die Kinder zu Hause die Lehrperson sehen können.“ Die Kinder in der Klasse sehen wiederum die Kinder, die zu Hause sind, auf dem Smartboard. Ines Ehmanns: „Am Anfang ein ganz komisches Gefühl, weil man sich immer ein bisschen beobachtet vorkommt.“ Kinder vor und „hinter“ sich zu haben, sei erst ungewohnt gewesen. „Mittlerweile ist es totale Routine und es funktioniert richtig gut.“

Rotierendes Prinzip

Ines Ehmanns: „Mittlerweile sind wir bei einer Auslastung von 16 Schülern pro Klasse, die täglich kommen dürfen.“ Bei einer Klassenstärke von 19 Kindern in Ines Ehmanns Klasse (2. Jahrgang) bleiben also drei zu Hause - nach rotierendem Prinzip. 90 bis 95 Prozent der Eltern hätten bei einer Abfrage dafür gestimmt, Kinder wieder in den Präsenzunterricht zu schicken. Es gebe auch Eltern, die zur Risiko-Gruppe gezählt würden, die ihre Kinder nur zu Hause unterrichten lassen. Die Eltern haben also die Wahl: Präsenz-oder Fernunterricht.

Derzeit geliefert werden iPads für Kinder der ersten und zweiten Klasse. Seit letztem Schuljahr wurden iPads ab Jahrgangsstufe 3 eingeführt. „Alle Schüler haben durch die Nutzung der iPads die gleichen Möglichkeiten, ob sie im Fernlernen oder im Präsenzunterricht sind“, sagt Ines Ehmanns. Lern-Apps wie „ANTON“ und „ALFONS“ kommen zum Einsatz. Über „Showbie“ könnten die Lehrer Unterrichtsmaterialien austauschen, Quizze erstellen und gezielt Rückmeldungen durch Sprach- und Textnachrichten geben. Ein Feedback der Lehrer an die Schüler ist möglich - auch umgekehrt.

Per Zoom-Konferenz hat Lehrerin Ines Ehmanns ihre damaligen Erstklässlern der Deutschen Internationalen Schule Dubai, als der Lockdown herrschte, unterrichtet. Sie hofft nun, dass sie möglichst bald wieder alle Kinder gleichzeitig in der Klasse begrüßen kann.

Per Zoom-Konferenz hat Lehrerin Ines Ehmanns ihre damaligen Erstklässlern der Deutschen Internationalen Schule Dubai, als der Lockdown herrschte, unterrichtet. Sie hofft nun, dass sie möglichst bald wieder alle Kinder gleichzeitig in der Klasse begrüßen kann. © Nico Ehmanns

Lernen die Kinder im Fernunterricht genau so viel wie in der Klasse? „Das kommt auf das Kind an“, sagt Ines Ehmanns, die hofft, bald alle 19 Kinder in der Klasse zu haben. „Ein Großteil ihrer Schüler arbeitet auch von zu Hause aus super motiviert, selbstständig und konzentriert mit. Einige wenige Kinder haben Schwierigkeiten, sich durchgängig zu konzentrieren - die driften dann ein bisschen ab. Ansonsten finde ich, klappt es total gut. Ein Mädchen hat mir gesagt, dass sie von zu Hause besser arbeiten kann.“

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