Streitschlichter und Schiedspersonen suchen stets einen Kompromiss

Die Schiedsleute vor eine Tora-Rolle im Jüdischen Museum.
Die Schiedsleute mit Sparkassendirektor Matthias Feller (l.) und Museumsführer Vincenzo Valella rund um eine Vitrine mit der großen Tora-Rolle. © privat
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Schiedspersonen sind zur Stelle, wenn es zwischen Nachbarn Streitigkeiten gibt, die die beiden Parteien nicht mehr alleine beseitigen können. Oft geht es dabei um den zu hohen Baum, die laute Musik oder eine Beleidigung. Schiedspersonen sind ehrenamtlich tätig und sind im BDS (Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen) organisiert. Sie treffen sich regelmäßig in Seminaren und Schulungen, um ihr Wissen und Können für Schlichtungen zu verbessern.

Eine Schulung der ganz besonderen Art konnten die Schiedspersonen aus der Bezirksvereinigung Recklinghausen jetzt durch die Vermittlung von Sparkassendirektor Matthias Feller und Museumsleiterin Dr. Kathrin Pieren im Jüdischen Museum in Dorsten erleben. Vor der eigentlichen Schulung konnten die Schiedspersonen das Museum kennenlernen. Vincenzo Valella – erfahrener Mitarbeiter im Besucherdienst – führte die Gruppe durch das Museum und umriss an zahlreichen Ausstellungsstücken Fakten und Hintergründe über jüdische Geschichte und Kultur.

Erfahrungsaustausch zwischen Alt und Jung

Auf den beeindruckenden Museumsbesuch folgte eine außergewöhnliche Schulung. Kern war ein Erfahrungsaustausch zwischen den Schiedspersonen und Sozialpädagogen der Martin-Luther-Europaschule in Herten-Westerholt. Hanne Marx und Mattias Steltner erläuterten zunächst, wie es gelingt, junge Menschen an der Schule zu Streitschlichtern auszubilden.

Hierzu werden Freiwillige aus den Klassen 7 und 8 in einer ca. 30-stündigen Schulung in die Methoden der Streitschlichtung eingeführt. Der Einsatz von Streitschlichtern ist für die Schulen nicht verbindlich, aber die Erfahrungen in Herten-Westerholt sind sehr positiv. Auch an anderen Schulen ist der Einsatz von Streitschlichtern gängige Praxis. Dabei wird dem Gedanken Rechnung getragen, dass Schüler untereinander häufiger und unkomplizierter miteinander ins Gespräch kommen.

Es geht nicht um Sieg, sondern um Kompromiss

Im Erfahrungsaustausch zeigte sich, dass die wesentlichen Züge der Streitschlichtung bei den jugendlichen und erwachsenen Streitschlichtern sehr ähnlich sind. Wichtig ist unter anderem, dass beide Streitparteien zu Wort kommen dürfen und dass versucht wird, mit Unterstützung des Streitschlichters/der Schiedsperson eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen, bei der es meist nicht nur den reinen Gewinner gibt, sondern ein Vergleich zum Tragen kommt.

Die Streitschlichtung findet bei Jung und Alt im ganz kleinen Kreis statt. Die Verschwiegenheit des Schlichters ist dabei eine Selbstverständlichkeit.