Sex-Vorwurf in Familie: Onkel soll Mädchen unsittlich berührt haben

hzGerichtsprozess

Ein Familien-Idyll zerbrach in Dorsten, als ein junges Mädchen ihrer Mutter erzählte, ihr Onkel habe sie zwei Jahre zuvor sexuell belästigt. Der Fall beschäftigt nun das Schöffengericht.

Dorsten

, 18.10.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange Zeit waren der 39-jährige Wulfener und seine Verlobte gern gesehene Gäste im Hause der Familie seines Cousins. Gemeinsam traf man sich zu Familienferien, zum Kartenspielen, zu Ausflügen mit den Kindern, zum Grillen im Garten. Doch im Frühjahr 2019 zerbrach die Familienidylle - denn der 39-Jährige sah sich schweren Vorwürfen ausgesetzt.

Die inzwischen 15-jährige Tochter seines Cousins hatte sich damals ihrer Mutter anvertraut und dieser erzählt, der Onkel habe sie zwei Jahre zuvor sexuell belästigt. Am Mittwoch begann vor dem Dorstener Schöffengericht der Prozess gegen den Mann.

Der erste Vorfall soll laut Anklageschrift im Sommer 2017 anlässlich einer Grillfeier passiert sein. Weil sein Cousin keinen Grillanzünder mehr hatte, kündigte der 39-Jährige an, aus seiner Wohnung welchen zu besorgen. Der Vater des Mädchens bat seine Tochter, seinen Cousin zu begleiten.

„Fühle mich mitschuldig“

„Im Nachhinein fühle ich mitschuldig an dem, was da passiert ist“, so der Vater im Gerichtssaal. „Aber so etwas hätte ich vorher nie von meinem Cousin gedacht.“ Die Tochter erzählte nämlich zwei Jahre später, ihr Onkel habe sie in seiner Wohnung gegen einen Türrahmen gedrückt, ihr mit seinen Händen in den Po gekniffen, seinen Unterleib an sie gedrückt und dabei gesagt, dass er gern „sein Ding“ in sie „reintun würde“, das aber „zu gefährlich“ sei.

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Einige Wochen später musste das Mädchen mit ihren zwei kleinen Brüdern beim Onkel übernachten, weil ihre Eltern eine Woche lang zu einem Türkei-Urlaub aufgebrochen waren. Auch in dieser Zeit soll ihr der Angeklagte mehrfach ans Gesäß gefasst haben. „Ich war total überfordert mit der Situation und hatte Angst, dass man mir nicht glaubt oder etwas Schlimmes passiert“, erklärte sie, warum sie sich erst zwei Jahre später zunächst einer Freundin und dann ihren Eltern offenbart hat.

„Verlobte war dabei“

Ihr Onkel wies die Vorwürfe von sich. Das Mädchen habe sich zuvor schon von sich aus auf seinen Schoß setzen wollen, sagte er aus. Er glaube, die Jugendliche wolle sich mit ihrer Aussage „wichtig machen“. Bei der Grillanzünder-Geschichte sei seine Verlobte die ganze Zeit dabei gewesen, sie könne bezeugen, „dass nichts passiert sei“. Auch während der Übernachtungswoche habe er sich nicht an dem Mädchen vergriffen.

Die 15-Jährige konnte kaum glauben, was ihr Verwandter aussagte. „Seine Verlobte war nicht dabei, ich war mit ihm die ganze Zeit alleine“, sagte sie. Nun soll die Frau neben weiteren Zeugen beim Fortsetzungstermin Anfang November angehört werden.

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