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So revolutioniert die Stadt Dorsten den Kampf gegen Raser

hzGlosse

Absenkbare Stahlplatten gegen Raser? Ein Bericht eröffnet dem Rathaus ungeahnte Geldquellen. Berthold Fehmer hat per Richtmikrofon zugehört. Eine Glosse.

Dorsten

, 09.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Freitagmorgen, 7 Uhr. Bürgermeister Tobias Stockhoff liest im überregionalen Teil der Dorstener Zeitung den Bericht über das sogenannte Actibump-System einer schwedischen Firma: Versenkbare Stahlplatten in der Straße sollen in Hanau demnächst Raser ausbremsen. Sofort trommelt Stockhoff den Führungsstab in seinem Büro zusammen.

„Hier rufen doch auch ständig Leute an und beschweren sich über Raser. Können wir mit dem System vielleicht was dagegen machen?“, fragt er in die Runde. Kämmerer Hubert Große-Ruiken überfliegt den Bericht und verschluckt sich heftig am Kaffee, als er liest, was Actibump kostet: „50.000 Euro?“, ruft er: „Wo sollen die denn herkommen?“

„Das gibt´s sogar für umsonst“

Tiefbauamtsleiter Johannes Büsken meldet sich zu Wort: „Chef. Wir haben doch so etwas Ähnliches schon an vielen Straßen. Zum Beispiel fast auf der ganzen Länge der Clemens-August-Straße. Nennt sich Schlagloch, und das gibt’s sogar für umsonst.“ „Moment!“, schaltet sich Hubert Große-Ruiken wieder ein: „Wir haben ein billiges, erprobtes System gegen Raser? Andere nehmen für so etwas 50.000 Euro und wir vermarkten das nicht?“

So revolutioniert die Stadt Dorsten den Kampf gegen Raser

Das Dorstener System gegen Raser, das wie hier an der Clemens-August-Straße schon seit Jahren praktiziert wird. © Berthold Fehmer

Große-Ruiken hat plötzlich Euro-Zeichen in den Augen. Doch der Bürgermeister ist noch nicht überzeugt: „Erst mal müsste unser System vermarktungsreif sein. Und ganz ehrlich: Schlagloch – das klingt mir viel zu militant. Wie ein Schlag ins Gesicht. Bei jeder Gelegenheit rede ich über Toleranz und Respekt – da brauchen wir definitiv einen anderen Namen, sonst wird das nichts.“ Großes Grübeln am Tisch. Sabine Fischer von der Stadtagentur hat den Gedankenblitz. „Wir nennen es nicht Schlagloch, sondern Smarthole.“ Jubel dringt aus dem Bürgermeisterbüro bis nach draußen.

Jahrelange Arbeit

Doch dann fragt Große-Ruiken: „Meine Herren vom Tiefbauamt: Wie viele Smartholes können Sie denn pro Jahr für andere Städte produzieren? Wir brauchen einen Plan, wie viele zusätzliche Einnahmen ich für die nächsten Jahre im Haushalt einsetzen kann.“ Johannes Büsken schluckt: „Das geht nicht so von heute auf morgen. Wir haben Jahre gebraucht, bis wir die Straßen in diesem, äh, guten Zustand hatten.“

Doch Stockhoff lässt sich nicht beirren: „Sie tüfteln mit Ihren Mitarbeitern aus, wie man die Smartholes schneller hinbekommt. Sie, Frau Fischer, ändern den Dorsten-Slogan „Kleine Hansestadt an der Lippe“ in „Home of Smartholes“ ab! Klingt viel moderner und internationaler. Und ich rufe in Hanau an und mache denen ein Angebot. 40.000 Euro pro Smarthole sollten ja wohl drin sein. Und wenn der Rubel rollt, dann sanieren wir mit dem Geld endlich unsere Gemeindestraßen.“

Glosse

  • Die Glosse ist wie der Kommentar eine meinungbetonte journalistische Darstellungsform.
  • Im Unterschied zum Kommentar wird bei einer Glosse nicht seriös-rational argumentiert, sondern satirisch und polemisch.
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