Seit 30 Jahren gibt es eine Brücke zwischen Dorsten und Baia Mare

hzRumänienhilfe der Malteser

Vor 30 Jahren organisierte und begleitete Ursula Ansorge den ersten Hilfstransport der Malteser ins rumänische Baia Mare. Dort wird immer noch Hilfe gebraucht, aber anders als damals.

Dorsten

, 31.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es waren diese herzzerreißenden Bilder aus rumänischen Kinderheimen, die nach dem Sturz des Diktators Ceaușescu Anfang 1990 viele Deutsche erschütterten. Unter ihnen auch die Dorstenerin Ursula Ansorge. „Die Bilder ließen mich nicht mehr los“, erinnert sie sich, „und ich wollte etwas tun.“ Da war sie schon seit drei Jahrzehnten Malteserin mit Leib und Seele und schon lange gewohnt, Missständen nicht einfach nur zuzuschauen und sie zu beklagen, sondern ihnen die Stirn zu bieten.

Erster Hilfstransport am 28. März 1990

Am 28. März 1990 begleitete Ursula Ansorge bereits den ersten Hilfstransport aus Dorsten mit 40 Tonnen gespendeten Hilfsgütern nach Rumänien - die Geburtsstunde der Rumänienhilfe der Dorstener Malteser. Das Jubiläum hätte mit den Freunden in Baia Mare im März gefeiert werden sollen - die Corona-Pandemie hat das Wiedersehen einstweilen verhindert, nicht aber die Erinnerungen an die Anfänge der Freundschaft.

Im Norden Rumäniens war die Not besonders groß

Dass es die Dorstener Malteser-Gruppe damals nach Baia Mare führte, war mehr oder weniger Zufall. Ursula Ansorge: „Man wusste, dass die Not im Norden besonders groß war. Als Zentrum der Buntmetallindustrie gab es eine Verbindung zum hiesigen Bergbau. So kamen wir in Kontakt mit der 140.000-Einwohner-Stadt.“

Baia Mare

Baia Mare liegt am Westrand der Ostkarpaten im Kreis Maramures. Es ist ungefähr 150 Kilometer von Klausenburg (heute Cluj-Napoca) entfernt, der inoffiziellen Hauptstadt der Region Siebenbürgen/Transsilvanien. Nicht wenige Menschen dort beherrschen die deutsche Sprache.

Medizinische Geräte aus Krankenhäusern und viele, viele Familienpakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln gingen mit auf die erste Reise. „2000 Kilometer über Österreich und Ungarn ins unbekannte Niemandsland, vier Geldbörsen mit vier Währungen und jede Menge Formulare.“ Fast scheint es, als würde Ursula Ansorge sich heute noch über ihren damaligen Mut wundern.

So sah es es aus, wenn Anfang der 1990er-Jahre ein Hilfstransport aus Deutschland in Baia Mare ankam.

So sah es es aus, wenn Anfang der 1990er-Jahre ein Hilfstransport aus Deutschland in Baia Mare ankam. © privat

Vor Ort nahmen die Helfer Kontakt zum Krankenhaus auf, der fließend Deutsch sprechende Direktor war zunächst ihr einziger Ansprechpartner. Mit seiner Hilfe wurden die Güter aus zwei Lastwagen und einem Begleitfahrzeug sinnvoll verteilt und jede Menge neue Kontakte hergestellt.

Seit zwölf Jahren gibt es keine Hilfstransporte mehr

Im Laufe der Jahre hat Ursula Ansorge rund 50 weitere Hilfstransporte organisiert und begleitet. 1991 schafften die Malteser das erste tragbare Beatmungsgerät fürs Krankenhaus in Baia Mare nach Osteuropa. Eine Laboreinrichtung und 1995 eine Dialysestation sollten neben ungezählten medizinischen Hilfsmitteln folgen. Heute braucht das Krankenhaus keine Hilfe mehr, es hat einen hohen Standard.

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Schon länger werden keine Hilfstransporte nach Rumänien mehr organisiert: Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente - die Rumänen können das im eigenen Land kaufen. Adrian Ansorge, der seit 1990 die Rumänienhilfe mitorganisiert und inzwischen dort den Job seiner fast 80-jährigen Mutter übernommen hat: „Wenn wir Geld spenden können, kann der Bedarf vor Ort gedeckt und sogar noch die heimische Wirtschaft unterstützt werden. Das macht mehr Sinn.“

In Baia Mare haben die Malteser ein gutes Netzwerk geschaffen

Manchmal macht auch ein Auto Sinn, und so fuhren Adrian und Ursula Ansorge im März 2019 mal wieder mit einem gestifteten VW-Bus der Malteser-Diözese Münster nach Baia Mare. Dort wurde die Delegation von den Maltesern Baia Mares freudig empfangen. Dass es in Rumänien inzwischen eine rührige Maltesergruppe gibt, bei derem Aufbau sie mithelfen konnte und die vor Ort viele humanitäre Projekte verwirklicht, um sozial Benachteiligten zu helfen, macht Ursula Ansorge besonders stolz.

2019 brachte Ursula Ansorge (r.) einen VW-Bus nach Baia Mare. Dort wurde die Spende von den Maltesern freudig angenommen.

2019 brachte Ursula Ansorge (r.) einen VW-Bus nach Baia Mare. Dort wurde die Spende von den Maltesern freudig angenommen. © privat

Gemeinsam mit den rumänischen Freunden hat sie zum Beispiel ein Projekt initiiert, damit arme Familien bei Bäckern täglich kostenlos Brot bekommen können, das die Malteser für sie bezahlen. Die Malteser betreiben in ihren eigenem Haus, das ebenfalls durch Spenden aus Deutschland ermöglicht wurde, eine Armen-Apotheke, machen mit großem Erfolg Kinder- und Jugendarbeit. verleihen und vermieten medizinische Hilfsmittel wie Rollatoren und Rollstühle. Zurzeit sammeln sie gebrauchte Computer für die Schulen.

Geburtstagsfeier soll 2021 nachgeholt werden

„Die Malteser vor Ort wissen viel besser als wir in der Ferne, wo welche Hilfe jeweils am nötigsten gebraucht wird. Und das machen sie ganz toll“, lobt Ursula Ansorge, die ihr „Baby“ bei Sohn Adrian und den Freunden in Baia Mare in guten Händen weiß und wild entschlossen ist, die Feier zum 30-Jährigen im nächsten Jahr nachzuholen.

Einmal kam die Hilfe nicht mehr rechtzeitig

So viel Freude und Anerkennung die Hilfe für Rumänien ihrem Leben auch gebracht hat, es habe auch verzweifelte Momente gegeben, erzählt Ursula Ansorge. Im Herbst 1991 wurde sie auf der Kinderstation des Krankenhauses auf ein Kind aufmerksam gemacht, das ohne Insulin dem Tode geweiht sei. „Als ich wieder zu Hause war, habe ich binnen kürzester Zeit bei Pharmafirmen Insulin im Wert von 50.000 Mark erbettelt“, erzählt Ursula Ansorge. „Das hat viele gerettet, aber für das eine Kind kam die Hilfe zu spät.“

Dass Hilfe nur selten zu spät nach Baia Mare gekommen ist, habe sie der Bereitschaft der vielen Spender und der Hilfen aus Dorsten zu verdanken, betont die rüstige Seniorin. Von den ehrenamtlichen Lkw-Fahrern bis zu den Zahnärzten, die mit dem Zahngold-Erlös das Leben vieler Dialyse-Patienten gerettet hätten - an kaum einem Dorstener wird die Rumänienhilfe in den vergangenen 30 Jahren unbemerkt vorbeigegangen sein.

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