Steinwürfe auf Nachbarn: Dorstener droht Psychiatrie-Einweisung

hzLandgericht Essen

Ein psychisch kranker Tierpfleger soll in einem Wohnhaus am Rande von Holsterhausen eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben. Jetzt droht ihm eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie.

Dorsten, Essen

, 07.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Serie von Wut- und Gewaltausrastern steht die Freiheit eines psychisch kranken Tierpflegers aus Dorsten seit Dienstag auf dem Prüfstand. Vor dem Essener Landgericht geht es um gefährliche Steinwürfe, zersplitterte Scheiben und angespuckte Polizeibeamte. In seinem ehemaligen Wohnhaus am Rande von Holsterhausen hat der 36-Jährige laut Staatsanwaltschaft eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Zwangseinweisung droht

Im Mittelpunkt des sogenannten Sicherungsverfahrens vor der 1. Strafkammer stehen mehr als 20 bedenkliche Zwischenfälle. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit davon aus, dass der als schuldunfähig eingestufte Dorstener ohne eine langfristige und kontrollierte psychiatrische Behandlung (oder auch eine Drogenentzugstherapie) jedenfalls aktuell eine ernsthafte Gefahr für die Allgemeinheit ist. Seit April ist der 36-Jährige bereits vorläufig in einer LWL-Klinik im Ruhrgebiet untergebracht.

Dauer-Streit mit einem Nachbarn

Ein Großteil der Vorfälle geht auf einen Dauer-Streit mit einem Hausnachbarn zurück. Am 5. April soll der Beschuldigte von seinem Balkon im ersten Obergeschoss auf die Terrasse seines verhassten Nachbarn runtergeklettert sein, eine Glastür eingetreten und in den Räumen des Nachbarn Gegenstände verwüstet haben. Anschließend soll er wieder auf seinen Balkon hochgeklettert sein und von dort aus mit einem Messer gedroht haben. Darüber hinaus soll der Beschuldigte auch immer wieder Steine von seinem Balkon gegen die Glasscheibe seines Nachbarn im Erdgeschoss geschleudert haben.

9.000 Euro Sachschaden in Sparkassenfiliale

Bei einem Ausraster in der Sparkassenfiliale am Hellweg soll der 36-Jährige zudem am 28. März unter anderem einen Geldautomaten und einen Heizkörper im Wert von 9.000 Euro demoliert haben. Darüber hinaus soll der Tierpfleger auch im Jobcenter, der Polizeiwache und an einer Bushaltestelle ausgerastet sein. Mal soll er einem Polizeibeamten ins Gesicht gespuckt, mal Feuerwehrmänner mit den Worten bedroht haben: „Ich steche euch alle ab.“ Im Februar soll er zudem in einem Holsterhauser Supermarkt mit fünf Messern, einem Schraubenzieher, zwei Zangen und einem Schlagstock bei einem Diebstahl erwischt worden sein.

„Ich war einfach nur fuchsteufelswild“

Die Übergriffe auf seinen Nachbarn erklärte der Beschuldigte mit exzessivem Drogenmissbrauch. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe der Nachbar durch das ständige Wegräumen einer Leiter zu seinem Balkon. „Ich hatte meinen Schlüssel verloren und konnte nur noch so in meine Wohnung kommen“, erklärte der Tierpfleger. „Als er dann aber immer wieder alles weggeräumt hat, war ich einfach nur fuchsteufelswild.“

Für das Verfahren sind noch Termine bis zum 9. November anberaumt.

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