Simon Rodriguez Garcia: Die Rampensau in der „extremen Mitte“

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Simon Rodriguez Garcia meint es ernst. Er tritt als Bürgermeisterkandidat der Satire-Partei „Die PARTEI“ bei der Kommunalwahl an. Aber wer ist der Mann, der sich als „Rampensau“ bezeichnet?

Dorsten

, 21.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Großmutter wird den ganzen Zorn ihres Enkels zu spüren bekommen. „Sie war strikt dagegen, dass ich als Bürgermeisterkandidat antrete“, sagt Simon Rodriguez Garcia mit einem Schmunzeln. „Zur Strafe werde ich ihr das erste Plakat mit meinem Gesicht direkt vors Wohnzimmerfenster hängen.“

Die Großmutter wohnt gleich nebenan, im Elternhaus von Simon Rodriguez Garcia. Eine Haustür weiter an der Mittelstraße in Holsterhausen lebt sein Bruder mit seiner Familie. „Das hat sich halt so ergeben“, sagt der Spitzenkandidat von Die PARTEI.


Ihr Nachname kommt manch einem wahrscheinlich spanisch vor?

Ja, das stimmt. Mein Vater ist mit zehn Jahren aus Spanien nach Dorsten gekommen. Mittlerweile haben wir die nächste Gastarbeiter-Generation aufgemacht, meine Cousine wohnt seit sieben Jahren hier.

Ist Ihr Vater ein Vorbild für Sie?

Ja. Er kam ohne schulische Vorkenntnisse und hat es geschafft, sich eine Lebensgrundlage zu erarbeiten und hat uns auch alles möglich gemacht. Ohne seine Unterstützung hätten wir das alles nicht hinbekommen.

Simon Rodriguez Garcia ist in Dorsten geboren und aufgewachsen, hat das Gymnasium Petrinum besucht und Sonderpädagogik studiert. Von 2008 bis 2016 war er beim LWL-Jugendhilfezentrum in Marl, erst in der ambulanten und dann in der stationären Jugendhilfe. Er hat eine Wohngruppe für traumatisierte Grundschüler in Gladbeck betreut, „und dann hat es mich irgendwie in den Schuldienst verschlagen“.

Vertretungslehrer und Kung-Fu-Panda

Zurzeit ist der 36-Jährige Vertretungslehrer an der Von-Ketteler-Förderschule und hat bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie ein Sozialkompetenz-Training an der Pestalozzischule geleitet. In Marl betreibt er eine Fachschule für Selbstverteidigung und Selbstbehauptung. „Ich bin der Kung-Fu-Panda“, sagt er selbstironisch.

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Drei Fragen an Simon Rodriguez Garcia

Der Werdegang hat sich schon in der Jugend abgezeichnet. Mit seinen Freunden ist er immer von Holsterhausen zum Jugendprojekt Bahnwaggon nach Hervest gefahren. „Später habe ich dort jahrelang mitgearbeitet und gedacht: Das ist genau das, was du machen möchtest.“

Selbst hat Simon Rodriguez Garcia keine Kinder und damit „ganz hervorragende Voraussetzungen, um auch noch ein bisschen Politik zu machen“.

Sie haben eine SPD-Vergangenheit. Wie kam es zum Bruch?

In der Tiefe meines Herzens bin ich glühender Sozialdemokrat und habe mit meinen Juso-Freunden früher viel auf die Beine gestellt. Aber die Art und Weise, wie man im Ortsverein Holsterhausen damals miteinander umgegangen ist, hat mir gar nicht gefallen. In Hervest war es auch nicht viel besser, sodass ich 2009 die Segel gestrichen habe. Wenn sich die politische Arbeit auf den Tanztee bei Adolf beschränkt, muss ich als junger Mensch nicht involviert sein.

Was gab den Anlass, sich erneut politisch zu engagieren?

Es war ja plötzlich möglich geworden, dass sich Leute mit Plakaten in Dorsten positionieren konnten, sie seien die einzige demokratische Alternative zu Tobias Stockhoff. Das war für uns alle nicht zu ertragen.

Nach dem Rückzug von Jennifer Schug (SPD) schien es einige Tage auf einen Zweikampf ums Bürgermeisteramt zwischen Tobias Stockhoff (CDU) und Marco Bühne hinauszulaufen. Dann folgten die Aufstellungsversammlung der PARTEI und die Entscheidung, „den übergewichtigen Sprecher“ als Bürgermeisterkandidaten aufzustellen. „Ich bin eine Rampensau“, sagt Simon Rodriguez Garcia, räumt aber ein, dass er „keine Ahnung hatte, welcher bürokratische Aufwand dahintersteckt“.

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Und er ahnte nicht, dass auch die Grünen noch einen Mitbewerber aufstellen würden. Das hat seine Chancen, der Bürgermeister-Kandidat mit den zweitmeisten Stimmen in Dorsten zu werden, deutlich reduziert. Aber eigentlich sind die Ziele ja auch ganz andere: eine möglichst hohe Wahlbeteiligung nämlich. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir einen gewissen Effekt haben auf Erstwähler und Resignierte und Leute, die vielleicht aus Protest nicht wählen würden“, meint der Spitzenkandidat. „Natürlich wäre es schön, wenn wir ein oder sogar zwei Sitze im Stadtrat bekämen.“

Damit das wichtigste politische Gremium der Stadt „etwas bunter“ und Dorsten „nicht mehr GroKo-mäßig durchregiert“ wird. Simon Rodriguez Garcia will als Vertreter einer „Partei der extremen Mitte“ nicht nur Spaß in den nächsten Jahren haben und den Finger in die Wunde legen. „Wir werden auch mitarbeiten, wenn es konstruktive Ansätze zur Lösung von Problemen gibt“, verspricht er.

Und das war durchaus ernst gemeint.

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