Wie ist es als Frau in der Feuerwehr? Sind die Feuerwehrmänner offen für ihre weiblichen Kolleginnen? Zwei Dorstener Feuerwehrfrauen erzählen von ihrer Motivation und ihrem Ehrenamt.

Dorsten

, 18.07.2019, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mir war eigentlich schon ziemlich früh klar, dass ich kein Mensch für einen Bürojob bin. Ich war immer gerne und viel draußen und ein eher aktiver Mensch, der viel Sport macht“, berichtet Giulia Guse, die seit April 2018 bei der Feuerwehr Dorsten ist. „Nach meinem Abitur habe ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Roten Kreuz in Dortmund entschieden, wo ich auch direkt im Anschluss eine dreijährige Rettungsassistentenausbildung absolvierte“, erzählt sie.

Im Arbeitsumfeld des Rettungsdienstes lernte sie viele Leute kennen, unter anderem auch einige bei der Feuerwehr. „Man arbeitet auch relativ viel mit ihnen zusammen und da mich der Job schon immer fasziniert hat, kam irgendwann der Punkt, an dem ich mich selbst dann auch da gesehen habe und da hin wollte.“

Der Job im Rettungsdienst habe ihr Spaß gemacht. „Aber mit Blick auf die Zukunft reichte mir das einfach nicht. Und so hab ich mir dann das Ziel gesetzt, es zur Feuerwehr zu schaffen. So kam es, dass ich nun noch eine weitere Ausbildung zur Brandmeisteranwärterin mache“, erklärt die 26-Jährige.

Einzige Frau im Lehrgang - „kein Problem“

Das bedeutet für Giulia Guse, dass sie noch einmal in 18 Monaten alle erforderlichen Lehrgänge im Rahmen ihrer Ausbildung zur Feuerwehrfrau ablegen muss. „Die Ausbildung als einzige Frau im Lehrgang war kein Problem. Die Kameraden haben mich sofort akzeptiert und wenn die Kraft mal knapp wurde, haben die Jungs mich toll angefeuert. Die meisten Kameraden sind Frauen gegenüber sofort aufgeschlossen und haben mich direkt als vollwertiges Mitglied angesehen“, berichtet Giulia aus ihrer Erfahrung.

„Andere mussten erst einmal schauen, ob ich mich auch beweisen kann. Aber das konnte ich: Schon während einem meiner ersten Einsätze musste ich dann direkt zu einem Großbrand ausrücken. Ich war im sogenannten Angriffstrupp und direkt am Feuer eingesetzt. Natürlich war ich aufgeregt und es hat mich ganz schön gefordert. Heute weiß ich, dass auch jeder andere Kamerad, der in so einem Fall an vorderster Front steht, mit Adrenalin voll gepumpt und aufgeregt ist. Es hat also nichts mit dem Geschlecht zu tun.“

Keine Männerdomäne mehr

Die Feuerwehr Dorsten ist keine Männerdomäne mehr. Mittlerweile gibt es fast in jeder Freiwilligen Feuerwehr im Stadtgebiet auch weibliche Feuerwehrleute; allein im Löschzug Altstadt sind es aktuell sieben Frauen. Auch in den beiden Jugendfeuerwehren gibt es ständig neue weibliche Aufnahmen, die dann mit dem Erreichen des 16. Lebensjahres in die Löschzüge übernommen werden.

Der Weg der Frauen zur Feuerwehr - zwei Dorstener Feuerwehrfrauen berichten

Katrin Römer feiert in diesem Jahr bereits ihr 25-jähriges Jubiläum in dem Ehrenamt. © Bludau

„Wir arbeiten immer alle zusammen und man steht vor keiner Situation allein. Und man/frau kann durchaus auch über sich hinauswachsen, wenn es wirklich mal sein muss. Zugegeben, es ist nicht immer leicht, mit den Kollegen mitzuhalten. Das ist ja auch schon rein anatomisch schwer leistbar. Ich mache Sport und halte mich fit, aber im Vergleich zu einem Kameraden, der zwei Köpfe größer ist als ich, 30 Kilogramm mehr wiegt und Oberarme wie Bud Spencer hat, habe ich die deutlich schlechteren Karten“, berichtet Katrin Römer vom Löschzug Wulfen, die bereits seit ihrem zwölften Lebensjahr in der Feuerwehr ist, zunächst in der Jugendfeuerwehr und später aktiv im Löschzug.

In diesem Jahr feiert sie bereits ihr 25-jähriges Jubiläum in dem Ehrenamt. „Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kommt häufig die Frage, wie ich belastende Einsätze verarbeiten kann. Ich kann sie gut verkraften und ansonsten kann man sich intern Hilfe holen. Die meisten Einsätze sind aber nicht so schlimm und das Wichtigste für mich ist, dass ich meinen Mitmenschen direkt helfen kann, wenn sie in Not sind. Außerdem ist es eine tolle Freizeitgestaltung, die mir viel Spaß macht“, so Katrin Römer.

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