Sieben Thesen wurden bundesweit an zahlreichen Kirchentüren aufgehängt. © picture alliance/dpa
Maria 2.0

„Steter Tropfen höhlt den Stein“: Hoffnung durch Maria 2.0

Am Wochenende gab es erneut eine große Protestaktion der Gruppe Maria 2.0. In Dorsten blieb es ruhig. Pastoralreferentin Annegret Lewin spricht über mögliche Veränderungen in der Kirche.

Am vergangenen Wochenende wurden im Rahmen der Aktion „Maria 2.0“ bundesweit sieben Thesen an Kirchentüren aufgehängt. Diese fordern vor der deutschen Bischofskonferenz in dieser Woche unter anderem den Zugang zu allen Ämtern auch für Frauen, umfassende Missbrauchsaufklärung und eine Abkehr vom Pflichtzölibat.

Während sich im Mai 2019 in Dorsten noch mehr als 100 Personen zu einer Demonstration vor der Bonifatiuskirche versammelt hatten, beteiligten sich die Dorstener Gemeinden diesmal nicht an der Aktion. Das liege aber keineswegs am nachlassenden Interesse, sondern an der durch Corona schwierigen Lage. „Im Moment schläft alles etwas“, erklärt Annegret Lewin, Pastoralreferentin in der Gemeinde St. Antonius und Bonifatius. Die regelmäßigen Treffen der KFD-Ortsgruppen finden nicht wie gewohnt statt. Um die Verbindung aufrecht zu erhalten, werden schriftliche oder digitale Impulse an die Mitglieder versendet.

Kleine Veränderungen vor Ort zu beobachten

„Das ist ein wichtiger Versuch, an dem Thema dranzubleiben“, bewertet Annegret Lewin die neuerliche Protestaktion. Zwar dauerten Veränderungen in der katholischen Kirche immer lange und viel habe sich seit der Aktion vor fast zwei Jahren nicht bewegt. Aber sie bleibt zuversichtlich. „Die Hoffnung ist: Steter Tropfen höhlt den Stein. Irgendwann können die Oberen in der Kirche nicht mehr daran vorbeigucken“, glaubt die Pastoralreferentin.

Annegret Lewin ist Pastoralreferentin und engagiert sich im Rahmen von
Annegret Lewin ist Pastoralreferentin und engagiert sich im Rahmen von “Maria 2.0”. © privat © privat

Vor Ort gebe es schon das eine oder andere Zeichen der Veränderung, meint Annegret Lewin. Als Beispiel nennt sie die Teilung des Dechantenposten in Recklinghausen zwischen Mann und Frau. „Das wird vom Bistum akzeptiert und ist ein Hoffnungszeichen. Man merkt schon, man kann nicht so weitermachen und den Unmut ignorieren“, beobachtet sie.

Weg von Maria 2.0 geht auch in Dorsten weiter

Grundsätzlich sei es wichtig, dass Frauen an Entscheidungen mehr beteiligt werden. Dazu gebe es auch ein Mentoring-Programm seitens der Kirche, das versuche, Frauen in Gemeinden mehr zu berücksichtigen. „Wir sind einige kleine Schritte weiter“, fasst Annegret Lewin zusammen.

Für die nächsten Jahre hofft sie, wie viele andere Frauen auch, auf den einen oder anderen größeren Schritt. „Die Zulassung von Frauen zum Diakonat könnte in den nächsten Jahren möglich sein, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, erklärt Annegret Lewin.

Bei der nächsten großen „Maria 2.0“-Aktion wollen sich die Dorstenerinnen wieder aktiv beteiligen, denn der Weg der Bewegung sei noch lange nicht abgeschlossen. „Maria 2.0 ist noch lange nicht am Ziel, man muss noch etwas nerven“, blickt Annegret Lewin voraus. Vor allem dürfe man angesichts der langsamen Fortschritte nicht mutlos werden oder resignieren.

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