Wegen Bauarbeiten: Seltene Pflanzen am Bahnhof in Dorsten umgesiedelt

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Bald wird der Bahnhofsbereich in Dorsten zur Großbaustelle. Weil sich am Gebäude sogar eine seltene Heilpflanze angesiedelt hat, startete nun eine Umzugsaktion der besonderen Art.

Dorsten

, 20.10.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der aufgelassenen ehemalige Gleis- und Schotterfläche entlang des Dorstener Bahnhofs vermögen Laien womöglich nur Gestrüpp und Unkraut zu erkennen. Doch für Hans Rommeswinkel ist die langgezogene Brachfläche ein spannendes Betätigungsfeld: „Der Boden ist hier noch nicht übersättigt, sondern nährstoffarm“, erklärt der Grünflächen-Abteilungsleiter im städtischen Planungsamt. „Hier wachsen viele der Blühpflanzen, die wir uns in unseren Breiten wünschen.“

Traditionelle Heilpflanze

Während einer Kartierung des Geländes hat Hans Rommeswinkel kürzlich eine überraschende Entdeckung gemacht. Nebenan, an der Fassade des Bahnhofsgebäudes, hat sich im Erdreich eine seltene Pflanze angesiedelt, die vom Aussterben bedroht ist und auf der „Roten Liste“ steht: das „Echte Herzgespann“, eine traditionelle Heilpflanze, mit langer Blütezeit und deshalb insektenfreundlich.

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Da der Dorstener Bahnhofbereich demnächst wegen des Umbaus zur Großbaustelle wird, war für Hans Rommeswinkel klar: Diese schützenswerten Pflanzen müssen umgesiedelt werden. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Mitte blüht auf“ des Stadtteilbüros „Wir machen Mitte“ und Mitarbeitern des „Dorsten-Treffs“ der Dorstener Arbeit ging es am Dienstag ans Werk, um die inzwischen verblühten Herzgespann-Exemplare umzusiedeln, mit Wurzel, Stiel und Stacheln.

Die Quartiershausmeister des Dorsten-Treffs sicherten die schützenswerten Pflanzen am Dorstener Bahnhof.

Die Quartiershausmeister des Dorsten-Treffs sicherten die schützenswerten Pflanzen am Dorstener Bahnhof. © Michael Klein

Die Gewächse werden künftig am Westwall nahe des Ehrenmals eine neue Heimat finden. Warum an der Stadtmauer? „Diese haben besondere Wuchsorte für Pflanzen“, erklärt Hans Rommeswinkel. Die sogenannte Mauerfugenvegetation besteht hier aus erhaltenswerten eigenen Pflanzenbestände wie auch aus Restbeständen. „An den Mauerfüßen gesellen sich oftmals typische Begleitpflanzenbestände, wie es auch das Herzgespann mit den anderen Pflanzen sein könnte.“

Als Musterfläche ausgewählt

Daher sei der der Standort am Westwall als kleine Musterfläche ausgewählt worden. Die Vegetation der Stadtmauer verfügt auch noch über Reste zu schützender Pflanzenarten. „Diese sollen in gesonderten Maßnahmen an den Standorten weiter gefördert werden“, so Rommeswinkel. Ein erstes Gutachten dazu wurde bereits erstellt.

Das Bild vom Bahnhof zeigt das Herzgespann (rosa Blüten) mit dem aus Südafrika „eingewanderten“ Schmalblättrigen Greiskraut (gelb), was bis in den Herbst hinein in Blüte steht.

Das Bild vom Bahnhof zeigt das Herzgespann (rosa Blüten) mit dem aus Südafrika „eingewanderten“ Schmalblättrigen Greiskraut (gelb), was bis in den Herbst hinein in Blüte steht. © Privat

„Da nicht klar ist, ob die Herzgespann-Pflanzen vom Bahnhof am neuen Standort überhaupt angehen, haben wir im Spätsommer zudem vorsorglich Samen von ihnen gesammelt“, so Hennig Lagemann vom Stadteilbüro „Wir machen Mitte“: „Und werden diese zeitgleich am Westwall aussäen.“

Weitere Pflanzen umgesiedelt

Doch das „Echte Herzgespann“ ist nicht die einzige Pflanzenart, die am Dienstag vom Bahnhof Richtung alter Stadtmauer umgesiedelt wurde. Auch ein Dutzend weiterer heimischer Pflanzen von der Lichtnelke über die Malve bis hin zur Flockenblume hatten hier Lebensraum gefunden.

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Verantwortlich dafür: Die Dorstener Künstlerin Brigitte Stüwe, die vor drei Jahren anlässlich eines Kunstprojektes am Dorstener Bahnhof Töpfe mit Pflanzen aufgestellt hatte. Weil diese immer zerstört wurden, hat sie damals Tütchen mit regionalem Saatgut dort ausgebracht - das bis heute jedes Jahr blüht.

Vorsicht bei „Samenbomben“

Regionales Saatgut: gut und schön. „Doch bei Samenbomben vom Großhändler sollte man vorsichtig sein“, betont Hans Rommeswinkel. Denn so manche Packung enthält Samen von Pflanzen, die die heimische Flora verdrängen. „Seit diesem Jahr ist es nicht mehr erlaubt, solche Mischungen im Freiland auszusäen.“

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